Kbdg 094 - Sunset Ii

König, Bube, Dame, Gast - der Stephen King ReRead Podcast

2022, @Florian666, @Llbyz, @Delanji

http://www.kbdg-cast.de/feed/podcast

Wir lesen King. Chronologisch und umfassend, mit Spoilern aber ohne Ahnung.

Transcript

00:00:00 Intro und Begrüßung

Dela:
3, 2, 1, Start! Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge König Bube Dame Gast. Bei mir ist wie immer der wundervolle Jonas. Hallo Jonas!

Jonas:
Hallo Dela!

Dela:
Außerdem wie immer der großartige Flo. Hallo Flo!

Flo:
Guten Abend.

Dela:
Und ein Wiederholungstäter, der wundervolle Psychovieh. Hallo Psychovieh, schön, dass du wieder da bist.

Psychovieh:
Hallo zusammen, ich freue mich sehr wieder da zu sein.

Dela:
Ja, wir hatten dich ja schon bei einigen Folgen, unter anderem als letztes bei PULS.
Hat sich denn bei dir seitdem irgendwas verändert? Hast du irgendwelche Dinge zu pluggen, oder ist das alles wie es gehabt war?

Psychovieh:
Es ist tatsächlich alles immer noch Name nach Programm.
Ich bin auf Twitter zu finden unter @psychophie. Ist in letzter Zeit ein bisschen eingeschlafen, ist wahrscheinlich die Weihnachtszeit, aber sonst gäbe es nichts Neues.

Dela:
Okay.
Ja, wir wollen heute weitermachen mit Kurzgeschichten, nämlich mit der Sammlung Sunset. Das ist die zweite Folge zu Sunset.
Diesmal mit den Geschichten der Rastplatz, der Hometrainer, Hinterlassenschaften und Abschlusstag. Und Flo, wir machen das wieder wie immer. sagen du gibst uns erstmal eine zeitliche Einordnung.

00:01:42 Der Rastplatz

Flo:
Ja gerne aber erst wollte ich noch erwähnen Sunset war nicht der ursprünglich angedachte Titel für diese Sammlung. Arbeitstitel waren unter anderem Pocket Rockets, also Taschenraketen.
Unnatural Acts of Intercourse, also das kann man übersetzen den unnatürlichen Wege des Miteinanders oder unnatürlicher Geschlechtsverkehr. Ja und Just Past Sunset. Es ist im englischen dann Just After Sunset geworden und im deutschen hat man es wieder gekürzt auf nur Sunset. Ja, wir besprechen heute jetzt als erstes die vierte Geschichte in dieser Sammlung und zwar der Rastplatz.
Im Original heißt sie Rest Stop.
Und sie ist aus dem Jahr 2003. Da wurde sie ursprünglich im Magazin Esquire veröffentlicht.
Ja, viel mehr gibt es auch über die Geschichte vor Abschuk gar nicht mehr zu erzählen. Jonas wird uns jetzt erzählen, worum es hier geht.

Jonas:
John Dykstra ist Englisch-Professor und schreibt unter dem Pseudonym Rick Hardin auch Romane. Allerdings ist das Pseudonym zu einer Art zweiten Persönlichkeit in ihm herangewachsen.
Auf dem Heimweg von einer Lesung hält er zum Pinkeln an einem Rastplatz.
Dort wird er Zeuge, wie ein betrunkener Mann seine schwangere Freundin schlägt. Und da er selbst nicht weiß, was er tun soll, überlässt er Hardin das Ruder.
Der überwältigt den Schläger mit einem Radschlüssel und befiehlt der Freundin, mit dem Wagen der zwei zu fliehen. Und nach ein paar weiteren Tritten und dem Zerstören der Brille des Manns, kann Dykstra Hardin dazu bringen, wegzufahren, bevor die Sache vollkommen eskaliert.
Nach einer Pause zum Kotzen und einer zum endlich Pinkeln kommt Dykstra dann zu Hause an und die Geschichte ist vorbei.

Dela:
Wunderbar. Ich danke dir für die Zusammenfassung. und wie auch schon in der letzten Folge würde ich anfangen mit Kings Kommentar, den er selber zu dieser Geschichte von sich gegeben hat. Das ist in der Sammlung zu finden im Nachwort jeweils und ich zitiere.
"Vor ungefähr sechs Jahren habe ich an einem College in St. Petersburg, Florida eine Lesung gegeben. Ich bin lange geblieben und schließlich nach
Mitternacht auf der Autobahn nach Hause gefahren. Auf dem Rückweg habe ich an einem Rastplatz angehalten, um Wasser zu lassen. Wer irgendwann einmal in Florida eine Autobahn benutzt hat, der weiß, wie es auf so einem Rastplatz aussieht.
Wie in einem Gefängnistrakt im halboffenen Vollzug.
Jedenfalls bin ich vor der Herrentoilette stehen geblieben, weil sich in der Damen-Toilette ein Mann und eine Frau heftig stritten.
Beide klangen ausgesprochen angespannt, so als würden sie sich jeden Moment an die Gurgel gehen. Ich fragte mich, was um alles in der Welt ich dann tun würde und
dachte, ich muss eben meinen inneren Richard Bachmann herbeirufen, von uns beiden hat der nämlich eindeutig mehr Mumm. Das Paar kam heraus, ohne sich zu prügeln, obwohl die betreffende Dame weinte, und ich fuhr nach Hause, ohne dass noch etwas nennenswertes geschehen wäre. Ein paar Tage später habe ich dann diese Geschichte geschrieben."
Ja, wir haben schon die zweite Toilettengeschichte in dieser Sammlung. Ich sehe ein Muster.

Flo:
Naja, Stephen King ist jetzt in einem Alter, in dem muss man halt öfter mal pinkeln.

Dela:
Wie hat es euch denn gefallen, diese Geschichte? Das ist euer erste Eindruck.

Flo:
Puh, das ist schwer zu sagen. Ich würde sagen belanglos. Es ist eine nette Idee, aber es klappt für mich nicht.
Also von der Umsetzung her ist es einfach zu lang gezogen und ich hab mich gelangweilt.

Dela:
Wegen des zu lang gezogenen. Da muss ich sagen, das ging mir auch so. Aber ich glaube, das ist ein großer Teil des Charmes dieser Geschichte.
Weil gerade dass er eben so lange Zeit das Ganze nur beobachtet, bevor er eingreift, fand ich eigentlich sehr symptomatisch und deswegen sehr wichtig.
Psychovieh, du wolltest kurz was sagen?

Psychovieh:
Ja, es hat seine Längen, aber ich schwanke zwischen unangenehm und genau richtig, weil ich mich in der Geschichte irgendwie recht schnell fangen lassen,
einfach weil ich diese, also so, er hat ja auf dem Hinweg erzählt, so ein bisschen von seiner Zwiespältigkeit zwischen sich und seinem alter Ego, mit dem er schreibt.
Und ich musste auch sofort an King / Bachmann denken, aber auch so ein bisschen, also ganz leichtes Stark-Vibes.
Und habe mich halt gefragt, wo das hinführt. Ich fand es interessant zu sehen, wie er so abschweift und immer wieder sich zur Ordnung rufen muss. Und es war auf einmal sehr unerträglich am Ende, als er noch ein bisschen gewartet hat. Mal gucken, ob er sie nochmal schlägt.
Und mal gucken, ob er wirklich wahr macht, dass er sie kalt macht. Und das hat so eine quälende Spannung aufgebaut, die ruhig ein bisschen laxer hätte sein können.
Aber war sehr, sehr erleichtert, als er dann doch was getan hat.

Dela:
Jonas, wie ging es dir damit?

Jonas:
Ich kam da irgendwie nicht so richtig rein.
Ich habe mich nicht so ganz mich reinfühlen können, dass dieser Rick Hardin jetzt ein Teil von ihm ist.
Oder ob es irgendwie eine Persönlichkeitsstörung ist oder... Ja, war irgendwie seltsam.
Und...
Ja, nee, das hat mich nicht gepackt.

Dela:
Es gibt wirklich nicht allzu viel zu dieser Geschichte zu sagen. Was mir sehr gut gefallen hat, war tatsächlich diese Dualität der Gedanken zwischen diesen beiden alter Egos. Also für mich hat das tatsächlich funktioniert.
Weil ich glaube wir alle, auch wenn wir nicht das vielleicht zu diesem Maß haben, aber wir alle haben quasi einen Feigling in uns und einen, der eher auf Konfrontation aus ist.
Und das Auszubalancieren ist glaube ich tatsächlich ein Akt.
Also vielleicht bin das auch für nur ich, ich weiß nicht ob euch das auch so geht, aber ich kann das schon sehr gut verstehen, dass er so lange zögert und dass er versucht, selber in sich einen Typen zu finden, der genug Mumm hat, um wirklich dazwischen zu gehen.

Psychovieh:
Ja, ich finde, das ist eine Frage, das ist ja von 2003, es ist trotzdem eine Frage, die immer noch aktuell geblieben ist, und zwar die Frage nach Zivilcourage.
Also wie bereit bist du, wie weit bist du bereit zu gehen, wie viel Haut willst du lassen, dafür, dass jemand nicht noch mehr zu Schaden kommt?
Und das war dann tatsächlich eigentlich auch ziemlich gut gemacht am Ende, weil es doch, also so unsicher, ich bin nur ein Armer-dünner-Prof und so ein Kram,
Es ist dann recht schnell gekippt und als dann Hardin übernommen hat, hatte ich ein bisschen so dieses so komm, ist jetzt gut.
Du musst jetzt nicht noch dir ausmalen, wie du seinen Schädel zertrittst und wie sich das wohl anhören würde.
Und im Nachgang, als er dann nach Hause gefahren ist und dann noch mal drüber nachgedacht hat, da war es dann wieder okay. Aber für den Moment war es fast ein bisschen zu stark gekippt.

Dela:
Ich glaube, also zumindest das kenne ich aber auch von mir. Deswegen hat sich das natürlich gelesen.
Wenn du einmal über den Punkt kommst, dass du für dich wirklich umschwenkst von ich bin ein Feigling zu, ich gehe jetzt auf Angriff, dann kippe ich halt auch komplett.
Und dann muss ich mich dann halt auch auf die ein oder andere Art da wieder rausziehen. Und das ist ein Gewaltakt.
Also das hat sich für mich tatsächlich natürlich gelesen.

Psychovieh:
So gesehen, ja.

Flo:
Ja, für mich ist das als also wenn die die zweite Persönlichkeit übernimmt sagen wir mal so Da wird es für mich mehr so Superheldengeschichte.
Das alter ego übernimmt und rettet den tag also ich hätte es tatsächlich besser gefunden Wenn er mit sich gerungen hätte und nichts unternommen hätte, hätte gepinkelt wär weitergefahren.
Das wäre für mich glaube ich wirklich eine horror story gewesen.

Dela:
Ja, das stimmt.

Flo:
So wars für mich irgendwie ja vom ton her nicht konsistent.

Dela:
Was mich wahnsinnig gestört hat in dieser Geschichte, das hatten wir aber schon mehrfach, ist die Darstellung der Frau, dass wir in dieser Geschichte wahnsinnig viele schlechte Witze über häusliche Gewalt haben.
Ja, er erzählt die nicht selber, er erinnert sich halt nur, dass er diese Witze gehört hat. Und dass die tatsächlich ein Ding sind nun mal in der kulturellen Wahrnehmung von häuslicher Gewalt.
Von daher ist es wieder gut, dass sie drin sind.
Aber dass zum Beispiel auch die Frau wieder dargestellt wird, als sie wird wütend, als man ihr hilft, das nervt mich. Und das hatten wir halt zum Beispiel in Buick auch schon.
Dass wir wieder diese wilde Promotion von der Frau, die es ja eigentlich gern hat, wenn man sie scheiße behandelt.

Psychovieh:
Ja, plus halt das klassische Narrativ, das sieht man bei King ja auch oft, Damsel in distress, ne?
Also der Protagonist kommt irgendwo an, wo eine Frau in Nöten ist und dann steht er da und muss entscheiden, was er jetzt tut, um die Frau zu retten.
Ich meine, klar ist ein Fall von akuter Gewalt in der Beziehung oder häuslicher Gewalt immer was, wo man sagt, vielleicht kommt man aus der Spirale nicht raus und man kann helfen. Aber es ist halt hier auch schon wieder so, ja, die 0815-Form, ne?

Flo:
Ja, und dann auch Themen, die er wirklich schon mehr als einmal durchgekaut hat.
Also die gespaltene Persönlichkeit, die misshandelte Frau, der Schlägerfreund und dann haben wir natürlich einen Schriftsteller der in diese Situation gerät,
also das ist alles so ganz klassische Kingtropes. ja. das hilft mir jetzt auch nicht da noch warm zu werden. ich meine wenn man das gut umsetzt diese Punkte, dann wissen wir, dass er das kann.
Aber das hier war irgendwie ein bisschen lustlos.

Dela:
Was mir noch sehr gut gefallen hat, war, dass er das tatsächlich so dreht, dass der Typ, also der gewalttätige Freund, die Frau tatsächlich selber wegschickt, um seine eigene Haut zu retten.
Denn das ist ja nun bei Hilfe, bei häuslicher Gewalt immer ein großes Problem, dass de facto das Risiko besteht, dass du die Situation für die betroffene Person noch schlimmer machst, indem du geholfen hast.
Weil sie halt vielleicht in dem Moment trotzdem keine Möglichkeit hat, endgültig aus der Situation rauszukommen.
Und dann der Backlash natürlich noch mal schlimmer sein kann.
Dadurch jetzt sie nicht einfach weggelaufen ist, weil er sie weggeschickt hat. Sondern er das verknüpft hat mit der Drohung, wenn du jetzt nicht gehst. Dann schlage ich ihn tot.
Das kann eventuell tatsächlich sogar helfen, dass der Typ ihr hinterher nicht daraus noch einen Strick drehen kann.
Das fand ich eine ganz nette Sache, dass er das mit eingeplant hat.

Jonas:
Ja, das stimmt. Das war auch so ein Ding, wo ich gedacht habe, wie wird die Frau jetzt los? Und dann hat er gesagt, hier, hau ab, oder ich bringe ihn um. Das war nicht schlecht.

Dela:
Ich würde jetzt an der Stelle schon mal ein bisschen die Symbolik machen, weil wie gesagt, inhaltlich habe ich hier echt nicht viel zu sagen. Stimmt ihr mir dazu?

Flo:
Ja.

Jonas:
Ja

Psychovieh:
ebenso.

Dela:
Okay, was ich extrem faszinierend finde, und das ist wieder genau die Debatte, die wir momentan international, aber natürlich vor allem auch in den USA momentan führen, das Leben der Frau an sich, dass er denkt, der Typ bringt die Frau um, ist völlig egal. Das würde nicht reichen für ihn, um da einzugreifen.
Der Moment, wo er eingreift, ist das, als er daran denkt, dass das Baby in Gefahr ist, dass sie schwanger ist.
Und das ist das, was ihn in Bewegung setzt. Also wir haben hier wieder so eine, finde ich, wieder so eine dezentes Spiegelung auf diese ganze Abtreibungsdebatte. Das Leben der Frau ist scheißegal, aber wir müssen unbedingt das ungeborene Leben schützen.
Das finde ich noch ganz nett.

Psychovieh:
Aber, Und das ist wichtig, aber nur solange es ungeboren ist.

Dela:
Genau, genau das ist der Punkt.
Also wie gesagt, die Tatsache, dass er wirklich erst in dem Moment sich in Bewegung setzt, als er realisiert, dass da ein ungeborenes Kind in Gefahr ist und nicht die Frau, das fand ich nochmal sehr symptomatisch für die ganze Geschichte.

Jonas:
Hm, das stimmt. Meinst du, King hat das bewusst so gemacht oder... Es ist ihm quasi einfach so passiert.

Dela:
Ich glaube, es ist ihm einfach so passiert, deswegen qualifiziert es wahrscheinlich auch nicht als Symbolik. aber wenn es ein Unfall war, war es ein sehr hübscher.

Psychovieh:
Ich meine, das musst du ja auch nicht unbedingt bewusst machen, weil es reicht ja, wenn du die Gegenwart, also die aktuelle Realität, besonders in den Vereinigten Staaten, einfach eins zu eins widerspiegelt, dass du trotzdem genau den Punkt triffst.

Dela:
Naja, und sicherlich auch eben seine eigenen kulturellen Prägungen, die eine oder andere Form. Ich meine, ob King jetzt, ich meine, er sagt ja in seinem Kommentar, dass ihm diese Situation so ähnlich fast passiert wäre.
Nur da gab es wahrscheinlich kein Kind und wahrscheinlich hat der Typ eben nicht direkt zugeschlagen. Und ob King da tatsächlich genauso gehandelt hätte, dass er weggefahren wäre, wenn es nur die Frau ist, das weiß ich nicht.
Ich glaube es nicht, aber weiß es nicht.

Psychovieh:
Also ich weiß nicht, ob das Symbolik ist, aber was ich so ein bisschen interessant fand, war das Spielen mit den Vorurteilen. Er hält den beiden ja erst mal am Anfang zu und hört wieder, man redet etc.
Und er konstruiert daraus so ein Bild, wo ich da gesessen habe und hab genickt und dachte mir, ja hier so ein bisschen Redneck-Hillbilly, trunkenbold, in Englisch nie aufgepasst etc.
Und dann kommt da jemand raus, den er sich überhaupt nicht vorgestellt hat und beschreibt ihn dann auch nochmal. War halt auch schon wieder so ein bisschen so dieses, erst einmal so den Leser mit kippen lassen und dann die andere Richtung, weil Überraschungen das passt überhaupt nicht.

Dela:
Ja das Stimmt.
Gut. Querverbindungen hätte ich jetzt hier zu Stark, denn es fällt der Satz zusammen mit Donald E. Westlake, der als Richard Stark Hardboiled Gauner-Komedien verfasste, Punkt, Punkt, Punkt.
Und dann haben wir natürlich das ganze Thema mit häuslicher Gewalt, was uns verbindet mit dem Buick, mit das Bild, mit Regulators und Desperation, und natürlich mit Dolores.
Hast du noch andere Querverbindungen gefunden, Flo?

Flo:
Naja, die Schizophrenie, wenn man das so nennen möchte, würde uns ja verbinden mit dem dunklen Turm auch und mit Sprengstoff, wobei ich an Sprengstoff nicht mehr denken möchte.

Dela:
Ja gut, bei Sprengstoff hätte ich jetzt die Verbindung echt wenig gesehen, aber war bei Sprengstoff was Schizophrenes dabei?
Ich hab das komplett vergessen.

Flo:
Ich auch. Dieser Typ war irgendwie... ich hab keine Ahnung, ja.

Dela:
Wie sieht es denn hier mit Zitaten aus?

Jonas:
Nö.

Flo;
Ich habe diese vier Geschichten heute leider gehört und deswegen keine Zitate.

Psychovieh;
Muss ich tatsächlich passen.

Dela:
Okay, dann habe ich zwei.
"Lee sagte es so tonlos, als würde er aus der Bibel zitieren. Direkt aus dem zweiten Buch Saufus. Und was an dieser Stimme wirklich schaurig war, Dysktra spürte wie sich ihm die Nackenhaare aufstellen, war ihre völlige Gefühlslosigkeit.
Zorn wäre besser gewesen.
Und vor allem weniger gefährlich für die Frau. Zorn war wie ein leicht entzündbares Gas. Ein Funke und der brannte Lichterloh. Erlosch aber sofort wieder. Aber dieser Kerl spielte mit vollem Einsatz.
Er würde sie nicht noch einmal schlagen, um sich dann zu entschuldigen und dabei vielleicht sogar zu heulen. Gut möglich, dass er das früher hin und wieder getan hat, aber nicht heute Nacht. Heute Nacht würde er aufs Ganze gehen."
Und das ist halt genau der Punkt, er erkennt die Gefahr von die Frau bis zu dem Punkt immer noch egal.
Und dann hab ich noch... "gab es vielleicht einen magischen Augenblick, an dem sich der literarische Werwolf, der die fette Kohle verdiente,
in den harmlosen Englischprofessor zurückverwandelte, der sich auf Lyriker und Romanciers des 20. Jahrhunderts spezialisiert hatte.
Und spielte das überhaupt eine Rolle, solange er mit Gott, dem Finanzamt und den paar Footballspielern im Reinen war, die gelegentlich einen seiner beiden Einführungskurse belegte?"
Gut. Dann würde ich sagen, haben wir dazu nicht mehr viel zu sagen. Gibt es denn hier Verwertungen?

Flo:
Es gab eine Planung, aber ich habe jetzt nicht gefunden, dass daraus irgendwas geworden ist.
Es sollte ein Dollar-Baby geben aus dem Jahr 2010 und es war von Filmstudenten aus Potsdam-Babelsberg.
Die haben damals wohl per Facebook auch um Spenden gebeten, aber wie gesagt, ich konnte nichts dazu finden, ob da jemals was rausgekommen ist.

Dela:
Okay.
Wenn ihr keine Ergänzungen mehr habt, dann würde ich euch jetzt um eure Bewertungen bitten. Und für die, die neu zuhören, wir bewerten von 0, das ist das schlechteste, bis 19, das ist das beste.
Und ich würde sagen, Psychovieh, du fängst an.

Psychovieh:
Okay, also, das ist jetzt natürlich nicht das literarische Meisterwerk vor dem Herrn, aber ich hab's doch gerne gelesen, Ich würde trotzdem eine OK 14 geben.

Dela:
Okay. Jonas?

Jonas:
Ja, mich hat es nicht so richtig gepackt. Ich kam mit der Hauptfigur nicht richtig...
Ja, bin mit dem nicht warm geworden. Ich wäre insgesamt eher weniger gut. Ich gebe mal 7 Punkte.

Dela:
Ich würde mich da bei 8 Punkten einpegeln.
Ich fand ein paar schöne Momente da drin, aber ich werde die Geschichte definitiv morgen wieder vergessen haben. Also es bleibt nicht wirklich viel hängen, aber sie hat nicht wehgetan.
Flo, wie ging es dir?

Flo:
Ich habe die Geschichte tatsächlich mit einer anderen Geschichte verwechselt.
Und hatte mich darauf gefreut und war dann etwas enttäuscht, dass es nicht das war, was ich erwartet habe. Aber das, was ich bekommen habe, hat mich halt auch nicht gepackt. Also ich würde auch sagen, 8 Punkte.
Und mehr kann ich hier nicht geben.

Dela:
Okay. Dann würde ich sagen, gehen wir an die nächste Geschichte. Oder habe ich irgendwas vergessen?

Flo;
Nein.

00:20:55 Der Hometrainer

Dela:
Dann fangen wir jetzt an mit der Home Trainer. Flo, gib uns bitte die zeitliche Einordnung.

Flo:
Ja, wir sind wieder im Jahr 2003.
Und diesmal ist es in der Sammlung Borderlands 5 oder im Magazin Borderlands Nummer 5 erschienen. Das ist der Hometrainer, wie du schon gesagt hast. Im Original heißt die Geschichte Stationary Bike.
Und ja, die Geschichte hatte wohl einen, also es erschien, bevor das Buch rauskam, hier eine Audioversion im Jahr 2006 bereits. Und da hat die Geschichte noch einen anderen Anfangssatz, der es dann nicht mehr in die gedruckte Sammlung geschafft hat, übersetzt ungefähr: "Dies ist eine derjenigen Geschichten, die das Herz vieler Englischprofessoren höher schlagen lassen sollten."
Ob das stimmt, können wir jetzt diskutieren und Jonas erzählt uns jetzt, worum es hier geht.

Jonas:
Dem Grafiker Richard Sivkitz wird von seinem Arzt geraten, seine Lebensweise zu ändern,
um sein Gewicht und seinen Cholesterinspiegel zu verringern.
Die Metapher, dass in seinem Körper eine Art Arbeitscrew damit beschäftigt ist, diesen Körper vom überflüssigen Ballast zu befreien, bleibt ihm im Gedächtnis und er hat diese Truppe geradezu vor Augen. Er schafft sich einen Heimtrainer an und,
beginnt regelmäßig zu fahren und er fällt dabei immer wieder in
Tagträume und stellt sich vor wie er einen Weg durch einen Wald fährt, durch eine Straße, die von dieser Crew in Ordnung gehalten wird.
Und er kauft sich auch Karten und plant oder zeichnet ein, wo er schon hergefahren ist und so weiter. Und er stellt auch seine Ernährung auf gesundes Essen um.
Was er jedoch noch nicht weiß, ist, dass er durch seine neu erworbenen Fitness diese inneren Arbeiter in Bedrängnis bringt, weil er ihnen die Lebensgrundlage raubt.
Und einer von ihnen, Carlos, verliert dann auch seinen Job und begeht Selbstmord.
Sifkitz bekommt das alles im Traum leibhaft mit und beschließt, das Fahren sein zu lassen, schafft das aber nur etwa eine Woche lang.
Dann macht er weiter und wird dann schließlich in einem seiner Radfahrtagträume von dem verbleibenden Arbeitstrupp gestellt, die zerlegen seinen Heimtrainer und erklären ihm, was Sache ist.
Und Sivkitz eignet sich dann mit ihnen, die Sache langsamer angehen zu lassen. Und er ernährt sich dann zwar weiterhin grundsätzlich gesund, gönnt sich aber regelmäßig auch nachhaltige Nachspeisen.
Reichhaltige Nachspeisen, So rum.

Dela:
Gut, wunderbar. Danke für die Zusammenfassung. Und ich muss sagen, ich mag die Geschichte. Ich hab die voll gern gehabt.
Das Problem ist, aber die ist echt beschissen zu besprechen.
Wie ging's euch damit? Wie war euer erster Eindruck, Flo?

Flo:
Ich mag die Geschichte nicht. Ich find die Grundidee cool, aber ich fand sie sehr langwierig erzählt. Und irgendwann ist ich einfach in so den Bereich komplett bekloppt abgerutscht.
Und wie gesagt, die Grundidee ist schön, aber der ganze Heimtrainer und dann auch, ich fand's merkwürdig. Das hat mich auch hier wieder nicht gepackt.

Dela:
Okay. Jonas?

Jonas:
Ich hatte Spaß in der Geschichte. Wie er sich so eine Truppe Arbeiter vorstellt, die gibt es dann wirklich und greifen in sein Leben ein und so. Das hat Spaß gemacht. War sehr schön.

Dela:
Ok, Psychovieh? Ja, es ist halt so. Was, wenn deine Vorstellungskraft eine Realität schaffen kann, fand ich super, super cool. Ich glaube, länger hätte es nicht sein dürfen, weil ein ganzes Buch kannst du daraus nicht stricken.
Aber für das, was es war, war es ziemlich cool. Das Einzige, was mich persönlich ein bisschen hängen hat lassen, war am Ende dieses so, okay, dann esse ich halt ab und zu mal einen Apfelkuchen. Das war so ein bisschen so meh, aber der Rest war richtig, richtig toll.

Dela:
Okay. Ich würde wie immer die richtige Detailbesprechung anfangen mit dem Kommentar von King. denn ich glaube, das bezieht sich auf jeden von denen ein, was Flo gesagt hat. "Wer sich jemals auf einem dieser Geräte abgestrampelt hat, der weiß, wie entsetzlich langweilig das sein kann. Und wer jemals versucht hat, sich wieder dazu zu zwingen, täglich zu trainieren, der weiß, wie schwierig das sein kann.
Mein Motto lautet, Essen ist einfacher. Aber ich mache meine Übungen, danke der Nachfrage.
Diese Geschichte hat ihren Ursprung in der sehr eindeutigen Empfindung, die ich für jedes Laufband und für jeden Stepper hege, auf dem ich mich je abgespitzt habe. Hass. Reiner, unverfälschter Hass."
Und ich glaube, das ist genau der Punkt, diese Langwierigkeit und dieses Langatmige, das spiegelt halt genau das. Du sitzt da halt auf deinem lustigen Bock und machst Dinge und eigentlich kotzt es dich an, weil du andere Dinge zu tun hast.
Also ich glaube, dass tatsächlich die Länge und diese Langatmigkeit Teil des Konzepts ist.

Flo:
Vermutlich. Aber ich muss sagen, was ich bei diesem Arbeitstrupp so im Kopf hatte, als dann rauskam, was die wirklich sind. Ihr kennt doch diese Zeichentrickserie, es war einmal das Leben.

Dela:
Ja, das hab ich auch in meinen Notizen drinstehen!

Jonas:
Natürlich.

Flo:
Ich hatte genau diese Männchen im Kopf und spätestens da konnte ich die Geschichte einfach nicht mehr ernst nehmen.

Dela:
Das hat tatsächlich für mich gut funktioniert.
Also die Beschreibung von diesem Arbeitstrupp, das liegt jetzt vielleicht daran, dass ich halt ein Baustellenkind bin und mein Leben dort mit solchen Menschen verbracht habe.
Aber das hat für mich funktioniert. Die Beschreibung von diesen Typen, die halt in ihrem Pickup Country Music und Kenny Rogers und Zeug hören und ab und zu ihr Feierabendbier trinken und eigentlich ganz cool sind. Das hat mir echt gut gefallen und auch wie sie ja am Anfang total überarbeitet sind und eigentlich nur über ihren Chef kotzen und das mochte ich, das hat für mich
richtig gut funktioniert.

Flo:
Ich glaube was mich auch gestört hat ist, dass wir hier so ein bisschen Wahn light hatten. Also wenn er jetzt wirklich nur da gestrampelt hätte und sich in dieser Fantasiewelt ergeben hätte und das dann real geworden wäre, hätte ich vielleicht noch eher damit umgehen können, aber dann mussten die Bilder noch reinkommen.
Und ja, das hatten wir halt alles gerade erst.

Dela:
Ja, das stimmt.

Flo:
Und besser.

Psychovieh:
Also mich hat es tatsächlich so ein bisschen, also gerade gehen Ende, als er dann von diesem Rad absegelt und sich umdreht und sieht, dass hinter seinem Rad ein Loch in der Realität ist, war halt schon so ein bisschen Turm-Vibes, ne? Eine Tür, die einfach irgendwo rumsteht.
Und am meisten mich tatsächlich am Anfang abgeholt. Ich habe halt richtig mitgefiebert, wie er dann nach diesem Gespräch, nach diesem ernsten Gespräch, der Doktor sagt, ich erzähle das allen nur einmal, nach Hause fährt und dann auch noch Eindrücke von Baustellen hat.
Ich hab früher auch mal auf dem Bau gearbeitet, dementsprechend hat man dann auch direkt so ein bisschen so was vor Augen. Und zu Hause hat er auf einmal keine Ruhe mehr und bringt das alles so zusammen.
Das fand ich total klasse, wo es dann halt auch irgendwie so funktioniert hat. Hinterher hat sich so ein bisschen verstolpert, weil ich dachte so, na ja, jetzt auf einmal ist es so und dann ist auf einmal die Realität und das Bild ändert sich selber.
Aber so von der Gesamtkomposition eigentlich ein super Teil.

Dela:
Was ich noch ganz lustig fand, war die Tatsache, wir haben ja hier zwei Tote, die für diese Geschichte sehr relevant sind. Der eine ist der Tod seiner Ehefrau, weshalb er ja überhaupt erst mal angefangen hat mit seinem ungesunden Essverhalten.
Und der zweite Tod ist der, der ihn dann wieder zurück auf normal erhielt. Und das ist dieser Selbstmord von Carlos. Und das fand ich auch ganz nett, dass wir so zwei traumatische Momente in der Biografie von Menschen reinbringen, die dann aber eben Auswirkungen auf ganz andere Dinge haben, die damit erst mal akut nichts zu tun haben.
Das mochte ich ziemlich gerne. Und dass der Typ sich natürlich in so eine Fantasiewelt reinsteigern kann, das macht für mich voll viel Sinn, weil er ist nun mal Werbegrafiker und das ist sein verdammter Job,
Klischees darzustellen und die zu überzeichnen und zuzeichnen.
Das hat für mich insgesamt alles voll viel Sinn gemacht. Das hat mir gut gefallen.
Und was ich halt auch sagen muss, diese Idee, dass er sich da Straßenkarten und so gekauft. Ich bin halt auch so ein Mensch, der es hasst Sport zu machen. Und zwar richtig.
Aber ich hatte da zum Beispiel, es gibt auf YouTube so lustige Fahrradvideos, wo sich irgendwelche Menschen eine GoPro aufs Fahrrad bauen und dann irgendwo in Amerika über die Küstenlandschaften fahren.
Und als ich mit meinem Hometrainer, also ich hab so ein Handfahrrad, mit meinem Hometrainer darum gemeiert hab, habe ich mir halt auch wirklich diese Videos da auf den Fernseher gelegt und bin quasi mit denen die Strecke mitgefahren.
Und damit du eben eine Motivation hast, habe ich wirklich an dem Moment, wo ich aufgehört habe zu fahren, das Video gestoppt und habe am nächsten Tag an der Stelle weitergemacht.
Dass du wirklich das Gefühl hast, du machst einen Fortschritt.
Denn ich glaube, das ist bei Sport das größte Motivationsproblem, wenn du das eben auf so einem stationären Gerät machst, dass du kein Erfolgserlebnis hast.
Und das hat für mich alles funktioniert. Ich mochte das.

Psychovieh:
Ja, es war halt auch gut. Ich finde, es war auch gut hinerzählt, dass er schließlich den Hometrainer da aufbaut. Das ist alles langweilig. Und er erklärt ja auch so, das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass du da auf der Stelle strampelst und nicht das Gefühl hast, vorwärtszukommen.
Das hat er halt einfach, also das hat der Protagonist halt einfach super irgendwie unterminiert, indem er gesagt hat so, ich male mir da was hin und ich nehme meine bildliche Vorstellungskraft,
meine Fantasie, die er ja haben muss für diesen Job, und benutze die einfach für was anderes.
Das ist ein Werkzeug und er merkt halt, dass er es vielseitiger einsetzen kann als nur für zu malen, also nur in ganz vielen Anführungsstrichen.

Dela:
Genau.
Frage dazu, ich mein, Flo, ich müsste eigentlich müsste ich in der Lage sein, diese Frage zu beantworten, aber ich bin es nicht. Was glaubst du, was dieser Kommentar soll mit den Englischprofessoren?

Flo;
Ich habe eine Rezension gefunden, wo diese Geschichte als Außenseiter in der Sammlung bezeichnet wird.
Die meisten anderen Geschichten wären Horrorstories, was ich jetzt auch nicht unbedingt so sehen würde.
Aber das hier wäre ein, ich habe das Zitat irgendwo, "der Hometrainer ist einem mit einem augenzwinkern zu verstehende abrechnung mit dem amerikanischen fitness wahn". Das habe ich überhaupt nicht gesehen, also das Augenzwinkern ja, ja das ist eine Geschichte die sich nicht so ganz ernst nimmt.. ich weiß nicht ob er hier literatur schreiben wollte, ich glaube es nicht, das kann nicht sein.
also ich blicke auch nicht ganz durch was er mit diesem Satz gemeint hat.

Dela:
Aber den Hass den er für diese Hometrainer empfindet. Der kam für mich aber auch nicht durch.

Flo;
Auch das nicht, nein.

Dela:
Also außer durch die Länge möglicherweise, aber ansonsten hat der für mich auch nicht wirklich funktioniert.

Jonas;
Ich glaube der Hass ist genau diese Sache mit dem nicht fortkommen. Das schreibt er auch explizit so da rein und ich glaube er wünscht sich, dass er einen ähnlichen einen Ausweg gefunden hätte, wie hier dieser Sifkits.
Dass er sich irgendwie wegträumen kann dabei. Und quasi die ganze Sache einfach macht, ohne es wirklich mitzubekommen.

Dela:
Was ich tatsächlich viel mehr glaube, was hier wieder von King drinsteckt, ist seine Suchtthematik.
Denn als er versucht, mit diesem Hometrainer aufzuhören, das glaube ich King wieder, mit Dingen aufhören fällt einem King halt echt schwer.
Und das merkt man ja auch wieder, dass er aus der Sicht eines Junkies schreibt.
Das mochte ich auch.

Psychovieh:
Ja, merkt man halt sehr stark, als er versucht, dieses Ding wirklich abzubauen und dann doch wieder strampelt. Also so war da schon sehr stark im Vordergrund, weil auf einmal ging es nur noch darum, fahre ich noch eine Runde oder fahre ich nicht mehr.

Dela:
Bedauerlicherweise muss ich aber sagen, das Ende mochte ich nicht so richtig. Also ich hätte diesen Augenzwinkernden Hinweis auf die Fitnesskultur des Amerikas, der 80er, 90er, 2000er, was auch immer,
den hätte ich cooler gefunden, wenn dieser Bautrupp ihn tatsächlich stellt und umbringt.
Dass sie einfach nur versuchen, ihm klar zu machen, dass er so eine Balance des Schreckens herstellen muss.
Das hat das Ganze für mich mehr abgeschwächt, als nötig gewesen wäre.

Flo:
Das sehe ich auch so.

Psychovieh:
Ja, auf jeden Fall. Also ich habe tatsächlich, also das letzte Kapitel in dieser Kurzgeschichte heißt ja "nicht unbedingt, dass alle das Ende erwartet haben". Ich weiß nicht, ob ihr die deutsche Version gelesen habt.
Aber ich habe halt, als ich das gesehen habe, dachte ich mir, oh, das gibt noch mal eine unerwartete Wendung. Dann steigen die ja alle aus diesem, aus diesem, aus diesem Dodge Ram aus und dann fällt ihm auf, dass also dann fällt ihm auf, dass er die Leute kennt vom Namen her.
Und beim ersten sagt, das ist David Berkovitz, der Son of Sam. Das ist ja ein sehr berüchtigter Mörder. Und in dem Augenblick habe ich so weggeschaltet, weil sich das kombiniert hat mit, das hat niemand erwartet.
Und ich dachte mir, oh mein Gott, er hat nur irgendwelche irren Serienmörder in diesem Ding arbeiten lassen. jetzt kommen sie um ihn zu holen und das ist halt leider nicht passiert. Also ich hatte tatsächlich so ein bisschen irgendwas wie hektische Flucht durch das Raumzeitportal erwartet.

Jonas:
Ja schon.
Aber dieser Spruch mit den Englisch-Professoren oder Lehrern, ich weiß nicht mehr, der war ja irgendwie Lässt die Herzen dieser Höher schlagen oder so.
Möge ich erweise ist das auf dem augenzwinkern zu verstehen. So "Macht noch ein bisschen mehr sport, ihr seid ja alle fette sesselpupser" oder so

Dela:
Ja, das würde ich ihm zutrauen auf jeden fall.
Gut habt ihr zum inhalt noch was zu sagen.

Jonas:
Nee.

Dela:
Dann wie gesagt Symbolik kann ich nicht viel machen Ja, es ist eine Karikatur auf diesem ganzen Fitnesskult, aber auch dafür ist es mir zu dünn.
Ansonsten, wie Flo schon sagte, es war einmal das Leben, hatte ich auch sofort im Kopf. Und natürlich dieses ganze Element von Balance des Schreckens und zu viel des Guten.
Man muss halt von allem eine Grundlage finden, auf der alle leben können.
Aber wirklich Symbolik ist ja ehrlich gesagt nicht drin.
Wie sieht es hier aus mit Verwertungen?

Flo:
Hier gibt es nichts.

Dela;
Außer das deutsche und englische Hörbuch wie für die ganze Sammlung.

Flo;
Natürlich, ja.

Dela:
Hast du denn Querverbindungen?

Flo:
In dem Fall habe ich auch keine Querverbindungen.

Dela:
Ihr anderen auch nicht?

Jonas:
Zu das Bild würde ich sagen, in gewisser Weise. Weil er ja diese Bilder malt, in die er dann reinkommt.

Flo:
Ja, das Bild und der Wahn, aber ja.

Dela:
Eine ganz nette Querverbindung finde ich durch das ganze Konzept von Fantasie wird lebendig haben wir natürlich mit dem Turm.
Und da fällt ja auch der Satz, "woher wollen sie wissen, dass sie nicht auch ein beiläufiger Gedanke sind, der irgendeinem arbeitslosen staatlich geprüften Steuerberater durch den Kopf geht,
während er auf dem Plumpsklo sitzt, (hier haben wir wieder die Toiletten), Zeitung liest und sein morgentliches Ei legt."
Also diese Idee, dass der Autor eine Macht hat, Dinge zu erschaffen, die dann in irgendeiner Form real sind, das haben wir ja bei Stark, das haben wir beim Turm, das haben wir bei Wahn in der einen oder anderen Form, na also das ist schon drin.
Und natürlich "war der Himmel über ihnen von einem seltsamen, organischen Rot." Ich möchte an dieser Stelle sagen, nein ich halte das nicht für eine Querverbindung, also zumindest nicht für eine zum Turm. Es macht halt Sinn, dass da ein roter Himmel ist, weil er ja auf sich selber von innen quasi sieht.
Aber das fand ich trotzdem eine ganz nette Sache.
Hat ihr Zitate?

Jonas:
Auch hier nicht.

Flo;
Nein.

Psychovieh:
Also hier tatsächlich, und da bin ich tatsächlich nur dran hängen geblieben an der Sucht-Thematik. Da haben "wir noch einmal eine Tour nur noch um der alten Zeiten willen, dachte er."
Und dann kurz darauf dann halt tatsächlich, "er dachte, ich hatte meine letzte Chance. Ich hatte meine letzte Chance und habe sie nicht genutzt."

Dela:
Ja. Und ich habe... "Passen Sie gut auf sich auf, sagt Freddy. Aber nicht zu sehr, fügte Willy hinzu."
Gut, dann bleibt mir nur euch um eure Bewertungen zu bitten und ich würde sagen Flo fang du mal an.

Flo:
Ja, ich bleibe im selben Nummernbereich wie bei bis jetzt allen Kurzgeschichten dieser Sammlung. Ein bisschen besser als die letzte, aber überzeugt hat sie mich auch nicht. Ich gebe wohlmeinende 10 Punkte.

Dela:
Ich würde mich damit 11 Punkte dir annähern.
Ich habe wahnsinnig viel Spaß gehabt an der Personenbeschreibung. Aber natürlich eben wie gesagt dieses Zerrige, dieses Langatmige, das hat mich auf die Dauer auch genervt und ich fand das Ende halt nicht allzu toll.
Deswegen 11 Punkte, aber ich bin glücklich mit der Geschichte. Die war keine Zeitverschwendung.
Psychovieh?

Psychovieh:
Ja, ich muss sagen, jetzt wo ich gerade 14 gegeben habe und dann sehe, dass hinterher die bessere Geschichte kommt, Zweifel ich ein bisschen an meiner eigenen Wertung, weil das hier ist tatsächlich die, die mir besser gefallen hat, da gleich.
Eigentlich müsste ich 14 bis 15 geben und ich glaube, da würde ich mich auch einranken. Also einfach weil, bis aufs Ende, wo ich zustimmen muss, dass das leider zu schwach war, ist die Geschichte halt durchaus besser.

Dela:
Du musst dich aber einigen auf eine Zahl.

Psychovieh;
15.

Dela;
Okay. Jonas, du hast das letzte Wort.

Jonas:
Ich komme auch auf 15 Punkte, die hat nicht wehgetan, hat Spaß gemacht. mit dem Ende konnte ich mich auch engagieren. War rund. Top. 15 Punkte.

00:40:45 Hinterlassenschaften

Dela:
Okay. Wunderbar. Dann kommen wir zur nächsten Geschichte. Hinterlassenschaften. Flo, du hast das Wort.

Flo:
Im Jahr 2005 hat der Schriftsteller Ed McBain, sehr bekannter Krimischriftsteller, eine Reihe mit dem Titel Transcrasions auf den Markt gebracht, in denen er verschiedenen Autoren die Möglichkeit gegeben hat, ein recht ungeliebtes Format umzusetzen, nämlich die Novelle. Also zwischen Kurzgeschichten sind ja so bis 5000 Wörter, Romane ab 60.000 Wörter und was dazwischen liegt, das zählt wohl dann offiziell als Novelle, was bedeutet, dass viele von King's Kurzgeschichten, Novellen sind. Ja, King ist darauf natürlich angesprungen und hat eine Geschichte geschrieben, die dann auch 2005 in der deutschen Sammlung die Hohe Kunst des Mordens erschienen ist. Originaltitel ist The Things That They Left Behind und die Geschichte erschienen
damals unter dem Titel Nachgelassene Dinge. Es ist dieselbe Übersetzung, auch übersetzt von Wolf Bergener die hier in Sunset enthalten ist. Hier hat man den Namen aber dann geändert in
Hinterlassenschaften was glaube ich auch besser klingt als nachgelassene Dinge. Ja und was uns da hinterlassen wurde. Das erzählt uns jetzt Jonas.

Jonas:
Scott Sadie wurde von einer inneren Stimme dazu verleitet, am 11. September 2001 nicht in sein Büro im World Trade Center zu gehen, sondern blau zu machen. Somit war er nicht da, als die Gebäude angegriffen wurden. Und seitdem plagen ihn Schuldgefühle als Überlebender.
Etwa ein Jahr später tauchen Gegenstände in seiner Wohnung auf, die seinen KollegInnen gehört haben.
Er versucht, die zu entsorgen, aber das bringt nichts. Die tauchen immer wieder in seiner Wohnung auf.
Und nachdem er keinen Platz bei einem Therapeuten bekommt, vertraut er sich einer Nachbarin an.
Und die nimmt, um zu beweisen, dass es nichts Übernatürliches sein kann, einen kleinen Würfel mit und bewahrt ihn in ihrem Safe auf.
Und nach drei Tagen taucht sie vor seiner Wohnungstür auf und bringt diesen Würfel wieder zurück und ist total aufgelöst. Und sie hat wohl Albträume bekommen, in denen sie miterlebt hat, wie der Vorbesitzer im Turm umgekommen ist.
Und weiß seinen Namen, weiß, wie er aussieht, weiß, dass er ein uneheliches Kind hat und weiß quasi alles. Und Scott wird dann klar, dass die Gegenstände wegzugeben zwar funktionieren kann, aber nur, wenn man sie an die richtigen Personen gibt.
Und so machte sich dann daran, die Hinterlassenschaften an die Hinterbliebenen seiner KollegInnen zu verteilen.
Und das war's dann auch schon.

Dela:
Wunderbar. Ich danke dir für die Zusammenfassung. Und ich würde die Besprechung wieder starten mit Kings Kommentar. "Wie fast jeder in Amerika war ich vom 11. September zutiefst und grundlegend betroffen.
Wie vielen Verfassern von literarischen und populären Romanen gleichermaßen, widerstrebte es mir auch nur zu versuchen, irgendwas über ein Ereignis zu schreiben, das ein eben solcher amerikanischer Prüfstein wie Pearl Harbor oder die Ermordung John F. Kennedys geworden ist.
Aber Storys zu schreiben ist mein Beruf und diese Geschichte fiel mir ungefähr einen Monat nach dem Einsturz der Twin Towers ein. Ich hätte sie vielleicht nie aufgeschrieben, hätte ich mich nicht an ein Gespräch erinnert,
dass ich 25 Jahre zuvor mit einem jüdischen Lektor geführt habe. Er war wegen einer Story mit dem Titel der Musterschüler unglücklich über mich. Es sei nicht richtig, dass ich über Konzentrationslager schriebe, sagte er, weil ich kein Jude sei. Ich erwiderte dort, das mache das Schreiben dieser Geschichte, uns so wichtiger. Schreiben sei nämlich ein Akt gewollten Verstehens. Wie jeder andere Amerikaner, der an jenem Morgen die New Yorker Skyline brennen sah,
wollte ich das Ereignis selbst und die Narben begreifen, die solch ein Ereignis zurücklassen würden.
Die Geschichte war mein Versuch, das zu tun."
Und ich stelle das zur Diskussion, ob das funktioniert hat.

Flo:
Ja, das ist eine gute Frage.
Die Geschichte ist nicht schlecht, aber ich glaube, das ist ihm nicht gelungen. Würde ich jetzt einfach mal so behauptet, ohne feste Belege.
Es kann aber auch damit zu tun haben, dass wir mittlerweile halt 21 Jahre von 9-11 entfernt sind.

Dela:
Und ja, auch regionale sind weit davon entfernt.

Flo:
Und ja, auch wenn es damals echt einschneidend war, in diesen 21 Jahren ist so viel Scheiße passiert, dass es auch einfach nicht mehr denselben Wumms hat.

Dela:
Jonas?

Jonas:
Ich sehe das ähnlich wie Flo. Es ist sehr lange her, die Geschichte jetzt für mich, Also über die Hälfte meines Lebens und ja, ich glaube nicht, dass es den Eindruck geschaffen hat, den er schaffen wollte.
Oder ja, ich weiß jetzt auch nicht, ob er selbst verstehen wollte, was da passiert ist oder ob er es anderen verständlich machen wollte. dass sie auch noch einen Unterschied. Mir hat es das, glaube ich, nicht verständlicher gemacht.

Dela:
Okay. Psychovieh?

Psychovieh:
Ja, also als das Thema aufkam und ich angefangen habe zu verstehen, wovon der Protagonist spricht, also der Tag, an dem der Himmel anfängt zu brennen und so, ist mir als allererstes eine
Szenen aus PULS eingefallen, darüber haben wir ja auch gesprochen, und zwar als McCord und Clay sagen so, diese Scheißkerle setzen schon wieder Flugzeuge ein. Und ich habe das Gefühl, dass King das nie so richtig aufgearbeitet hat, weil es taucht ja trotzdem als Motiv immer überall wieder auf. Klar, das große Schreckgespenst, der riesige Angriff auf Amerika, aber auch
hier würde ich sagen relativ schwacher Versuch das irgendwie wirklich gänzlich aufzuarbeiten wobei ich die Geschichte an für sich erstmal interessant fand.

Dela:
und das ist bei mir halt komplett anders ich weiß jetzt nicht wie alt du bist bist du älter als ich?

Psychovieh:
Ich bin 34.

Dela:
Ok, also ein bisschen älter.

Psychovieh:
Ein bisschen nur.

Dela:
Also ich glaube ich bin in unserer Runde die jüngste und ich muss dazu sagen bevor ich jetzt aushole und zu erklären warum das für mich funktioniert hat.
Als das damals passiert ist, 2001 war ich wie alt? Also auf jeden Fall noch Schulkind.

Psychovieh:
Zwölf.

Dela:
Zwölf.
Und ich hab zu der Zeit für die Schülerzeitung gearbeitet.
Und ich glaube das war sogar, war da mal ein Wochenende oder irgendwas?

Flo:
Es war ein Dienstag.

Dela:
Aus irgendeinem Grund, den ich nicht mehr weiß, war ich auf jeden Fall zu Hause. Und habt das im Fernsehen gesehen? Und hab das nicht verstanden, was da passiert, ich hab aber verstanden, dass ist was wichtiges, was da gerade abläuft. Und ich weiß noch, und das werde ich auch nie vergessen, mein erster Gedanke war, ich muss mich jetzt dahinsetzen und ich muss da drüber einen Artikel schreiben.
Weil was auch immer da gerade abläuft, das ist was wichtiges.
Und hab quasi den ersten Angriff gesehen und hab angefangen deshalb schon zu schreiben und mehr oder weniger live hat man ja die Bilder gesehen, wie das zweite Flugzeug dort reingekracht ist.
Und da ist aber wieder das Problem, was ich glaube für mich immer hatte. Erstens, es war halt sehr, sehr weit weg.
Und zweitens ist bei mir immer dieser Stalin-Satz, ich glaube zumindest, das ist Stalin, "ein Toter ist eine Tragödie, tausend Tote sind eine Statistik."
Und genau diesen Effekt hatte dieser 11. September für mich immer gehabt. Ich habe das auf einer abstrakten Ebene immer verstanden, dass da was echt Schlimmes passiert ist. Aber ich hab's nie auf einer emotionalen Ebene gesehen.
Bis heute nicht tatsächlich. Weil es eben einfach so weit weg ist und jetzt durch die Zeit natürlich noch weiter weg.
Aber für mich ist diese Geschichte, obwohl sie technisch meiner Meinung nach richtig schlecht ist, aber von ihrer Eindrücklichkeit her und von der Grundidee ist die für mich ein echter Schlag in die Magengrube.
Also für mich hat das funktioniert, das persönliche Level darzustellen, was da passiert ist.

Psychovieh:
Ich glaube, da würde ich mich sogar fast anschließen, einfach weil ich bin 13 gewesen zu dem Zeitpunkt.
Und wir sind damals von der Schule nach Hause gekommen, meine Schwester und ich, die ist eine Klassenstufe über mir gewesen. Und meine Mutter hat halt, was meine Mutter nie getan hat, wie gebannt vom Fernseher gegangen, hat das gesehen.
Und als mein Vater dann heim kam, haben die beiden geweint. Und das war halt irgendwie alles sehr emotional aufgeladen zusammen mit diesen drastischen Bildern im Fernsehen.
Und ich glaube, ich habe das damals tatsächlich eher mit "tausende Tote sind eine Statistik."
Also so, da ist was Schlimmes passiert, da sind Menschen gestorben. Punkt. Und konnte gar nicht so richtig greifen, was da eigentlich passiert ist. Und deswegen haben mich, glaube ich, bestimmte Szenen in dieser Kurzgeschichte auch richtig, richtig mitgenommen zu dem Moment.

Flo;
Ja, ich bin ja der Älteste hier in der Runde. Ich war damals in der Ausbildung, deswegen war ich auch, dass es ein Dienstag war.
Die Kollegin hatte Dienstags Berufsschule und ich saß ganz allein im Büro und hatte das Radio laufen. Ich habe es also noch nicht mal gesehen, sondern habe damals die erste Meldung gehört.
"Ein Kleinflugzeug in einen Turm des World Trade Centers geflogen."
Und ich dachte noch, der hat aber schlecht gezielt. Und dann war es plötzlich eine Passagiermaschine und dann ist der Turm eingestürzt.

Dela:
Und dann war es plötzlich das zweite und das war auch gezielt.

Flo:
Es war auch, es war komische Stimmung, weil das Radio, die haben natürlich plötzlich keine Musik mehr gespielt.
Es gab nur noch diese Berichterstattung und es war sehr, sehr merkwürdig alles.
Und also ich stimme dir vollkommen zu, die Geschichte ist ein Schlag in die Magengrube. Das funktioniert auf dieser Ebene. Aber das Ganze aufzuarbeiten, das funktioniert für mich nicht.
Es ist eine gute Geschichte.
Trotz einiger Punkte, die du auch schon gesagt hast. Aber ich, auch wenn er schreibt, dass er das zu aufarbeiten wollte oder dass er es verstehen wollte.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich sein Ziel war. Weil dann hätte er das Ganze anders schreiben müssen.

Dela:
Doofe Zwischenfrage, wie ist denn deine Definition von Aufarbeiten in dem Zusammenhang?

Flo:
Also es ist schon auffällig, dass in der Geschichte die Wörter World Trade Center oder Twin Tower so was überhaupt nicht vorkommen.
Wird kein einziges Mal erwähnt, aber man weiß trotzdem sofort natürlich was es ist.
Er schreibt, es ist ein Akt des gewollten Verstehens.
Das ist wahrscheinlich besser, was er da schreibt, besser als dieses Aufarbeiten.
Aber ich glaube, das Ganze ist mehr, es läuft mehr auf einer viel persönlicheren Ebene, als dass man verstehen könnte, was wirklich da passiert ist.

Dela:
Naja, aber ich glaube, genau das ist der Punkt, weil das Abstrakte, das Politische, die ganze Statistik-Ebene, die dahinter steht, ich glaube, die haben die meisten von uns in den ersten drei Jahren begriffen. Zu irgendeinem Zeitpunkt.
Was eben, glaube ich, an den meisten Leuten, die nicht davon direkt betroffen waren, vorbei gegangen ist, ist wirklich dieses persönliche Leve.
Und deswegen glaube ich, ist genau das der Art des Verstehens zu zeigen, dass das eben keine Statistik ist, sondern ein Einzelschicksal im Zweifelsfall.

Flo:
Kann sein. Hab ich nicht so gelesen, aber kann gut sein, dass das so gemeint war.

Dela:
Jonas, wie stehst du dazu?

Jonas:
Also, mich hat auch die Geschichte nicht dazu gebracht, viel mehr als Statistik zu sehen, sag ich mal. Klar, es wird persönlich erzählt, aber das hat mich nicht berührt.

Dela:
Okay.
Was an mir vorbei gegangen ist, ist diese Survivors Guilt-Geschichte. Die hat für mich überhaupt nicht funktioniert, die hat überhaupt nicht gezogen.
Hat das bei euch geklappt?

Flo:
Nö.

Jonas:
Das war das, wo ich sagte, ja okay, das kann ich mir vorstellen.
Weil man hat halt so ein Unheimlich Glück gehabt, weil man eine Entscheidung getroffen hat, was ja getan hat aus einer Eingebung heraus und dann ist man überfordert mit dem Glück bzw. dadurch, dass man mit seiner Entscheidung Glück hatte, macht man sich glaube ich automatisch, denkt man okay, ich habe den anderen auch Unglück gebracht.
Es ist zwar nicht logisch, aber ich glaube so ticken Menschen.

Dela;
Naja, ich mein, Survivors Guilt ist ein Ding. Aber mir war halt unser Erzähler generell absolut unsympathisch.
Und das hat er schon versaut in den ersten drei Sätzen mit der Nachbarin.
Weil sie halt total darauf besteht, und ich mein, ich als Frau kenne das, ich bin jetzt hier in einer Runde voll Männer, aber als Frau könnte mir das glauben, dieses ständig von wildfremden Typen angequatscht zu werden und so weiter, und zu sagen, ich hab kein Interesse, das funktioniert halt nicht und es reicht einfach nicht.
Nein, man muss dann sagen, ich bin sehr sehr verheiratet übrigens.
Und dass er sich darüber auch wieder so lustig macht und dass er natürlich im ersten Moment wieder "ja, das ist die voll hübsche Frau und die hat einen geilen Arsch" und alles, hat sofort dafür gesorgt, dass ich den für ein Arschloch gehalten habe.
Und dass der dann dieser typischen New Yorker Neurotiker ist, der halt stolz drauf ist, "ja ich kann mir ja einen Psychiater leisten,
wenn ich einen brauche", das ist schön, aber das hat für mich jetzt nicht geholfen, sein Dilemma mir näherzubringen.

Flo:
Ja, sympathisch war er mir auch nicht. Ich habe den Namen auch schon wieder vergessen. Ist ja auch egal. Ja.
Aber ich glaube, er ist auch weniger eine Hauptfigur, sondern mehr so ein Transportmittel für die Geschichte.

Dela:
Auf jeden Fall, ja.

Flo:
Deswegen hat mich diese Geschichte tatsächlich weniger gestört.

Psychovieh:
Ja, also was die Survivors Guilt angeht, ich glaube, das hat er in diesem Gespräch zwischen den beiden in diesem Restaurant echt nur eingebracht, dass die Sache, also weil Survivors Guilt ist ja ein echtes Ding, hast du ihm schon gesagt, Dela, einfach um der Sache einen,
Schuss mehr Realität zu geben, also das was Greifbares drin ist, etwas was echt ist, was man nachlesen kann und was die typische Problematik von der Sache mit Frauen angeht, ja, das,
ich weiß nicht, also so dieses mit dem sehr sehr verheiratet und so, da war ich noch so halb geneigt zu glauben, okay, haha, ein Augen zwinkern vielleicht bitte und dann kam irgendwo,
hinten nach der Satz mit so dieses so, "oh ich glaube nachdem ich ihr versichert habe, dass das zutrifft, dass ich kein Interesse habe, hatte ich das Gefühl, dass sie ein ganz klein bisschen
enttäuscht wirkt". Ich denke mir, ach komm schon, hör doch auf.

Dela:
Und alleine wie soll der Anfang dieser Szene. "Als Mann hat man so seine Art sich an Gelegenheiten zu erinnern, bei denen man einer
tatsächlich gut aussehenden Lady in Not helfen konnte. Selbst einer, die einem ständig versicherte sie sei sehr verheiratet." Und da habe ich wieder gedacht, okay du bist ein Vogel, geh weg, ich kann dich nicht leiden.
Und vor allem auch, dass er schon wieder pikiert ist, dass sie seinen Literaturwitz nicht verstanden hat. Da könnte ich auch schon wieder drüber kotzen.
Also der Typ ging mir ernsthaft auf den Keks, muss ich ehrlich sagen.

Jonas:
Ja, also zu dem Zeitpunkt habe ich tatsächlich noch gedacht, weil es ja hieß, sie versichert das ständig, dass die eine innigere Freundschaft inzwischen haben.
Weil er sagt ja, dass und das passierte nicht lange nachdem ich sie kennengelernt habe. Und da dachte ich halt, okay, das ist ein Running Gag zwischen denen.
Das hat mich bis jetzt auf die falsche Fährte geführt. Deswegen habe ich ihm das Anfangs noch nicht krummgenommen und dann vergessen.

Psychovieh:
Ich wünschte, du hättest recht gehabt mit dem Running Gag. Das wäre so viel angenehmer gewesen zu lesen. Das hätte bestimmt eine tolle Dynamik gebracht.

Dela:
Das auf jeden Fall. 100%ig.
Aber was mir halt wirklich, und da nehme ich einen Zitat vorweg, als sie dann eben dieses Sandquarter da mitnehmen, dieses Ausstellungsstück, und diese Visionen hat.
"Die Politiker reden von Gedenkstätten und Helden, Mut und Krieg gegen den Terrorismus. Aber brennendes Haar ist unpolitisch."
Und der Satz hat mir so und immer, weil das ist genau der Punkt, der bei mir halt jahrelang nie ankam.
Und der Satz hat es tatsächlich für mich Heimgebracht.

Psychovieh:
Ja, also diese komplette geschilderte Szene, als sie dann vor ihm steht und sagt, du nimmst jetzt diesen Würfel wieder und redest nie wieder mit mir. Alles, was sie da so runtergehauen hat, also rausgehauen hat an Infos, die sie da unfreiwillig zugesteckt bekommen hat,
war tatsächlich das, wo ich am schwersten hab schlucken hab müssen beim Lesen.
So diese Details und so "verstehst du, dass das Letzte, was er gefühlt hat, war Angst und Bedauern und Trauer, dass er nie wieder dies tun wird, nie wieder seinen Rasen mäht und nie wieder seine Frau sieht".
Und das hat halt, das hat diese Endgültigkeit der Situation richtig krass vorgehoben. Und das war so auch was, also ich steige mich manchmal auch ein bisschen rein, wo ich da gesessen habe und hab,
Moment Pause gemacht, weil ich einfach die Vorstellung, dass mir was ähnliches passieren könnte, einfach so unangenehm fand, dass ich einfach kurz Abstand nehmen musste.

Dela:
Und das nächste, was es für mich auch echt eindrücklich gemacht hat, ich weiß nicht, wie gesagt, ich war sehr jung und ich war auch sehr blöd zu der Zeit noch.
Aber was ich nie richtig emotional verstanden habe, ist teilweise, wie lange das gedauert hat, bis die Leute gestorben sind. Klar, dein erster Reflex ist, du denkst, okay, da fliegt so ein Flugzeug dort rein, ja gut, die sind halt in ein paar Sekunden tot.
Also die werden nicht viel gemerkt haben.
Und klar, ich weiß das mittlerweile auf einer abstrakten Ebene, dass das eben nicht so ist.
Aber eben diese Szene mit dem brennenden Haar, die war für mich... Weil das eben auch nochmal wie lange dieses Leiden gedauert haben muss für einige.
Das hat für mich funktioniert im Sinne von zeigen, um es zu verstehen, um es begreiflich zu machen. Also das hat für mich wirklich gut funktioniert.

Psychovieh:
Ja, auf jeden Fall.

Dela:
Eine Frage habe ich aber noch und das weiß ich nicht, ob ich da wieder überinterpretiere.
Wie versteht ihr das? Zeigen diese Gegenstände die Details nur, um klarzumachen, bringen mich nach Hause zu dem und dem da gehöre ich hin?
Weil der Frau, zu dem sie ja nicht gehören, diese Gegenstände, der zeigen sie ja die komplette Todesszene und alles.
Und ich hab mir dann so überlegt, wenn die das jedem zeigen, ist das nicht unbedingt die klügste Idee, den Kindern einen Gegenstand zu bringen, der ihnen Visionen schickt, damit sie Papa beim Sterben zugucken können?
Aber ich rede mir das jetzt einfach schön, dass diese Überinformationsteilung nur stattfindet, bis die ihr zu Hause haben. Oder?

Jonas:
Ja, ansonsten macht die Geschichte keinen Sinn.

Flo:
Ja, würde ich auch sagen.

Psychovieh:
D'accord.

Dela:
Gut, habt ihr noch was zu inhaltlicher Ebene?

Psychovieh:
Ich glaube, mich hat tatsächlich genauso wie die Szene mit der Nachbarin irgendwie und dem sehr Verheirateten sehr gestört, dass bei diesen Erzählungen er erzählt irgendwo, dass ein paar Leute gesehen haben, dass eine, also,
also oder ich glaube einer der gegenstände schickt die botschaft wie,
eine seiner arbeitskolleginnen aus dem fenster springt.

Dela:
das hat ihm sein kollege erzählt.

Psychovieh:
hat ihm der kollege erzählt ok und. diese schilderung von so ja ja,
also die springt da raus aus diesem gebäude und dass eben flugzeug und alles brennt und sie hat eigentlich gar keine andere wahl und ist voll verzweifelt aber sie drückt schön sittsam den rock nach unten weil sonst könnte ja jemand irgendwas sehen. ich denke mir so ticken menschen in todesangst nicht.

Dela:
Doch. Das glaube ich tatsächlich ist n Ding, also das kann ich mir vorstellen.
Ich weiß es nicht, ob es so ist, aber das kann ich mir vorstellen.
Ich formuliere das anders. Ich kenne das von Menschen, die einer gewissen Generation zum Beispiel angehören, die wirklich schwerst pflegebedürftig sind zum Beispiel und die lieber wochenlang in ihrem eigenen Dreck liegen,
als sich in ihrer Not vor jemanden zu entblößen und sich waschen zu lassen.
Diese Scham, die Menschen empfinden, weil sie kulturell darauf geprägt sind, kann ich mir vorstellen, ist so extrem tiefgehend, dass die selbst in so einer Situation möglicherweise zu irrationalen Verhalten führen kann.
Das kann ich mir gut vorstellen, weil ich das in anderem Kontext erlebt habe.

Psychovieh:
Okay, dann, also nach deiner Ausführung macht sowas natürlich deutlich mehr Sinn. Und wir reden ja auch jetzt von Menschen, die Zeitpunkt 2001 erwachsene Leute waren, ne?
Also tatsächlich anderer Jahrgang als wir, andere soziale Prägung als wir, anders konditioniert als wir.

Dela:
Und ich glaube, die Dame, die da beschrieben wird, ist auch damals schon eine ältere Generation, wenn ich das nicht falsch verstanden habe.
Also das kann durchaus sein, dass die aus dieser Nachkriegsgeneration ist und eben diese kulturelle Prägung noch voll mitgekriegt hat.

Jonas:
So habe ich das auch gelesen.

Psychovieh:
Dann möchte ich natürlich nichts gesagt haben.

Dela:
Gut. Über Symbolik kann ich hier nicht reden. Die Geschichte soll nackt sein und die soll wehtun und das tut sie.
Das funktioniert für mich und das braucht keine Symbolik. Punkt.

Flo:
Punkt, genau.

Dela:
Gibt es hier Querverbindungen? Natürlich haben wir wieder einen Turm, weil wir bunkern ja die schwarzen 13 im World Trade Center im Keller.

Flo:
Genau. Und ich würde gleich die Querverbindung ziehen zur Geschichte, die wir als nächstes besprechen, aber ansonsten habe ich jetzt da nichts mehr.

Dela:
Okay. Wie sieht es hier mit Verwertungen aus?

Flo:
Ja, neben den obligatorischen Hörbüchern gab es hier 2011 ein Dollar Baby und es gibt eine interessante Sache. 2014 hat CBS die Rechte an einen Pilotfilm mit dem Titel The Things That They Left Behind gekauft. Mit der Verpflichtung, diesen auch auszustrahlen.
Das heißt, sie haben hier eine mögliche Serienbestellung sich verpflichtet, die auch seit 2014 in Produktion ist, scheinbar.
Aber es kommt nichts.

Dela:
Okay. Habt ihr hier Zitate?

Flo:
Auch hier leider nicht.

Jonas:
Genau so.

Psychovieh:
Okay, ich habe tatsächlich eins, das zufällig genau vor den Satz fällt, den du schon zitiert hast, Dela.
"Das Büro hallte wieder von Schreien. Er konnte Kerosin riechen und ihm war bewusst, dass dies seine Todesstunde war. Verstehen Sie das?
Begreifen Sie die Ungeheuerlichkeit dieser Tatsache?"

Dela:
Ja.
Und ich habe noch zwei. "Letztlich bildet jede assoziative Kette ein Halsband."
Und als zweites, "meine Mutter hat einmal behauptet, wenn ein Mann sich den Hütern abwische und Blut am Klopapier sehe, würde er die folgenden 30 Tage lang im Dunkeln scheißen und das,
beste hoffen. Sie benutze dieses Beispiel um ihre Überzeugung zu untermauern, da Eckstein männlicher Philosophie sei, ignoriert man etwas, gibt es sich vielleicht von selbst."
Und ich befürchte ich falle in diese Kategorie mindset.

Flo:
ist so wahr.

Dela:
Gut, dann würde ich zur Bewertung schreiten und diesmal fange ich an. Ich finde diese Geschichte handwerklich nicht gut. Ich finde die handwerklich wirklich nicht gut, weil sie ist zerrig, sie ist langatmig und sie ist viel viel fransiger als sie sein müsste, aber sie tut weh und sie bewirkt was in mir und sie hat mich mitgenommen und deswegen deswegen komme ich hier tatsächlich bei grandiosen 15 Punkten raus.
Psychovieh?

Psychovieh:
Ich schließe mich dem Kommentarlos an. Genau 15.

Dela:
Jonas?

Jonas:
Ich fand sie technisch gar nicht so schlecht. Okay.
Ich gebe 12 Punkte.

Dela:
Flo?

Flo:
Ja, sie hat mich auch nicht wirklich überzeugt, aber bis jetzt die beste Geschichte, die wir in dieser Sammlung hatten.
Ich würde 14 Punkte geben.

01:07:58 Abschlusstag

Dela:
Okay, dann kommen wir zur letzten Geschichte des Tages, nämlich Abschlusstag, passt ja. Und Flo, gibst Du uns die zeitliche Einordnung?

Flo:
Ja, Abschlusstag. Wir machen jetzt sonst immer nur drei Geschichten bei diesen Kurzgeschichten. Diese hat nur 2.400 Wörter, also wirklich sehr kurz und ist aus dem Jahr 2007, hat den Originaltitel Graduation Afternoon,
Also Abschluss Nachmittag und ist original bei PS Publishing im Postscripts Magazine erschienen.
Ja, in diesem Magazin war auch eine Geschichte von Joseph King, aber das nur nebenbei. Und viel mehr kann ich auch gar nicht sagen, denn es ist echt nicht viel los.
Jonas, was ist los?

Jonas:
Janis ist bei ihrem Freund, der heute seinen Schulabschluss feiert. Von dem Anwesen der wohlhabenden Familie hat man einen wunderbaren Ausblick auf New York City.
Und Janis schaut in Gedanken über ihre Zukunft versunken auf die Stadt, als da plötzlich eine Atombombe einschlägt und ihre Pläne zunichte macht.
Das war's tatsächlich schon.

Dela:
Okay, vielen Dank. Ja, ich würde hier wieder mit dem King Kommentar anfangen.
"Nach einem Unfall im Jahr 1999 nahm ich jahrelang ein Antidepressivum namens Duxepin.
Nicht etwa weil ich depressiv war, bemerkte er niedergeschlagen, (was ich übrigens jetzt einen wunderschönen Satz finde), sondern weil Duxepin eine günstige Wirkung auf chronische Schmerzen zugeschrieben wird.
Es hilft tatsächlich, doch als ich im November 2006 nach London reiste, um für meinen Roman Love zu werben, fand ich es an der Zeit mit dem Zeug aufzuhören.
Ohne mich mit dem Arzt zu beraten, der mir das Medikament verordnet hatte, ließ ich es von heute auf morgen sein (und Kinder, macht das nicht, das ist eine dumme Idee.)
Die Nebenwirkungen dieses kalten Entzugs waren interessant. Ungefähr eine Woche lang sah ich, sobald ich nachts die Augen schloss, vorbeiziehende Bilder wie bei einem Kameraschwenk.
Länder, Felder, Hügel, Flüsse, Zäune, Eisenbahngleise, Männer mit Hacken und Schaufeln auf einem Straßenbauabschnitt.
Und dann fing das Ganze wieder von vorne an, bis ich einschlief. Es gab nie eine Geschichte dazu, sondern immer nur diese detaillierten, gestochen scharfen Bilder.
Irgendwie tat es mir sogar leid, als es damit vorbei war. Außerdem hatte ich im Anschluss an die Duxepinphase auch eine Reihe lebhafter Träume.
Einer davon, ein riesiger Atompilz über New York, wurde zum Gegenstand dieser Erzählung.
Obwohl mir klar war, dass das Bild schon in zahllosen Filmen verwendet wurde, ganz zu schweigen von der Fernsehserie Jericho der Anschlag, schrieb ich sie auf, weil der Traum eine besonders dokumentarische Nüchternheit an sich hatte.
Ich wachte mit klopfenden Herzen auf und dachte, das könnte passieren. Und früher oder später wird es bestimmt passieren.
Wie Harveys Traum ist diese Story eigentlich weniger Dichtung als Niederschrift."
Ja, wie ist denn euer erster Eindruck zu dieser wirklich kurzen Geschichte? Flo?

Flo:
Das ist so eine Geschichte, das ist der erste Eindruck, ganz schnell auch der letzte, weil wupp durch. Ich hatte im ersten Moment so den Gedanken, ja das ist so ein bisschen Sozialkritik, weil das die unterschiedlichen Stände zwischen ihr und ihrem Freund, die reiche Familie Familie und so blap blup und dann machts bumm und ist vorbei,
Dann habe ich gedacht Okay Ich beschwer mich ja öfter die Geschichten sind bisschen langatmig hier hätte doch ein bisschen mehr doch sein können.

Dela:
Jonas?

Jonas:
Mir geht's ähnlich wie Flo, nur dass ich dachte, es ist jetzt schnell vorbei. Aber ich finde, trotz der Kürze ist da reingepackt, dass halt so, ich sag mal,
Kleinscheiß wie: macht jetzt mein erster Freund mit mir Schluss oder nicht.
Und ich habe mich sowieso schon damit abgefunden, dass das plötzlich so vollkommen nebensächlich wird. Das fand ich nett beschrieben.

Dela:
Hmhm. Psychovieh?

Psychovieh:
Also ich persönlich fand es nicht nur die kürzeste, klar, aber auch die schwächste von den Geschichten, mit dem besten Kern innen drin. Also ich finde, da war eine irre Menge Potenzial drin, die vielleicht verschenkt worden ist.

Dela:
Das hab ich halt gar nicht gesehen. Ich mochte die Geschichte auch, aber ich mochte sie oberflächlich. Ich hab tatsächlich Spaß an dem Charakter gehabt.
Weil auf ganz wenigen Sätzen haben wir hier eine der patentesten Frauenfiguren im King-Universum bis jetzt.

Psychovieh:
Da stimme ich uneingeschränkt zu, ja.

Dela:
Weil ich meine, diese junge Frau ist sehr selbstbewusst, sie ist sich sehr selbst bewusst. Sie ist sich auch ihrer Standesunterschiede in ihrer Beziehung vollkommen klar.
Und ist sich aber auch vollkommen schmerzlos da hingehend.
Ja gut, das sind halt Arschlöcher und naja, dann ist das halt so. Und sie geht da echt schmerzlos ran.
Und ich mag, wie erwachsen ihre Gedanken sind für eine, naja, lass die mal 18-Jährige sein, allerhöchstens.
Und auch wie viel Gefühl für sich selbst sie hat und wie viel Empathie und Gefühl für ihre Umwelt und wie viele eigene Ambitionen und Perspektiven sie hat.
Das war ein echt guter Charakter.
Aber wie gesagt, er wird halt verbrannt. Aber das ist halt der Witz in der Geschichte meiner Meinung nach.

Psychovieh:
Sie ist komplett atypisch zu den meisten Kingfrauen, die man so sieht. Und ich fand halt, sie hat bombig Potenzial gehabt. Also, no pun intended.
Okay, jetzt ist trotzdem raus.
Und ich fand das selten so balanced. Das kommt halt auch viel näher an ganz viele Frauen an, die ich kenne.
Also so, ja, die sind sich irgendwelcher Stände, die irgendwelche Leute aufrechterhalten wollen, bewusst und sie scheißen drauf. Sie macht es halt trotzdem, ja. So dieser Typ ist nicht ihr Stand, sie datet ihn trotzdem, ne?
So und ja, die Oma und die Mama sagen irgendwelche schlimmen Sachen und sie ignoriert das und zieht einfach weiter durch. Und das ist was, wovon King eigentlich so viel mehr hätte haben können, bei all den verpassten Gelegenheiten, wo er in sein Schema F verfallen ist.

Dela:
Und vor allem nicht nur, dass sie die Familie in der Audienz ignoriert, sondern sie sagt halt, ja, der Typ ist anständig zu mir.
Punkt. Wenn der nicht mehr anständig zu mir ist, schieße ich ihn in den Wind. Ja, genau. Alleine das, das liebe ich so sehr, weil das haben wir so selten in diesem Universum.

Psychovieh:
Das steht sogar tatsächlich irgendwo, ne? Ja, wirklich. Dass der Typ sogar genau wüsste, dass sie die erste wäre, die nicht mal mit dem Arsch anschaut, wenn er einmal dieselbe Nummer zieht, wie es seine Verwandtschaft tut.

Dela;
Genau, genau.
Ja, wollen wir das Ganze gleich auf die Symbol-Ebene ziehen?

Flo:
Ist vielleicht besser.

Dela:
Weil für mich ist das, wie du schon sagtest, natürlich so ein Sozialkritik-Element. Ich mein, wir denken uns alle so schöne Szenarien aus, ja, wenn der Weltuntergang mal kommt und so weiter, dann setze ich mich mit einem Glas Whisky draußen hin und warte, bis die Welt untergegangen ist.
Fakt ist, das wird nicht passieren, weil der Weltuntergang wird kommen ohne Vorwarnung.
Und das ist ja genau das, was hier passiert.
Das ist ein ganz normaler, stinknormaler 0815-Tag.
Die Menschen haben ganz normal ihre Zukunft vor sich und ihre Pläne und all das.
Aber sie werden halt schlicht und ergreifend nicht wahr werden. Und da bringt es der junge Frau auch gar nichts, dass sie so eine erwachsene Gedankenwelt hat. Und es macht auch keinen Unterschied, dass die Familie eben genau das nicht hat.
Sondern eben in ihren alten Traditionen und wo er dahin festhängt, die sterben alle gleichermaßen. Das ist einfach völlig egal. Und das ist einfach eine Tatsache und das mag ich.
Es ist schonungslos. Es bedeutet nicht viel, aber es ist schonungslos und es gefällt mir.
Was mir noch sehr gut gefallen hat, ist, dass tatsächlich ihre letzten Gedanken der country Musik ihres Vaters gelten und eben nicht den großen Ambitionen, die sie hat. Also nicht große
Ambitionen im Sinne von ich will jetzt diesen reichen Schnösel heiraten und zur Uppeclass gehören, sondern sie hat ja ihr eigenes Leben geplant. Sie will Journalismus studieren, sie will das und das machen, aber im Prinzip erinnert sie sich an das, wo sie herkommt, wo sie sich wohl gefühlt hat. Und ich glaube, das ist eine OK Art zu sterben.

Psychovieh:
Ich finde es sehr faszinierend, dass dabei quasi auch, wenn man kurz drüber nachdenkt, die menschliche Bedürfnis-Pyramide einmal gezeigt wird.
Also der Punkt, wo die Geschichte einsetzt, sind wir ganz ganz oben und es geht eigentlich nur noch um die Feinheiten und Soziales und Stände und je wer mit wem und wo und wie mache ich hier und wie plane ich das und so weiter und so fort.
Und dann taucht auf einmal das Licht von der Million Sonnen am Horizont auf und es ist alles mit einem Schlag einfach weggefegt und nichtig und es geht eigentlich nur noch drum Leben oder nicht. Und das war also das war tatsächlich so der Kern von der Sache, wo ich da gesessen habe und habe mir gedacht wow, hättest du da noch zwei Kapitel dran gehängt, wäre ich dir nicht böse gewesen.

Dela:
Und ich glaube noch nicht mal unbedingt ob die Frage leben würde oder nicht, sondern einfach das Resignieren vor Dinge sind halt so wie sie sind. Das macht sie ja auch. Ich meine sie verfällt ja nicht in Panik und versucht da irgendwie wegzukommen, sondern sie steht da und ist fasziniert und schockiert. aber sie steht da und denkt, okay, wenn ich das überlebe, werde ich mich bestimmt daran gewöhnen. Also, na, dieses, dieses Resignation vor Dingen, die du nicht ändern kannst.

Psychovieh:
Ja, sie steht ja auch da und sagt, sie weiß genau, dass sie blind wird, aber sie schaut halt trotzdem hin und mit dem Rest von Augenlicht, das sie hat, versucht sie halt irgendwie weiter zu kommen.

Dela:
Jonas? Irgendwelche Meinungen?

Jonas:
Äh... Ich kann nicht viel ergänzen zu dem, was ich schon gesagt habe.

Dela:
Flo?

Flo:
Ja, ich sehe das so wie Jonas.

Dela:
Okay.
Äh... Querverbindungen- Du sagtest gerade so ein bisschen mit zu der letzten Geschichte. Und ja, das ist halt genau der Punkt, Leben die plötzlich kurzgeschnitten werden. Und ja, ne?
Sonstige Querverbindungen?

Flo:
Naja, es gibt noch die eine oder andere Geschichte, die mit einer Atombombe endet.
The Stand und ich werde nicht spoilern. Aber ja.
Da finde ich das hier sogar passender muss ich sagen weil hier kann man ist nicht irgendwie eine lange handlung die dann unzufriedenstellend damit einfach abgehakt wird und hier ist das das Konzept aber ja,
Nö, was sonst?
Wüsste ich jetzt spontan auch nichts.

Dela:
Okay, und gibt es denn hier Verwertungen?

Flo:
Auch hier wieder nur die obligatorischen Hörbücher.

Dela:
Okay.
Ja, nach Zitaten frage ich mittlerweile gar nicht mehr. Außer Psychophie, hast du was?

Psychovieh:
Diesmal muss ich tatsächlich auch passen.

Dela:
Ich nämlich tatsächlich auch, und wenn ich selbst keine habe, dann erwarte ich das auch von euch nicht.
Gut, dann schreiten wir jetzt zur Bewertung. Und ich würde sagen, hat noch irgendjemand nicht angefangen? Ich hab noch nicht angefangen, oder? Nee, doch, ich hab angefangen.
Egal, psychovieh, gib du deine Bewertung zuerst.

Psychovieh:
Das fällt mir tatsächlich heute, glaube ich, am schwersten, weil die Geschichte ist gut, aber sie ist schlecht, aber sie ist gut, aber sie ist schlecht. Ich würde nonetheless eine 13 geben.

Dela:
Okay, Flo?

Flo:
Ja, das ist wirklich ein Problem. Gut, schlecht, gut, schlecht. Ich weiß auch nicht, was ich davon halten soll.
Die Geschichte hat Potenzial und auch wenn ich das ganz merkwürdig finde, dass sie so abgehackt wird, ist es trotzdem ein gutes Ende für diese Geschichte. Aber ich... na, ich gebe zwölf.

Dela:
Ich würde mich dann bei neun Punkten finden. Sie tut nicht weh, aber ich werde sie auch wieder vergessen haben. Und ich mag den Frauencharakter. Von daher, sie hat viel Schönes, aber sie ist einfach in letzter Instanz egal. Jonas, du hast das letzte Wort.

Jonas:
Ja, sie ist halt irgendwie so mittelmaß.
Ich gebe 10 Punkte.

Dela:
Okay. Dann würde ich behaupten, sind wir durch mit diesen Geschichten? Oder habt ihr noch irgendwas zu sagen?

Flo:
Nein.

01:21:38 Hausmeisterei, Verabschiedung und Outro

Dela:
Okay, dann ganz kurz zur Hausmeisterei. Also wie gesagt, es wird im neuen Jahr weitergehen. Ach nein, diese Folge wird ja schon im neuen Jahr kommen. Ja, wir freuen uns, dass ihr auch im Jahr 2023 wieder bei uns seid.
Und ihr dürft gerne mitmachen, wenn ihr das wollt, guckt in unsere Leseliste, welche Bücher wir noch offen haben. Ihr könnt euch melden über den üblichen Kanal, Twitter, E-Mail, Mastodon, wo auch immer ihr möchtet.
Haut uns einfach an, sagt uns ihr wollt mitmachen. Wenn ihr die Bücher nicht habt, ist das kein Problem, dann sagt mir rechtzeitig Bescheid. Ich werde dann dafür sorgen, dass ihr
mit der Quellenlage versorgt seid. Technisch braucht ihr nichts weiter, nur ein Mikrofon oder Hetzet oder irgendwas zum reinreden und Teamspeak. Wir werden euch da aber selbstverständlich auch helfen, technisch da reinzukommen, wenn ihr da keine Ahnung habt. Wenn ihr keine Ahnung habt,
ist das überhaupt nicht schlimm, wir haben auch keine. Ihr seid also uns herzlich willkommen, wenn ihr Podcast-Neulinge seid, wenn ihr Stephen King-Neulinge seid, das ist vollkommen egal.
Ihr seid uns gerne willkommen, ihr müsst uns nur rechtzeitig Bescheid sagen. Gut. Ansonsten, wie gesagt, wird es weitergehen wie bisher. Wir machen weiter Geschichten, wir werden Sunset noch zu Ende bringen und dann geht's weiter mit Romanen.
Lieber Psychovieh, es war mir wie immer eine Ehre, mit dir aufzunehmen.

Psychovieh:
Die Ehre ist ganz meinerseits immer schön, bei euch zu sein.

Dela:
Und lieber Jonas, es war wie immer schön mit dir. Vielen Dank.

Jonas:
Ja, gerne.

Dela:
Und Flo, auch dir vielen Dank. Es war mir wie üblich eine Ehre.

Flo:
Ja, vielen Dank, Dela, dass du uns wieder durch eine Folge geführt hast.

Dela:
Gut und natürlich bedanke ich mich auch bei euch, liebe Hörer, Hörerinnen und gegebenenfalls Mitleser unter unseren neuen Transkripts. Es ist schön, dass ihr uns immer noch begleitet nach so vielen Jahren und wir nähern uns langsam der Zielllinie, habe ich das Gefühl. Also ich danke euch fürs Mitmachen, fürs Kommentare schreiben und all das.
Und wir hören uns dann zur nächsten Folge zu Sunset wieder. Bis dahin, Tschüss!

Jonas:
Ciao!

Flo:
Ciao!

Psychovieh:
Tschüss!