Kbdg 092 - Wahn

König, Bube, Dame, Gast - der Stephen King ReRead Podcast

2022, @Florian666, @Llbyz, @Delanji

http://www.kbdg-cast.de/feed/podcast

Wir lesen King. Chronologisch und umfassend, mit Spoilern aber ohne Ahnung.

Intro Musik

00:00:00 Intro Und Begrüßung

Dela:
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge König, Bube, Dame, Gast.
Mein Name ist Dela und bei mir ist wie immer der Wundervolle Jonas. Hallo Jonas.

Jonas:
Hallo Dela.

Dela:
Außerdem der großartige Flo. Hallo Flo.

Flo:
Guten Abend.

Dela:
Und ein ganz großartiger wiederkehrender Gast, der Jan. Hallo Jan!

Jan:
Hallo zusammen.

Dela:
Eigentlich hätten wir heute noch einen Gast gehabt, bzw. eine Gästin, die lässt uns allerdings entschuldigen, die ist heute krank geworden. Wir wünschen an der Stelle gute Besserung und hoffen dir geht's bald wieder gut.
Ja, Jan, dich hatten wir ja schon ein paar Mal in der Sendung. Du bist quasi der hauseigene Baseball-Profi. Und deswegen warst du, glaube ich, als letztes auch bei der Folge Kopf runter bei uns.

Jan:
Genau, die Folge Kopf runter und davor bei den 4 Jahreszeiten.

Dela:
Wie ist es dir denn ergangen, seit du das letzte Mal bei uns warst?
Hast du irgendwelche neuen Projekte oder sowas, was du uns vorstellen möchtest oder irgendwas, worüber du reden magst?

Jan:
Zwischendurch war Corona, glaube ich, zwei Jahre.In der Online-Welt habe ich keine neuen Projekte. Und in der Offline-Welt findet man mich immer noch im Sommer gerne auf dem Baseballplatz.

Dela:
Das ist gut. Wie ists denn Baseball-mäßig mit Corona? Ist es wieder aktiv oder haben die noch Einschränkungen?

Jan:
Wir haben aktuell, glaube ich, keine Einschränkungen von der Stadt.
Wir sind ja in Sommersport und spielen draußen und wir hatten mal Einschränkungen, dass immer nur Leute paarweise trainieren durften und sich die Bälle zuwerfen, damit wir die nicht jedes Mal desinfizieren mussten.
Aber ich glaube, da haben wir gerade keine Auflagen mehr.

Dela:
Okay.
Gut, wir wollen heute über das Buch Wahn sprechen. Und Flo, du hast doch bestimmt eine Zeitliche Einordnung für uns.

00:02:04 Zeitliche Einordnung

Flo:
Ja, im Jahr 2001 hat Stephen King sich ein Sommerhaus in Florida gekauft. Und warum, das erzählt uns jetzt der Jonas.... Nein, man merkt diesem Buch an, dass es ein bisschen anders ist als die üblichen Maine-Geschichten. Weil King tatsächlich seine neue zweite Heimat hier doch sehr intensiv einfließen lässt.
Es spielt in Florida, es ist auch durch Ereignisse aus Florida inspiriert.
Und es ist auch nach diesem fiktiven Ort in Florida benannt im Original: Duma Key. Im Deutschen hast du ja schon gesagt, Wahn.
Wir sind ja in der Zeit der vollkommen unpassenden Titel mit vier Buchstaben.
Nach Love, Puls und Qual. Ja, allzu viel kann ich jetzt vorab gar nicht erzählen.
Das kommt in der Diskussion, glaube ich, nachher besser. Aber ich übergebe jetzt erstmal an Jonas, der uns erzählt, worum es in diesem Buch denn geht.

00:03:05 Inhaltszusammenfassung

Jonas:
Der Bauunternehmer Edgar Freemantle hatte auf einer Baustelle einen schweren Unfall. Er verliert seinen Arm, erleidet schwere Kopfverletzungen und mehrere Knochenbrüche.
Besonders Hüfte und Beine sind davon betroffen.
Auch sein Sprachzentrum macht ihm zu schaffen, sodass er häufig falsche Wörter benutzt. Und das zusammen mit den ständigen Schmerzen führt zu ziemlich heftigen Wutanfällen.
Während einem davon verletzt und würgt er seine Frau, die sich dann auch einige Zeit später von ihm scheiden lässt. Während der Reha erhält er von seinem Psychiater eine Puppe, an der er seine Wut auslassen soll, was auch einigermaßen gut funktioniert.
Ebenfalls erhält er die Empfehlung, sich mit seinem alten Hobby, dem Malen, abzulenken und einen Ortswechsel vorzunehmen. Und er ist auch reich genug, um sich das Ganze leisten zu können.
Er mietet also für ein Jahr ein Haus in Florida auf Duma Key und beginnt zu malen.
Und er hat mehr als nur Talent. Seinen Gemälden wohnt im Wortsinne Magie inne. Und von dieser Magie will eine übersinnliche Kraft Gebrauch machen, die seit langer Zeit auf Duma Key gefangen ist.
Gemeinsam mit seinen neuen Freunden Jack und Wireman zieht Edgar in den Kampf gegen diese Kraft und kann nur unter sehr großen Verlusten gewinnen.

00:04:38 Detailbesprechung

Dela:
Okay, ich danke dir für die Zusammenfassung. Und Flo, ich muss mich an dieser Stelle bei dir entschuldigen für all das Gemurse in den letzten Folgen.
Ich mag dieses Buch und jetzt bin ich auch langsam wieder an dem Punkt, wo ich sagen kann, jetzt lese ich freiwillig weiter.
Also danke, dass du mich gezwungen hast.

Flo:
Das freut mich, weil ich behaupte ja immer noch, es kommen noch immer gute Bücher, es kommen natürlich auch weiterhin schlechte Bücher, aber wir haben noch nicht alles Gute von ihm gelesen.

Dela:
Wie ging es euch denn? Wie war denn euer erster Eindruck zu diesem Buch? Jan, fang du am besten mal an.

Jan:
Ja, das Buch war tatsächlich eines, also das, was ich mir ausgesucht habe, als ihr mit diesem Projekt angefangen habt, vor sechs oder sieben Jahren. Weil ich da kurz vorher was drüber gelesen hatte.
Also hab ich das dann vor sechs Jahren zum ersten Mal gelesen. Ich fand es an manchen Stellen etwas länglich, aber eigentlich im Großen und Ganzen ziemlich unterhaltsam.
Ich habe es dann vor einem halben Jahr noch mal gelesen, um mich hier vorzubereiten. Ich fand es immer noch unterhaltsam, immer noch mit einigen Schwächen.
Da kommen wir, glaube ich, dann gegen Ende zu. Aber ich würde dem allgemeinen Tenor zustimmen, dass es eine der besseren Dinge ist, die Stephen King geschrieben hat.

Dela:
Okay. Jonas?

Jonas:
Der erste Eindruck war, ich habe ihm geglaubt, was er geschrieben hat. Diese ganze Geschichte mit Krankenhaus und Schmerzen und Reha.
Und es fühlte sich an, als wüsste er, wovon er schreibt. Ist auch kein Wunder nach seinem Unfall.
Und ja, das hat mit dem Rest des Buches nicht unbedingt viel zu tun. Aber es hat den Einstieg erleichtert, dass es sich echt angefühlt hat und es hat sich dann zu einer tollen Geistegeschichte entwickelt.
Das hat echt Spaß gemacht zu lesen.

Dela:
Und Flo, wie ging es dir?

Flo:
Ich hatte das Buch damals gelesen, als es rauskam, 2008. Und ich habe mich erinnert, dass es mir damals echt gut gefallen hat.
Ich mochte die Atmosphäre und ich hatte so eine Erinnerung, ja das Ende war wieder so ein bisschen King typisch nicht so toll, aber im Großen und Ganzen hatte ich da echt gute Erinnerungen dran und deswegen bin ich da jetzt auch eigentlich recht froh dran gegangen,
nachdem die letzten Bücher auch nicht so mein Fall waren.
Und ja selbst das Ende hat mir diesmal besser gefallen. Klar es hat schwächen aber ich war trotzdem rundum begeistert.

Dela:
Also ich muss tatsächlich sagen, ich war diesmal sehr sehr verliebt. Ich würde tatsächlich schon ein bisschen die bewertung vorweg nehmen ich glaube für mich ist es eins der besten Kingbücher die wir jemals hatten, nicht nur von den neuen sondern generell. also es hat großes potenzial eins meiner lieblingsbücher zu werden, und warum das so ist würde ich sagen besprechen wir gleich in dem wir in die Details ein bisschen reingehen.
Ich würde ganz gern anfangen hier das erste Mal wieder über die Charaktere zu reden, weil seit langer Zeit haben wir endlich mal wieder Charaktere, über die es sich zu reden lohnt.

Flo:
Ja, das ist tatsächlich zum ersten Mal seit langem wieder. Das habe ich auch gedacht.
Wir haben Charaktere, wir haben sogar ein Katet an Charakteren.
Stimmt, ja.

Dela:
Ja, fangen wir direkt bei der Hauptfigur an, bei Edgar. Mhm.

Flo:
Ja, Edgar Fremantle. Bauunternehmer, erfolgreich Anfang 50.
Hier muss ich sagen, ich habe ihn im Buch immer ein bisschen älter gesehen.

Dela:
Bei mir ganz im Gegenteil. Ich hab ihn immer wesentlich jünger gelesen. Bei mir war er so 36.

Flo:
Also bei mir war er am mindestens Anfang 60. Das ist lustig.

Jan:
Ja gut, seine älteste Tochter ist ja schon 20. Ich hätte ihn also mit 40, Anfang 50.
Und dann auch mein Alter so vorgestellt.

Flo:
Ja, verheiratet mit Pamela Fremantle. Zumindest am Anfang der Geschichte.
Und ja, es ist nicht das erste Mal, dass Edgar Fremantle in einer King-Geschichte auftaucht.
Wir haben das letzte Mal nicht drüber geredet, weil wir gesagt haben, wir bauen es hier ein. In dem Buch Qual wurde die Geschichte "Erinnerung" abgedruckt.
Und diese Geschichte, ja, sie ist eigentlich in dem Roman aufgegangen, deswegen haben wir da auch jetzt nicht groß drüber geredet. Aber hier wird schon von ihm erzählt. Hier wird die die Geschichte mit dem Hund erzählt, die ich übrigens für eine echt heftige Szene halte, aber das liegt halt an dem hund, von seinem Unfall und von der Trennung seiner frau.
Ja was haltet ihr von ihm?

Dela:
also ich muss sagen ich habe eigentlich sehr viel spaß gehabt, weil ich es wahnsinnig gut finde wie viel Tiefe er kriegt durch seine Behinderung, aber nicht weil eben er der klassische
behinderte Charakter ist, sondern weil das sehr viel davon zeigt, was das mit ihm macht. Und sonst hatten wir ja die behinderten Charaktere immer nur als Funktion in irgendeiner Form und Art und Weise. Und das ist hier halt wirklich komplett anders. Zum Punkt Darstellung von Behinderung würde ich tatsächlich diesmal ein eigenes Segment machen, aber das hat mir sehr gut gefallen, dass er eine eigene Agenda hat, die eben nicht nur durch die Behinderung getrieben wird,
Sie wird zwar davon befördert, aber nicht nur ausschließlich davon getrieben.
Es ist auch keinerlei Rede davon, dass sein Talent irgendwas mit seiner Behinderung zu tun hat.
Und das hat mir echt gut gefallen.

Jonas:
Ich bin gerade überlegen, ob du da recht hast, dass das Talent nichts mit der Behinderung zu tun hat.
Ich glaube, er und wireman stellen zumindest die Theorie auf, dass etwas zerbricht und dadurch eine neue Gabe hinzukommt, wie das Hellsehen bei Wireman. Das ist ja auch komplett weg, nachdem er geheilt wird.

Dela:
Ja, würde ich tatsächlich schon bestätigen.

Jonas:
Und die Verstärkung ist halt der Ort, nicht die Behinderung.

Flo:
Würde ich auch so sehen. Also die Verstärkung ist auf jeden Fall der Ort.
Ich glaube sogar, dass der Ort Leute mit diesen Fähigkeiten, nicht die Behinderung, sondern wirklich die Fähigkeiten anzieht.
Das heißt, es ist auf jeden Fall vorher schon was da, aber für mich war es auch definitiv der Ort, der das so steuert, wie es dann in dem Buch geschieht.

Dela:
Also ich glaube tatsächlich für mich ist der Punkt, dass Talent, dieser übersinnliche Teil, ja da gebe ich euch recht, die kommt von der, von der Behinderung.
Aber die Tatsache, dass ja eben beschrieben wird, als er hat schon immer gemalt und hätte er sich selbst die Zeit genommen, bei all seiner Karriere das weiter vorzuführen, hätte er da durchaus was erreichen können.
Das meine ich mit Talent.

Flo:
Ja gut, das Talent ja. Das sehe ich auch so.

Jonas:
Ja. Gut.

Dela:
Jan, du wolltest auch grad noch was sagen?

Jan:
Ja, ich hätte später noch die Frage gestellt, wo jetzt seine übersinnlichen Fähigkeiten dann herkommen, ob die aus der Behinderung oder aus einem Unfall herrühren oder vom Ort.
Ich meine aber, mich zu erinnern, dass auch irgendwo mal diskutiert wird, wie so ein altes Buch oder einen Zeitungsausschnitt gefunden wird von Leuten, die nach irgendwelchen traumatischen Erfahrungen irgendwelche neuen Fähigkeiten entwickelt haben.

Flo:
Genau, er forscht da ein bisschen nach und entdeckt Leute, die ja auch besondere Fähigkeiten bekommen hatten nach so traumatischen Erlebnissen.
Ansonsten fließe ich mich an Edgar gefällt mir als Erzähler total gut. Ich mein er ist ein erfolgreicher Unternehmer, der ist halt gewohnt, Dinge unter Kontrolle zu haben.
Und diese Erzählung spielt ungefähr vier Jahre, glaube ich, nach den Ereignissen auf Duma Key. Also er hat eine gewisse zeitliche Distanz. Er hat eine sehr coole Art zu erzählen.
Auch wie er über seinen Unfall berichtet, sagt jeder, das eine Problem ist, dass man einen Schlag vor den Kopf kriegt. dass das Gehirn wieder zurückschwappt und dann nochmal gegen die andere Seite vom Schädel stößt.
Also eine sehr eigentlich coole, lockere, ein bisschen distanzierte, humorvolle Art, das alles zu beschreiben.

Dela:
Und das, finde ich, ist der Punkt, der es für mich so gut macht. Weil ich glaube, wenn du entweder eine angeborene oder erworbene Behinderung hast, gibt es zwei Arten, damit umzugehen.
Die eine Variante ist, dass du halt wirklich früher oder später an den Punkt kommst, wo du nicht mehr weitermachen kannst. Wenn du über diesen Punkt drüber kommst, aus welchen Gründen auch immer, und da werden wir gleich nochmal drüber reden, über seine Therapiephase, dann kommst du, glaube ich, automatisch irgendwann an den Punkt, wo du einen so großen Abstand zu dir selber gewinnst, dass du eben über diese Dinge so reden kannst, wie er es jetzt in diesem Buch tut. Und das fühlt sich für mich eben sehr sehr echt an und sehr sehr gut.

Flo:
Ja er ist nicht nicht eindimensional, er ist unheimlich vielschichtig. Er ist mit sich auch ehrlich also er stellt sich ja - als Ich erzähler könnte er das ja machen - nicht als strahlenden Held dar sondern er,
beschreibt auch seine ganzen probleme seine, ja, auch die sachen wie er seine frau mal gewirkt hat auch wenn er sich daran nicht mehr erinnern kann er, er hält damit nicht hinter Berg.

Dela:
Und vor allem er erwähnt auch immer wieder selbst, wenn er merkt, er hat sich in die Tasche gelogen.

Flo:
Ja, genau. Und das macht diese Figur hier für mich auch nochmal besonderer.

Jan:
Der fordert jetzt auch nicht unbedingt Mitleid ein für sein Schicksal. Weil er dann der sagt, okay, ich hatte Wutanfälle, habe die Frau gewürgt, kein Wunder dass die sich jetzt scheiden lassen will, er wickelt das alles sehr einvernehmlich ab mit seiner Familie und so.
Er ist schon jemand, der auch reflektiert, dann damit umgeht.

Dela:
Nicht mal nur, dass er der Gute ist, der immer reflektiert, sondern eben genau der Punkt, er hat natürlich während dieser Scheidung erstmal einen Wutanfall und so weiter. Gut, er geht nicht auf sie Los, aber viel fehlt nicht.
Und er stellt das aber relativ schonungslos in seinem Blick auch da.
Und das finde ich sehr gut, dass er eben nicht so dargestellt wird, als er ist jetzt der absolut Gute und hat so viel Empathie gewonnen durch die ganze Sache. Nein, der war ein normaler Typ, hat halt Seiten, wo er ein guter Kerl ist und Seiten, wo er ein Arschloch ist.
Und er steht dazu, das finde ich super.
Dann würde ich mal zu Pam kommen, zu seiner Ex. Und da muss ich sagen, das ist ein fantastischer Charakter, weil sie liest sich wie meine Mutter.
Dementsprechend fühlt sie sich sehr echt an und so nervig sie für mich in diesem Buch ist, sie gehört da rein, sie muss da sein.

Flo:
Stephen Kings Verleger hat mal behauptet, das Buch hier und Love wären zwei Seiten einer Medaille. Love wäre die Geschichte einer Ehe und das hier wäre die Geschichte einer Scheidung.
Ich stimme zu, dass die Frau hier reingehört, aber das sehe ich tatsächlich nicht. Also diese Beziehung zwischen den beiden nimmt und ich muss sagen glücklicherweise nur einen kleinen Teil der Handlung ein. Denn ganz ehrlich, die Frau geht auf den Sack.

Dela:
Aber wie gesagt, weil sie mir auf den Sack geht, ist sie gut geschrieben.

Flo:
Und auch hier ist es wieder so, Edgar erzählt zwar, dass sie
nervt. Aber er ist nie gemeint, erzählt nie irgendwas Bösartiges über sie, sondern er,
beschreibt sie einfach nur als der Charakter, der sie vermutlich ist. Und das finde ich auch gut. Also sie ist wirklich nicht als böse dargestellt.

Dela:
Ne und vor allem was mir sehr geholfen hat, was mir sehr gut gefallen hat, wir kriegen ja nicht nur seine Perspektive auf die Frau, sondern auch die seiner Töchter.
Und dadurch bringen wir quasi ein externes Korrektiv in diesen Ich Erzähler rein, was mir auch persönlich sehr sehr gut gefallen hat.

Flo:
Ja, ich denke auch einfach, Pam ist mit der ganzen Sache überfordert. Wenn man sie im Laufe der Geschichte kennenlernt, ich verstehe das sogar. Ich glaube, die hat sich ein ganz anderes Leben vorgestellt als das, was dann passiert ist. und kann einfach mit dem Unfall, mit seinen Stimmungsschwankungen und mit all den Veränderungen nicht umgehen.
Es ist glaube ich nicht mal, dass sie mit Edgar nicht mehr liebt oder so, sondern dass das einfach nicht mehr das ist, was sie wollte und deswegen geht es nicht mehr.

Dela:
Und das finde ich lustig, weil das ist bei mir in der Wahrnehmung dieser Frau auch was anderes. Für mich geht es auch nicht darum, dass sie ihn nicht mehr liebt oder irgendwas. Klar, der ganze Themenkomplex um Edgar ist ein großes Ding.
Aber was für mich ihre Charakterisierung so lebendig gemacht hat, ist auch ihre Interaktion mit ihren Töchtern.
Das hat nämlich für mich fantastisch gewirkt. diese ganze leichte Eifersüchtelei, dass der Vater zu seiner Tochter Ilse so ein Top Verhältnis hat und so weiter, die Kinder, die ihr auch nicht alles erzählen, all die Dinge, die sie ihren Kindern nicht erzählt,
also die Frau würde als Charakter auch funktionieren, wenn du Edgar komplett aus der Rechnung rausnimmst.
Und das haben wir schon lange nicht mehr gehabt, einen eigenständigen Frauencharakter.

Jonas:
Ja, das stimmt.

Flo:
Würdest du behaupten, die Töchter sind auch eigenständige Frauencharaktere? Ich meine, die eine kommt zu wenig vor, um das zu sagen, aber hier mit Ilzi auf jeden Fall.

Dela:
Ja, ganz dünn, aber ja.

Flo:
Sie fällt zumindest nicht negativ auf.

Dela:
Sie ist zumindest besser als die Mutter in Cujo.

Flo:
Oh Gott, ja.

Dela:
Und ich möchte darauf hinweisen, das war eine Hauptfigur. Und auch an Ilse hatte ich wirklich viel Spaß. Das war ein schöner Charakter.
Der war halt dünn gezeichnet, natürlich. Und ja, sie definiert sich über ihren Männer und über ihren Beziehungsdramen und all den Blödsinn.
Und auch über ihren Papa. Aber sie ist halt auch echt noch echt jung. Ich glaube in dem Alter kann ich das auch noch als jugendliche Dummheit abhaken für mich.
Bei Pam, die eben irgendwas Ende 40 ist, hätte ich das wesentlich üblergenommen, wäre das so gewesen.

Flo:
Ja, wobei sie definiert sich auch über die Beziehung zu ihrer Schwester, das fand ich auch interessant.

Dela:
Und da haben wir halt auch wieder das Gegenstück zu Love, ne? Weil da hatten wir ja dieses Schwestern-Beziehungs-Ding auch.

Flo:
Ja, wie gesagt, die andere Tochter Melinda ist so wenig im Buch. Ich glaube, darüber müssen wir auch nicht groß drüber reden.
Aber wie sie hier ihre Schwester gleichzeitig als Freundin und als Feindin sieht.
Sie versucht sie zu übertrumpfen, aber gleichzeitig ist sie auch auf ihrer Seite. Es ist ein sehr interessantes Verhältnis zwischen den beiden, finde ich.

Dela:
Alleine schon die Tatsache, dass sie ihr als erste von dem Verletzten erzählt.
Das erzählt sie ihr, bevor sie es ihrem Papa erzählt und bevor sie es ihrem Mutter erzählt.

Flo:
Ja, das habe ich auch so gesehen, so als... dir vertraue ich am meisten und gleichzeitig, haha, guck, ich war schneller als du.

Dela:
Ja, ne und ich glaube auch, dieser Punkt von... Ja, wir sind uns nicht immer grün, aber wir müssen uns jetzt verschwören, erstmal, weil wir beide wissen, wie unsere Mutter darauf reagieren wird.
Und das kenne ich halt auch aus eigener Erfahrung.
Jonas, wie stehst du denn zu unseren Charakteren?

Jonas:
Also zu den Töchtern hatte ich jetzt, ja, Ilse war, finde ich, so gezeigt, dass ich sie ja verstanden habe. Die andere, von der erfährt man ja wirklich wenig, sie ist ja auch in Frankreich.
Ja, und um die Frau habe ich mir wenig Gedanken gemacht. Wie Flo sagte, es ist bemerkenswert, dass er nicht über sie herzieht,
wie das oft in Geschichten bei Scheidungserzählungen gemacht wird.
Aber ansonsten, ja, sie kommt zu wenig vor, finde ich, um für mich eine große Relevanz zu haben.

Flo:
Darf ich kurz raten? Jonas, du hast auch das Hörbuch gehört?

Jonas:
Ja.

Flo:
Ja, ich auch. Und Dela, du hast gelesen?

Dela:
Ich habe gewechselt. Ich habe gelesen und gehört.

Flo:
Weil im Hörbuch wird sie als Ilse bezeichnet.
Weil du das als Englisch ausgesprochen hast und weil du immer Ilse sagst. Deswegen.

Dela:
Tatsächlich ist es so, in meiner Hörbuchversion, in der Englischen, wird sie sogar Ilsa ausgesprochen. Aber in allem was Textform war, stand Ilse. Also nehme ich mal an, dass das das Richtige ist.

Flo:
Ich vermute, dass es im Deutschen das E einfach als englisches I ausgesprochen wird. Und deswegen der Unterschied kommt.

Dela:
Ja, gut möglich. Noch mal ganz kurz zu der Beziehung zwischen den Schwestern. dass es mir auch aufgefallen ist, dass die beiden sich tatsächlich sehr bewusst sind,
dass es ein Sympathiegefälle in dieser Familie gibt.
Dass Melinda eher das Mama-Kind ist und das Papa-Kind.
Und dass die sich auch sehr bewusst sind, dass das nicht unbedingt eine Rivalität ist, Das ist aber ein Ungleichgewicht.

Jonas:
Ja, ich finde es aber eigentlich noch mehr bemerkbar, dass Edgar sich dessen so extrem bewusst ist.

Flo:
Ja, er erzählt ja irgendwas von Lieblingskind mal.
Und das fand ich auch sehr realistisch, weil ich habe keine Kinder, aber ja, machen wir uns nichts vor.
Wir wissen alle, mit manchen Leuten kommt man besser klar, mit anderen weniger. Und es ist auch so, wie es die eigenen Kinder sind.

Dela:
Und das ist halt das Ding, gerade auch mit Genetik und so weiter, wenn wirklich die Melinda mehr von der Mutter hat,
dann projizierst du natürlich gerade jetzt im Nachgang von der Scheidung und so weiter ganz andere Verhaltensmuster noch dazu rein, die dir dann erst auffallen, die natürlich für die Sympathie nicht unbedingt zuträglich sind.
Also das fand ich schon sehr realistisch. Und weil Edgar wirklich ehrlich zu sich selbst ist, gibt er das halt auch zu.
Und wir dürfen nicht vergessen, das Ganze ist im Nachgang erzählt, das heißt, Ilsa, ich muss jetzt spoilern, ist halt tot im Verlauf des Buches, was natürlich diese Überglorifizierung, die er da wahrscheinlich in seinem Kopf hat, nochmal verstärkt.
Jan, wie stehst du denn zu den Charakteren?

Jan:
Ja, ich habe gerade versucht, mich an das Verhältnis zwischen den beiden Schwestern ein bisschen zurückzuerinnern.
Ja, ich würde euch da im Wesentlichen zustimmen. Also Pam geht mir nicht auf den Sack.
Ich finde sie eigentlich auch ganz einigermaßen fair beschrieben. Und ja klar, dass Ilse Papas Lieblingstochter ist, das gibt er dann auch im Verlauf mehrmals zu. Die Beziehung ist halt sehr eng, sie besucht ihn mehrmals und Melinda ist halt weit weg in Frankreich und kommt dann erst sehr viel später mal irgendwie nach Florida.
Finde ich schlüssig, finde ich als erzählerisches Instrument, um halt auch diese Auflösung dieser Familie entsprechend zu rechtfertigen, dass Edgar halt alleine nach Florida geht, ohne Frau,
ohne Kinder und dass sich die weiteren Ereignisse dann so abspielen können, wie sie sich abgespielt haben.

Dela:
So, jetzt habe ich eine Frage an euch. Als wir Shining besprochen haben, ist es sehr sehr sehr sehr lange her, hatten wir die Diskussion, ob das Haus ein eigener Charakter ist.

Flo:
Lustig, das wollte ich auch noch ansprechen.
Ja, ist es. Ich nehme die Antwort schon vorweg, das Big Pink ist für mich ein Charakter.

Dela:
Für mich, ja, ich glaube, er wollte, dass es ein Charakter ist. Es kam bei mir aber nur so halb an.

Jonas:
Für mich nicht so wirklich. Weil für mich ist es nicht das Haus an sich, sondern der Ort eher, also die gesamte Insel.
Und das ist halt sein Platz auf dieser Insel.

Jan:
Ja, sehe ich ähnlich.
Das ganze Buch ist ja wirklich durchzogen von Unmengen popkultureller Referenzen. Da werden irgendwelche Songtexte zitiert.
Edgar und Wireman hauen sich gegenseitig Zitate um die Ohren.
Und Big Pink ist eine sehr große Referenz.
Eine von zwei Anspielungen auf Bob Dylan. Es gibt im Bundesstaat New York ein Haus, in dem Bob Dylans Begleitband The Band zwei Alben aufgenommen hat.
Dieses Haus ist lachsfarbenlackiert und wird Big Pink genannt. Das Album heißt auch Music from Big Pink.
Und deswegen kriegt das Haus halt diesen Namen als eigenen Charakter, würde ich jetzt nicht unbedingt sehen, das ist mehr die Insel an sich, die halt wirkt.

Dela:
Flo, was hat es denn für dich zum Charakter gemacht?

Flo:
Also wenn ich ehrlich bin es hatte für mich mehr charakter als das hotel in shining.
Das haus ist ist besser beschrieben ist, glaubwürdiger als so manche andere King Figur und,
Ja, ich weiß nicht, ist es ein geisterhaus, eigentlich ja nicht so wirklich aber trotzdem habe ich gespürt, wie die Geister der Vergangenheit in diesem Haus lebendig sind.
Also die ganzen Künstler und alles. Und das hat das Haus für mich hier lebendig gemacht.

Dela:
Was für mich halt so ein bisschen der Punkt war, ich habe daran auch viel Spaß gehabt an dem Haus. Gerade so die Beschreibung der Muscheln, die so aneinander reiben und wie das Haus quasi selbst weiß,
es ist dem Untergang geweiht, weil es halt irgendwann im Golf verschwinden wird und sowas.
Das hat mir schon Spaß gemacht, das kam auch bei mir an.
Das einzige, was mein Problem war, wie Jan schon gesagt hat, das Ding lebt halt von Querverweisen und Popkulturhinweisen und sowas.
Und das war halt für mich hier zu sehr Fall des Hauses Usher. Also es hat mir Spaß gemacht, aber ich konnte dann halt wirklich nur noch diese Ebene sehen und die reichten mir halt nicht.

Jan:
Aber dass das Haus halt allgemein so ein bisschen spooky ist, auch wegen dieser Muscheln und das habe ich mir auch mal irgendwo notiert, ist mir auch
aufgefallen. Aber das ist jetzt, ich weiß nicht, ob das einen eigenen Charakter rechtfertigt.

Flo:
Vielleicht liegt es bei mir auch daran, ich habe vor ein paar Jahren,
also nicht so lange her, die Elementare von Michael McDowell gewesen.
Und das spielt auch in Florida und das spielen auch Strandhäuser eine große Rolle, die so langsam vom Sand aufgefressen werden und so weiter.
Und ja, dieser Untergang, von dem man weiß, dass er kommt und trotzdem sich dieses entgegenstellen, vielleicht hat mich das auch einfach,
so gepackt, dass ich mehr das Haus reingelesen habe, als drin steht.

Dela:
Nee, ich hab das tatsächlich auch gesehen. Ich komm dazu nochmal unter Symbolik, weil das für mich auch ein guter Spiegel für Edgars Zustand allgemein ist.
Aber wie gesagt reden wir dann nochmal, würde ich vorschlagen.
Dann haben wir noch einen Charakter, den ich wichtig finde, das ist Wireman. Und an ihm hab ich auch unglaublich viel Spaß.
Dieser Mensch hat, obwohl er wirklich nur in groben Zügen ausgearbeitet ist, für mich auch wieder sehr viel Tiefe als zumindest ein Begleitcharakter. Das hat mir sehr gut gefallen.

Jan:
Ja, mir auch. Wireman ist auch wirklich eine arschcoole Persönlichkeit, der halt viel Scheiße erlebt hat in seinem Leben und jetzt eigentlich in einem Zustand ist,
er hat versucht, sich zu erschießen, er ist jetzt eigentlich im Zustand, wo er keinem was beweisen muss.
Er hat Sinn gefunden, um sich, um Elisabeth zu kümmern, Aber ansonsten sagt er auch, lebe den Tag und lass den Tag dich leben.
Und das ist eigentlich auch eine schöne Einstellung für mich.

Flo:
Ja, er ist ein cooler Charakter, er macht Spaß. Auch hier wieder ein älterer Mann.
Ich hab so das Gefühl, wir sind jetzt so in der Phase, in der King langsam erkennt, dass er selbst älter wird und seine Hauptfiguren das auch.

Dela:
Also das haben wir ja eigentlich schon ziemlich lange jetzt, dass wir die älteren Charaktere haben. Ich meine, wir hatten die älteren Charaktere bei Schlaflos, wir hatten die bei Brennen muss Salem, da waren die Charaktere alle, bis auf das Kind älter.

Flo:
Naja, da hat der trotzdem noch den jungen Autor und so weiter.

Jan:
Auch seine Kinderfiguren waren immer ein paar Jahre reifer, als sie eigentlich alt waren.

Dela:
Ja, auf jeden Fall ein älterer Charakter. Hier hat es tatsächlich bei mir das Alter auch funktioniert. Also ihn habe ich auch als so alt gelesen, wie er ist.

Flo:
Genau. Ich weiß gar nicht, wird es angegeben in dem Buch, wie alt er ungefähr ist?

Dela:
Ich glaube nicht, aber ich hätte ihn jetzt gelesen als ein paar Jahre älter als Edgar.

Jan:
Ich meine auch.

Flo:
Ja, ich hätte es mal gesagt so um die 60 oder ja. Genau.

Dela:
Gut. Ja, wir hätten da noch Jake, aber ich glaube, über Jake brauchen wir nicht reden. Der ist ein lustiger Sidekick aber mehr auch nicht, oder?

Flo:
Ja, er ist so eine Mischung aus Jake und Oi. Wir hätten noch Elisabeth, aber...

Dela:
Auch da würde ich sagen, ist ein netter Effekt, aber kein eigener Charakter, richtig.

Flo:
Das weiß ich nicht. Ich finde die Darstellung ihrer Demenz ganz interessant.

Dela:
Ja, die Kinder-Elizabeth, da bin ich bei euch. Die Demenz-Darstellung, da muss ich sagen,
Ja, die ist da, die ist auch nicht schlecht, ist aber halt auch ziemlich genau alles, was sie noch charakterisiert.
Also insofern würde ich sie für mich als Erwachsene-Version eher als Funktion charakterisieren als als Charakter.

Flo:
Da würde ich dir widersprechen.

Dela:
Gerne.

Flo:
Klar ist sie eine Funktion. Sie weist auf die Dinge hin, die in ihrer Kindheit stattgefunden haben.
Damit auch auf das Geheimnis und wie man das Böse besiegen kann.
Aber sie hat zum Beispiel durch die Unterstützung der Künstlerszene und so, sie hat immer noch so andere Eigenschaften.
Natürlich kann man jetzt auch hier sagen, ja das sind aber andere Eigenschaften, die auch nur die Handlung voranbringen. Aber sie hat auch Eigenheiten, die sie für mich dann
doch noch zu einem eigenständigen Charakter machen. Und sei es nur das Kettenrauchen oder die Art, wie sie sich spricht. Also klar, sie ist jetzt kein ausgearbeiteter Charakter wie die anderen, aber trotzdem würde ich sie doch zu einer, der also wichtiger als Jack erachten.

Dela:
Ja, ja das stimmt. Gut, dann würde ich ein bisschen in die Details gehen.
Ich würde damit anfangen, wir haben ja hier wieder so eine zweischichtige Erzählung, würde ich behaupten.
Wir haben einmal die Hauptgeschichte um Edgar und so weiter und wir haben diese Zwischenspiele von How to Draw a Picture.
Und ich muss sagen, an diesen Zwischenspielen habe ich wahnsinnig viel Spaß gehabt. Die waren teilweise so scheiß gruselig für mich. Das hat mir richtig gut gefallen.

Jonas:
Inwiefern gruselig?

Dela:
Naja, wir beschreiben ja so die Geschichte von Elisabeth als Kind. Und ich finde zum Beispiel die Idee einer Fantasiefreundin in Form einer Puppe, die zu mir spricht,
das finde ich als Konzept schon, da wäre ich als Kind schon aus der Haut gefahren, wenn ich plötzlich mein eigenes Hirn über eine andere Entität mit mir sprechen höre.
Und wie sie sich halt einerseits durch die Malerei wieder zurück ins Leben kämpft, und sich das, genau das was ihr einziger Angellpunkt eigentlich ist, für sie als Waffe gegen sie verkehrt.
Und das bei so einem kleinen Kind, das fand ich wesentlich gruseliger als all das was Edgar widerfährt. Weil Edgar einfach ein Erwachsener ist und damit anders umgehen kann.
Aber wenn ich mich versuche reinzuversetzen in das Hirn eines, sagen wir mal, 5, 6, 7, 10 jährigen Kindes, ist das eine wahnsinnig gruselige Vorstellung, dass du so viel Macht hast, ich meine, zum Beispiel, sie beschwört ja dann diesen Hurricane herauf,
du hast so viel Macht und sie gerät so völlig außer Kontrolle, aber du hast gleichzeitig keine anderen Möglichkeiten und musst damit weitermachen, weil es eben dein Kommunikationskanal ist, schlicht und ergreifend.

Flo:
Es hätte auch als Kurzgeschichte funktioniert, was wirklich eine eigene Handlung ist, ich fand sie auch gut, Ich konnte sie nur aufgrund des Titels nicht so ganz ernst nehmen.
Also im Deutschen heißt das, wie man ein Bild malt.
Und in meinem Kopf waren diese Abschnitte einfach gelesen mit der Stimme von Bob Ross. Und das hat nicht übereinandergepasst.

Dela:
Ja, okay, das verstehe ich.

Jan:
Glückliche kleine Wirbelstürme.

Flo:
Ja, genau.

Dela:
Aber wie fandet ihr es denn qualitativ? Hat euch dieser Punkt gegruselt tatsächlich? Oder ging das so an euch vorbei? Und das war halt einfach eine nette Geschichte.

Jonas:
Gegruselt ist zu viel gesagt, aber es hat Stimmung erzeugt.

Dela:
Okay.

Flo:
Ja, würde ich auch so sagen.

Jan:
Ja, ich habe es beim ersten Mal relativ flüchtig gelesen, weil das halt der neue Handlungsebene war.
Ich hab mich gefragt, was ist jetzt von mir? Beim zweiten Mal ist es dann auch ein bisschen genauer gelesen. Es erzeugt Atmosphäre auf jeden Fall.
Und liefert halt Hintergrund.

Dela:
Ich glaube, es ist bei diesem Buch relativ schwer, wirklich dibbeldabbeldour damit durchzugehen.
Deswegen würde ich einfach so ein paar Highlights rausnehmen.
Der erste Punkt ist tatsächlich, wie Edgar überhaupt nach Duma Key kommt.
Und da würde ich jetzt diesen Bogen machen zur Darstellung von Behinderung, weil das fand ich wirklich klasse, wie das gemacht ist.

00:38:17 Darstellung Von Behinderung

Dela:
Er hat diesen Unfall und das erste, was mir aufgefallen ist, er weiß davon nicht mehr wirklich viel.
Er hat Blitzartige Szenen von Details, richtige Detailaufnahmen, die ihm klar sind, die er auch nicht vergisst, aber andererseits ist das grobe Bild rundum relativ verschwommen.
Und das fand ich sehr, sehr klasse, weil das halt eine relativ klassische Traumareaktion allgemein ist. Also dass er die getroffen hat, ich kann mir vorstellen, dass das tatsächlich auch durch seinen eigenen Unfall kommt.

Flo:
Ja, vermute ich sehr stark. Also er hat ja ganz offensichtlich hier wieder sein Unfall verarbeitet.
Nicht ganz so wie er es beim Turm gemacht hat oder bei Duddits und bei so vielen anderen. Also ich finde es hier tatsächlich realistischer umgesetzt. Ich glaube, er hatte auch einen anderen Blick mittlerweile drauf.
Und man sieht, dass er mehr verarbeiten konnte und mehr darüber weiß, was mit ihm wahrscheinlich nach dem Unfall geschehen ist.
So auch auf psychologischer Ebene.

Dela:
Was ich auch fantastisch finde, ist, dass er endlich mal ein behinderter Charakter ist, der das Recht hat, wütend zu sein.
Klar, es ist uncool, dass er seine Frau da würgt und so weiter und so fort. Aber er hat das Recht, wütend zu sein auf die ganze Scheiße, die ihm passiert ist, an der er nicht schuld ist, an der er nichts ändern kann,
und mit der er letztendlich alleine klarkommen muss, obwohl er ja schon verhältnismäßig viel Support hat.
Ich meine, er hat einen eigenen Psychologen, er hat seine Reha und so weiter und so fort.
Also er ist ja medizinisch gut versorgt.
Aber nichtsdestotrotz muss er sich mit sich selber auseinandersetzen und der hasst das wie die Pest. Weil ich glaube, Edgar ist auch ein Charakter, der sich vorher ebenso in seine Arbeit unter anderem gestürzt hat und all diese Dinge,
und sich eben nicht mit sich selber beschäftigen zu müssen.
Und wenn ihm das weggenommen wird, ist es logisch, dass das bei ihm absolut nur Kratzen beißen und alles Abwehrreaktionen auslöst. Das hat mir richtig gut gefallen.

Jan:
Ja, insbesondere auch wenn jemand, der gewohnt ist, Kontrolle zu haben, dann auf einmal Kontrolle verliert. Das wird, glaube ich, zwangsläufig eine starke Reaktion bevorrufen.

Dela:
Naja, und vor allem, was ich auch sehr mochte, und ich glaube auch hier ist wieder King mit seinem Unfall sehr viel drin, er beschreibt die Schmerzen sehr grafisch und das ist auch wichtig und wichtig und gut.
Ich finde das auch fantastisch, weil hier nicht über dem Buch plötzlich die Behinderung einfach mal vergessen wird oder in den Hintergrund gerät.
Dieser ganze Körperscheiß nervt ihn permanent.
Das ist immer da, das ist zwar in wechslender Intensität da, aber es ist permanent da und er bezieht sich permanent darauf für sich selber.
Nicht in der Öffentlichkeit unbedingt, aber er selber hat ständig einen Selbstdiagnosetest laufen, was zickt jetzt gerade rum, was kann ich jetzt noch machen, was kann ich nicht mehr machen,
woran erinnere ich mich, woran erinnere ich mich nicht mehr Und wie sehr kann ich mich auf mich selber verlassen.
Und das ist tatsächlich das erste Mal, dass ich das in einem Mainstream-Buch so gut lese.
Normalerweise opfern wir halt diese kleinen diese kleinen problemchen in Anführungsstrichen gerne mal der handlung und das wird hier halt tatsächlich nicht gemacht.

Flo:
Ja und ich glaube dass ist ein grund warum Edgaar so real wirkt Weil er all diese kleinen schichten hat, er wird nicht auf irgendwas reduziert aber es wird auch nichts vergessen und.
Also ich glaube, so gut hat King das selten umgesetzt bei einer Figur.

Dela:
Auf jeden Fall. Alleine schon die Tatsache, und das finde ich auch gut, dass, klar, wir erwähnen das Prinzip mit den Schmerzen.
Und dass das immer permanent in der einen oder anderen Front da ist.
Aber wir haben gleichzeitig, dass für Edgar das eigentlich belastende Element viel mehr diese Gehirnschäden sind. dass das eben ihm am allermeisten ankotzt.
Ja, die Schmerzen erhöhen die Grundaggressivität, aber die Tatsache, dass er Dinge vergisst, ist ja eigentlich das, was erstmal die akuten Wutanfälle auf sich selbst und auf den Rest der Welt auslöst.
Und eben auch seine Reaktion darauf dann entsprechend triggert.
Also das hat mir wirklich Spaß gemacht, das war echt gut.
Und vor allem, wir haben endlich mal einen Charakter, der mal eine Entwicklung hat, stellt euch das mal vor.
Könnt ihr euch erinnern, wenn wir das letzte Buch hatten, wo ein Charakter sich entwickelt hat?

Flo:
Äh, es könnte schon ein bisschen her sein.

Jonas:
Im Turm gab's Entwicklung. Oi war ein ganz anderer danach!

Flo:
Naja. Ich glaube, ich würde tatsächlich zurückgehen bis zu so Sachen wie das Bild.
Da hatten wir wenigstens ein bisschen. Ja, also vorher fällt mir tatsächlich nichts ein, dass es tatsächlich so Charakterentwicklung hatte.

Dela:
Ja, stimmt.

Jan:
Beim Musterschüler vielleicht, aber da geht die Entwicklung dann ziemlich bergab.

Dela:
Ja, das stimmt, aber ja, hast recht.
Aber nee, das muss ich wirklich sagen, weil wir durchlaufen ja wirklich sämtliche Phasen von Trauer, von Schmerzbewältigung und so weiter und so fort.
Genau der Punkt, dass er auch schonungslos darüber spricht, wie beschissen er sein Leben empfindet und wie sehr er dieses Leben als Karikatur empfindet.
Und dass er nur am Leben bleibt, weil er nicht will, dass seine Töchter darunter leiden, wenn er sich jetzt wegräumt.
Und das entwickelt sich ganz langsam graduell zu einem ganz dünnen, leicht verkleideten Lebenswillen, der dann langsam immer weiter wächst.
Und das ist einfach eine Tatsache. Es tut mir leid, aber es ist einfach eine Tatsache.
Und ich möchte an der Stelle schon mal ein Zitat bringen. da redet er über seine Psychiater.
"But Cayman specialized in tricking the victims of terrible accidents into believing the pellet-imitations of lives they were living were as good as the reak thing". Also auf deutsch gesagt, die Spezialität von Caymen war ja eh, die Opfer von schweren Unfällen und so weiter,
glauben zu machen, dass ihre lächerliche Imitation eines Lebens auch nur annähernd das echte Ding ist.
Und ich glaube, das trifft komplett. Also in meinen zynischen Phasen ist das genau der Satz, den ich gedacht hätte.

Jonas:
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, das was Cayman ja ihm empfiehlt, mit hier, äh, machen Hobby und Ortswechsel, dieser Hobby-Teil, das ist quasi dieses Basteln gegen den Wahnsinn?

Dela:
Genau, das ist Basteln gegen den Wahnsinn.

Flo:
Was ich an der ganzen Sache auch interessant finde, ist, also er will ja eigentlich mit seinem Leben abschließen.
Dass er hier auf seinen Psychiater hört, der sagt, ja wenn du dich jetzt umbringst, dann ist das für deine Familie echt scheiße.
Such dir einen anderen Ort, such dir ein Hobby, such dir Zeit, nimm dir Zeit und wenn du nach Jahr dann den Schlussstrich ziehst, dann ist das für alle besser. Und wenn nicht, ist es auch gut.
Und das finde ich einen interessanten Umgang damit.

Dela:
Auf jeden Fall. Und das ist in meinen Augen auch der einzig richtige Umgang. Weil ich kann jetzt nur aus der Perspektive eines behinderten Menschen
sprechen und ganz ehrlich, ohne da irgendjemanden zu nahe zu treten zu wollen. Aber Fakt ist, das ist ein Gedanke den du hast. Und ich denke, diesen Gedanken hast du noch viel mehr,
wenn du es anders kennst, wenn du z.B. durch eine Verletzung oder irgendwas diese Behinderung erworben hast.
Fakt ist, das ist ein Gedanke, der in deinem Hirn existiert. Und du hast eben nur die Möglichkeit, dir selber zu versuchen, von einem Tag zum nächsten ein bisschen mehr Luft zu verschaffen.
Und wenn du Glück hast, geht es irgendwann ein bisschen aufwärts. Aber dieser Gedanke, "naja, du darfst da so nicht denken" und so weiter das ist Bullshit.

Jonas:
Aber habe ich das richtig in Erinnerung, dass ein stichhaltiges Argument gegen den frühen Selbstmord war, dass er Angst hat, dass irgendwelche Versicherungsleute über seine Unterlagen brüten
und er denen das einfach nicht gönnt oder das nicht möchte, dass die diese dummen kleinen Angestellten da sein Zeug machen?

Dela:
Nee, ich glaube für mich war eher der Punkt, die werden dann graben und die werden dann versuchen zu beweisen, dass es ein Selbstmord war, und dann werden sie seinen Töchtern blöde Fragen stellen und werden da graben und so weiter.
Und die werden monatelang keinen Frieden finden und nicht richtig trauern können. So habe ich das verstanden.

Jonas:
Ah, okay.

Dela:
Und was ich halt auch wirklich gut fand, ist, dass er ständig pendelt zwischen Angst und Aggression. Und dass vor allem die Angst die Aggression erstmal auslöst.
Denn in dem Moment, wo seine Versagensangst durchkommt, schaltet er sofort um auf Angriff.
Und auch das ist ein Punkt, den kenne ich so gut.
Du hast halt, du bist halt, reduziert dann letzten Endes auf Fight or Flight. Und wenn Flight halt nicht mehr funktioniert, weil es dir einfach körperlich genommen ist, hast du nur noch die Variante zuzubeißen und dann tust du das, egal in welcher Situation du bist.

Flo:
Ja.

Dela:
Gut, dann möchte ich diesen Ausflug in die Darstellung von Behinderung abschließen mit einem letzten Zitat von mir. "According to popular wisdom, a dog is a man's best friend.
But I would vote for aspirin."
Gut, ich würde jetzt nicht unbedingt aspirin sagen, sondern novamin, aber ansonsten unterschreibe ich das komplett.

Jonas:
Ja, aber wir hatten das schon öfters. Ich glaube, aspirin ist einfach im Amerikanischen ein Synonym für Schmerzmittel.

Dela:
Das ist zwar sehr niedlich, aber stimmt vermutlich, ja.
Aber auch die Tatsache, dass er sich selber von den Schmerzmitteln entwöhnt zum Beispiel. Ich glaube hier haben wir auch wieder sehr viel von King selber drin.

Flo:
Gerade damit hat er ja auch Erfahrung.
Nicht nur Schmerzmittel, sondern auch andere...

Jan:
Gut sortierte Apotheke zu Hause.

Flo:
Genau.

00:49:09 Detailbesprechung Fortsetzung

Dela:
Naja, auf jeden Fall er kriegt dann den Tipp von seinem Psychater , er soll jetzt bitte umziehen.
Und hier kommen so das erste Mal die Erinnerungslücken in die Handlung rein. Denn er kann sich gar nicht so richtig erinnern, wie er jetzt ausgerechnet von Florida gelandet ist.
Gut, das ist logisch, weil nach Florida geht man entweder als Flitterwochenmensch oder für die Rente.
Also ist das ein logischer Ort, wenn man eine körperliche Einschränkung hat.

Jan:
Ich komme auch noch mit dem Zitat um eine Kurve." Ich hatte Florida im Sinn die Zuflucht der frisch Vermehrten und fast Verstorbenen."

Dela:
Genau.
Ja und da kommt halt das erste Mal rein. Er weiß gar nicht so richtig, wie er in Florida gelandet ist. Er ist ins Reisebüro gelaufen und diese Broschüre, diese eine, war halt die einzige, an die er sich erinnert, die ihn wirklich angesprochen hat.
Und so lockt ihn Duma Key in das Haus.

Flo:
Genau, das hätte ich nämlich auch gesagt. Er erinnert sich nicht dran, weil er hat es nicht entschieden.
Das Haus hat entschieden, ja den will ich. Oder Duma Key oder Perce oder was auch immer. Aber es war nicht seine Entscheidung, dahin zu kommen. Genau wie ich das auch glaube, dass es bei Wireman nicht die Entscheidung war.

Dela:
Bin ich bei dir. Wie seht ihr das?

Jonas:
Ganz genauso.

Dela:
Ja, und wir haben da noch diese eine Zwischenszene, die ihn letzten Endes in seinem Entschluss noch voll bestätigt. Einerseits natürlich seine Frau trennt sich von ihm.
Wie gesagt, vollkommen verständlich. Also das ist das Letzte, was ich der Frau zum Vorwurf mache, auch wenn sie mir auf den Sack geht.
Aber das ist nicht der Punkt, der mich an ihr nervt. Und dann kommen wir zu der Szene mit dem Hund. Und Flo, du hast gerade schon erwähnt, die war ganz schön heftig.

Flo:
Ja, es ist halt, dass Menschen können gequält werden, das ist mir scheißegal, aber bei Tieren...
Und wir haben hier einen Autounfall, also ein Hund wird angefahren, der Hund eines jungen Mädchens, und er schickt sie rein, Hilfe holen.

Dela:
Obwohl er weiß, dass keine Hilfe, also dass jeder zu spät kommen wird.

Flo:
Er will nicht, dass das Mädchen den Hund sterben sieht.
Und er nimmt es dann in die eigene Hand.

Dela:
Wohlgemerkt in die nicht mehr vorhandene hand...

Flo:
ja genau das ist das erste mal dass auch hier das so beschrieben wird dass das da doch noch mehr gibt als, ja als das was fehlt,
und also ich kann ihn gut verstehen.
Es ist trotzdem einfach eine heftige szene wie er diesen leidenden hund dann tötet um ihn von seinen Qualen zu erlösen.

Dela:
Und da möchte ich auch gleich wieder, das ist wieder Symbolebene, aber diese Szene ist wichtig, weil sie genau das spiegelt.
Schwerkranke Menschen lassen wir um Zweifel zwei elendig verrecken und nehmen ihnen jede Möglichkeit, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen, wenn sie es denn körperlich nicht mehr können, und aber vielleicht den Willen dazu haben in irgendeiner Form.
Bei jedem Tier würde da keiner drüber diskutieren. Und das ist genau der Punkt. Keiner zuckt darüber, dass er den Hund in Prinzip ja auch umbringt.
Aber würde er dasselbe für sich verlangen oder irgendwas, oder halt Mitleid mit jemand anderem haben und das in dieser Richtung willentlich mit jemand anderem abgesprochen durchführen, dann wäre das natürlich ein ganz anderes Ding in der Bewertung der Menschen.
Und das ist für mich ein wichtiger Punkt.

Flo:
Ja, und dass er die Entscheidung für den Hund trifft, aber für sich selbst dann letztendlich doch nicht durchzieht. Das ist, glaube ich, auch ein wichtiger Punkt in der ganzen Sache.

Dela:
Und hier haben wir halt auch das erste Mal diesen ganzen Aspekt mit Phantomschmerzen und so weiter und so fort.
Und da muss ich halt sagen, da kann ich nicht mitreden. Ich hab von dem Schmerz-Element Ahnung, ich hab von der Wut- und der Angst-Ahnung.
Ich hab auch von dem Gefühl Ahnung, wie es ist, wenn dein eigener Körper dich mehr oder weniger im Stich lässt und du weißt, du kannst es eigentlich besser.
Aber die Phantomschmerzen kann ich halt nicht einschätzen, logischerweise. Aber die Beschreibung, die war richtig bösartig schmerzhaft.
Die hat bei mir richtig gut funktioniert.

Flo:
Ja.
Es kommt real rüber. Ich kann auch, wie du sagst, auch nicht einschätzen, ob es wirklich so ist. Aber man glaubt es eben.

Dela:
Und ich glaube, genau dadurch kommt auch der Leidensdruck, dass er letzten Endes wirklich anfängt zu malen. Weil das Malen ihn so weit ablenkt, dass es ihn in erster Linie von den Phantomschmerzen ablenkt.
Denn das ist ja der Punkt. Wenn er malt, glaubt er, er hat wieder beide Arme und kann beide Arme benutzen.
Und so weiter und so fort. Das ist eigentlich sein Hauptantrieb zu malen. oder seht ihr das anders.

Flo:
Nein, seh ich genauso.

Jonas:
Jup.

Jan:
Jo.

Dela:
Und jetzt kommen wir zu dem ganzen Künstlerpunkt.
Und da habe ich halt überhaupt keine Ahnung von.
Aber ich mochte die Beschreibung der Bilder. Ich hab da Spaß dran gehabt.
Weil gerade diesen Effekt mit Bildern, die Dinge in der Realität bewirken, den haben wir ja bei King schon zwei, drei Mal erlebt jetzt.
Also ich konnte mir die Bilder sehr gut vorstellen, obwohl man sie ja natürlich nicht richtig gesehen hat.

Jonas:
Ja, das geht mir total ab.
Ich kann mit Beschriebenen oder mit Bildbeschreibungen kann ich nicht viel anfangen. Immer wenn ich sowas gelesen habe und mir das Original angesehen habe, habe ich mir das komplett anders vorgestellt.
Deswegen, mir hat das nicht viel gebracht.

Dela:
Okay.

Flo:
Ich glaube, wir haben hier alle ein anderes Bild von den jeweiligen Bildern.
Aber trotzdem, ich fand die Beschreibung gut.
Auch wenn ich manchmal ich bleibe dabei wieder so Bob Ross vibes hatte weil es ja darauf so ein bisschen kitschig ist also diese sonnenuntergang motive in florida
und so weiter

Dela:
ja tatsächlich war das bei mir nämlich genau anders, also man erwartet diesen Bob Ross Kram aber für mich hatten diese
Bilder einen total apokalyptischen Vibe auch schon die ersten, den er nun nicht sieht, weil das Haus ihn dafür blind macht. Und das erklärt natürlich auch, warum er erstens so unsicher ist, die Bilder irgendjemandem zu zeigen und zweitens, warum er auch überhaupt nicht versteht, warum alle anderen darum son Wichs machen.

Flo:
Ich kann das bei manchen Bilder verstehen, aber so gerade diese ersten Sonnenuntergangsbilder.
Ich habe eher so das Gefühl, er malt ja diese Bildserie, Mädchen mit Schiff. Das ist für mich so wie ein Daumenkino, wenn man die durchblättert, von Kitsch Richtung Apokalypse.

Dela:
Ja, auf jeden Fall. Aber ich glaube, die war, also zumindest dahin in diese Bildern, ist für mich von Anfang an Bluterguss Lila.

Flo:
Tatsächlich nicht von Anfang an. Ich habe das Gefühl, die werden vom Bild zu Bild... ...ja, blutiger. Wie du sagst, der Himmel ist für mich auch am Ende knallrot.
Aber am Anfang hätte ich tatsächlich noch mehr blau und gelb im Sonnenuntergang gesehen.

Dela:
Aber gut, ich meine, das macht ja auch Sinn, deine Lesart, weil natürlich das Haus bzw. diese Entität, die dahinter steht, ihn ja auch erst mal in Sicherheit liegen will, bis der Leidensdruck groß genug ist, dass er gar nicht anders kann, als das zu tun.
Jan, wie hat das denn für dich funktioniert mit den Bildern?

Jan:
Ja, ich habe versucht, die Bilder anhand der Beschreibung vorzustellen. Allerdings eben auch nur die Merkmale oder die Eigenschaften, die wirklich beschrieben wurden.
Also ich weiß nicht, ob ich in der Lage wäre, nach dieser Beschreibung das Bild wirklich nachzuvollziehen oder zu zeichnen oder die Wirkung einzufangen.
Wie gesagt, ich habe mir das vorgestellt, was beschrieben wurde. Mehr aber eben auch nicht.
Also insbesondere jetzt nicht unbedingt die...die Farbgebungen.

Dela:
Ja, wenn ich sage, Bluterguss lila, Flo weiß dann, was ich damit assoziiere, denn damit ist ein ganz spezieller Himmel aus einer ganz speziellen Turmwelt gemeint,
die bei mir ein sehr deutliches Bild ist, was für mich eine Stimmung transportiert.
Also das war auch mehr eine Metapher als alles andere.

Flo:
Für mich, ich könnte dir auch nicht sagen, wie die einzelnen Elemente auf dem Bild für mich aussehen. Gerade das Schiff, das ist für mich eigentlich ein grauer Fleck.
Das ist Platzhalter für ein Schiff. Für mich ist es auch eher die Stimmung der Bilder, die in meinem Kopf entsteht. Nicht das Motiv selbst.

Jonas:
Das ist lustig, weil das Schiff konnte ich mir sofort vorstellen.

Dela:
Naja, und während wir so in unserer Genesungsphase sind, versuchen wir halt immer ausgedehntere Spaziergänge zu machen und so weiter und so fort.
Wir haben unsere Puppe, an der wir unsere Aggressionen auslassen, die wir aber gleichzeitig sehr nah an unserem Herzen halten.
Und da muss ich sagen, das hat für mich mit der Puppe das war... ...weiß ich nicht.
Das sollte wahrscheinlich ein Spiegel sein für Elisabeth, aber für mich hat's nicht funktioniert. Wie ging's euch?

Jan:
Mir war das ganze Konzept an der Wutpuppe neu. Und ja, die war halt da.

Jonas:
Ja, ich hab von dem Konzept schon mal...
Äh, so ähnlich gehört das aber von, ich glaub, Sorgenfresser oder so was heißt das halt für Kinder, in denen man da hat die Puppe einen Reißverschluss, da brüllt man rein und dann macht man hinten zu und dann soll die Wut weg sein.
Ja. Äh, ja. Wie gut das funktioniert weiß ich nicht, aber ja, das ganze Konzept kam mir sehr äh, New Age-ig vor.

Jan:
Also nichts, was ein Sandsack oder ein Hackeball mit ein paar Holzscheiten nicht auch getan hätte.

Flo:
Ja, ich weiß auch nicht, ich hatte erst anderes von dieser Puppe gedacht, aber so wie sie dann immer wieder vorkommt, fand ich es auch ein bisschen merkwürdig.
Nicht störend, aber das Konzept war ein bisschen mir fremd.

Jonas:
Ja, und beim Sandsack, das Anziehen des Boxhandschuhs mit einer Hand ist ein bisschen schwierig.

Dela:
Ich glaube tatsächlich, also erstens ja das, aber zweitens, ich glaube die Idee ist eine andere. Die Idee ist tatsächlich, dass du eine Puppe, eine humanoide Figur, hätte vielleicht auch ein Kuscheltier funktioniert,
dass die andere Gehirnregion anspricht. Es geht ja nicht nur um die Aggressionsbewältigung, sondern es geht ja vor allem auch darum, die Erinnerungslücken damit zu bewältigen.
Und da nehme ich an, dass eine Figur, der du in groben Zügen humanoider Charaktereigenschaften zuschreiben könntest, dass die andere Gehirnregion anspricht als eben ein Hackebeil.
Also unter Reha Aspekt macht das für mich schon Sinn. Klar, es ist New Age, aber ich kann mir das vorstellen, dass das andere Regionen anspricht als einfach nur eine Aggressionsbewältigung körperlicher Weise.

Jonas:
Und es ist ja auch was, was er in der Situation sofort greifbar hat, weil er sollte sich ja glaube ich noch dabei haben.

Dela:
Ja, wie gesagt, wir machen immer ausgelehntere Strandspaziergänge und dabei treffen wir auf Wireman.
Wireman ist ein fantastischer Charakter, der die ganze Zeit dumme Witze macht und blöde Seitenkommentare davon sich gibt. Fand ich fantastisch, hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.

Jan:
Ja, sehr.

Flo:
Die Rolle, die ich im Podcast einnehme.

Dela:
Genau. Aber er hat natürlich auch eine tragische Lebensgeschichte. Er hat seine Frau und seine Tochter verloren.

Jan:
Am selben Tag.

Dela:
Er hat dann daraufhin beschlossen, dass er da auch raus muss. Er ist deswegen nach Florida gekommen.
Auch hier wieder so halb gesteuert, halb unbewusst, halb wie auch immer.

Jan:
Er hat sich vorher noch im Kopf geschlossen, oder? Er hatte auch die Lotterie mit Apfel und Orangen.
Und Apfel war der Tod und Orange war das Leben, glaube ich.
Und hat den Apfel gezogen.

Dela:
Genau, also er hat versucht, sich zu suizidieren. Das Ding ist allerdings, es ging halt schief.
Und er hat seitdem auch einen leichten Hirnschaden. Aber vor allem eben einen Klatsch im Sehnerv und so weiter.
Den dann letzten Endes, unser Freund Edgar, mit seinen geheimen Superkräften repariert. Und jetzt reden wir mal über die Superkräfte.
Denn die finden wir ja das erste Mal heraus, als er diesen Kindermörder umbringt. Und da muss ich sagen, diese Szene fand ich doof.
Klar, wir mussten diese Macht irgendwie einführen und demonstrieren, aber das hätte ich mir eleganter vorstellen können.

Flo:
Ja das hat mir auch nicht gefallen, also es war ein bisschen ein Fremdkörper in dem Buch, das basiert ja auf einem tatsächlichen Fall in der Realität- Als King das erste Mal in Florida war wurde da auch ein Kind entführt und der Täter gefasst, und er war einfach so wütend auf den Typen dass er ihn eben in das Buch eingearbeitet und dort getötet hat. Ja... Ich fand's ein bisschen merkwürdig.

Dela:
Naja, wie gesagt, also einerseits kann ich das verstehen, aber er wollte halt den Typen gedanklich was antun, das seh ich ein.
Aber für mich war's halt wirklich einfach nur eine Hinführung, um zu zeigen, für die Leser, die zum Beispiel den Turm nicht kennen, dass eben die Bilder in der Realität was ausrichten können.
Und das führt dann letzten Endes eben auf die Heilung von Wireman hin. So hätte ich es jetzt gesehen für mich persönlich.

Jan:
Gut, bei Wireman macht das glaube ich das erste Mal bewusst.
Also er versucht bewusst eine Wirkung zu erzeugen mit seinen Bildern. Und ist sich auch nicht sicher, ob es funktioniert.

Dela:
Gut, zu Wireman gehört eben die erwachsene Elizabeth.
Und da gebe ich dir recht, Flo, sie macht Spaß. Ich bleibe dabei, dass sie ein relativ dünner Charakter ist, aber sie macht Spaß.
Und auch diese immer wieder hin und her flackernden Momente zwischen Demenz und Nicht-Demenz und ihre Eigenheiten, das hatten wir schon, das war gut, das war nicht schlecht.

Flo:
Ja man merkt irgendwie, das war mal wirklich eine große Frau, die so langsam zerfällt. Und das ist, auch wenn der Charakter nicht so viel dann noch hergibt, man spürt, dass da mal mehr war
und man spürt den verfall und das ist irgendwie tragisch. es ist zwar mehr ein Handlungselement, aber es hat mir trotzdem gut gefallen.

Dela:
Ja, und damit kommen wir so ein bisschen eben in die ganz, ganz grobe, große Linie. Und das ist diese... Ja, ich weiß nicht, wollen wir es richtig Geistergeschichte nennen? Ist es eine Geistergeschichte? Was ist es für euch?

Jonas:
Also für mich hat sich eine Geistergeschichte angefühlt. Ob es eine ist, weiß ich nicht.

Flo:
Ich würde Ja sagen. Also für mich ist es eine Geistergeschichte.
Ich weiß nicht, ob das eine Geisterhausgeschichte ist, vielleicht ist das eher eine Geisterinselgeschichte, aber ja.

Dela:
Darf ich einen Vorschlag machen, Flo?

Flo:
Nein.

Dela:
Okay, dann nicht.

Flo:
Hau raus!

Dela:
Was hältst du denn von dem Konzept, dass Perce ein Outsider ist?

Flo:
Da wäre ich vielleicht auch noch drauf gekommen, ich glaube, dass Percy ein Outsider ist.

Dela:
Gut, ich glaube nämlich auch.
Weil wir haben wieder alle Elemente. Wir haben dieses unter der Hand vorgehen. Wir haben die Verbindung auch zu Kindern.
Oder zumindest zu Menschen, die in irgendeiner Form eine Disposition haben, die sie nicht ganz rationell handeln lässt.
Wir haben hier wieder die Beeinflussung des Wetters, denn der Hurricane zum Beispiel ist ja da.

Flo:
Wir haben das zyklische Erscheinen. Genau. Ja. Also für mich ist Percy ein Outsider.

Dela:
Jonas, Meinungen?

Jonas:
Das zyklische Erscheinen ist ja nicht in der Person selbst gegründet oder in Phänomen, sondern dadurch, dass er weggesperrt wurde.
Das ist ja quasi durch äußere Einflüsse gegeben.
Also den Punkt würde ich nicht geben, aber ansonsten ja, auf jeden Fall.

Dela:
Wir sind uns halt nicht sicher, zum Beispiel bei ES, ist es ja auch nicht sicher, wie sehr der Zyklus wirklich so ist oder wie sehr wir den Zyklus einfach unterbrochen haben durch unsere Maßnahmen.

Flo:
Bei Es ist es eher doch die 27 Jahre trotz Maßnahmen. Also da passt es schon dann noch mehr als hier ja.

Dela:
Und wir haben halt auch vor allem dieses unerklärliche auftauchen irgendeiner macht die einfach da ist und die auch nicht diskutiert wird. Und hier muss ich wirklich sagen, ich mochte das. Ich mag das, wie das Buch immer, immer dunkler, immer düsterer wird,
wie sich diese Erstauswegssituation, dass man denkt, man hat jetzt endlich einen Kommunikationskanal gefunden,
immer weiter hocheskaliert zu, das ist ein Ding, mit dem du erpressbar bist, weil es macht deine Schmerzen weg. Und wenn es deine Schmerzen weg macht, willst du es tun.
Und wenn du es nicht tust, rettest du vielleicht zwar Dinge, aber du selber leidest halt wie ein Hund. Und diese Ausweglosigkeit, die dadurch geschaffen wird, die hat mir richtig viel Spaß gemacht.

Flo:
überhaupt dieser sehr langsame Aufbau dieser ganzen Geschichte.
Das Unheil braut sich ja so langsam zusammen, dass man es am Anfang gar nicht merkt. und wenn es dir dann auffällt, ist es schon überall um dich herum. Und das fand ich richtig gut beschrieben hier.

Dela:
Denn wir malen jetzt immer mehr Bilder, immer mehr Bilder. Unsere Tochter kommt uns besuchen und quängelt uns, dass wir die doch ausstellen sollen, was wir dann letzten Endes auch machen, weil wir unserer Tochter ja nichts abschlagen können.
Und wir werden auch von anderer Seite gequängelt, nämlich von Elisabeths Seite. Und da habe ich eine Frage. Weil für mich war das ein...
Ein Bruch im Plot. Denn... Wenn Elisabeth auf irgendeiner Ebene weiß, dass die Verbreitung dieser Bilder ja nichts anderes ist als Gift streuen, warum drängt sie ihn dann dazu, die Bilder zu verkaufen?
Oder ist das eine Demenzerscheinung, dass sie zwar es besser weiß, aber eben in dem Moment nicht mehr besser weiß?

Flo:
Ich glaube, sie will die Bilder verteilen, weil sie geballt noch viel schlimmer sein könnten, als wenn sie unter unbekannten Leuten irgendwo verkauft sind und irgendwo hängen, wo keiner weiß, was die wirklich Geschichte ist.

Dela:
Das widerspricht sich ja komplett mit dem, was sie selber getan hat. Sie hat ihre Bilder ja alle an einem Fleck versammelt und weggesperrt. Und da sind sie ja auch konzentriert.
Also ich kann mir jetzt höchstens vorstellen, in meiner Welt, dass sie einfach mit Edgar Mitleid hatte, in dem Sinne, dass sie sagt, okay, dann sterben halt rundum ein paar Leute, es ist mir scheißegal, aber er selber wird nicht aufgefressen davon. Und deswegen darf er die Bilder nicht bei sich behalten, sondern muss sie halt weggeben.
Aber ich bin ja nicht sicher, ob das einfach nur schlechte Auflösung ist oder ob das der Gedanke darunter ist.

Jonas:
Ich hatte mir da was überlegt, aber mir fällt es gerade nicht mehr ein.
Ich glaube, es ist ähnlich wie Flo sagt, dass sie dachte, wenn die Bilder verkauft werden und ja, nicht viele an einem Ort sind, dann ist die Macht auch verteilt.
Und ich glaube, sie ist davon ausgegangen, dass Perce noch nicht so viel Macht hat, wie sie tatsächlich hat. Also sie hat einfach angenommen, es wäre mehr Zeit.

Dela:
Okay, also sie hat die Situation einfach falsch eingeschätzt.

Jonas:
Genau.

Dela:
Okay. Es macht ja auch Sinn, ich meine, sie selber kam ja auch so als Kind nie groß von dieser Insel runter.
Also sie hat ja nie diesen Effekt gehabt, dass Perce noch ganz weit außen greifen kann. Mhm.
Von daher sehe ich, dass sie das vielleicht wirklich einfach nicht weiß.
Gut. Naja, und dann kommt es zu dieser großen Ausstellung. Wie gesagt, die Bilder werden immer apokalyptischer. Wir lernen jetzt auch den neuen Freund der großen Tochter kennen, von Melinda.
Der ist auch total begeistert von den Bildern. Diverse Leute kaufen die Bilder und so weiter und so fort.
Ja, und wir haben noch eine Nebenschiene und das ist Ilse. Und hier muss ich sagen, hat mich das Buch tatsächlich überrascht.
Denn er sieht ja, Edgar sieht er in einer seiner Anfälle, möchte ich es mal nennen, sieht er ja den Freund von ihr und schätzt ihn als Gefahr für ihr Leben ein.
Und ich muss sagen, da bin ich komplett mit drauf reingefallen. Also, dass das Buch an der Stelle eine Wendung genommen hat, die habe ich nicht gesehen.

Jonas:
Nee, ich auch nicht.

Flo:
Ja, er baut diese Schiene ja auch über so lange Zeit so glaubwürdig auf, dass man da einfach mitgeht. Weil das so eine handlung ist wird die erwartet man in so einem buch und das ist dann letztendlich ganz anders läuft ich n super twist.

Dela:
Denn als wir die Ausstellung machen und diverse Leute die Bilder gekauft haben...
Ich merke gerade wir besprechen das völlig falsch ich weiß aber auch nicht wie man das besser besprechen sollen,
Jedenfalls, diese große Entität, dieser Outsider, wie auch immer, der eben Macht über dieses Gelände hat, greift halt über auf andere Leute und weil Edgar eben mittlerweile einigermaßen versteht, was da vor sich geht und dagegen ankämpft, kämpft diese Entität halt auch mit bitteren Mitteln,
und macht im Prinzip die Menschen, die die Bilder in Besitz genommen haben, zu ihren Werkzeugen.
Und Eins dieser Werkzeuge bringt dann halt seine tochter um.

Flo:
was auch etwas war mit dem ich nicht gerechnet habe ich meine, tatsächlich weißt du was für feeling ich
so in diesen szenen hatte? weil es so düster ist, man merkt es geht aufs ende zu und dann stimmt ein familienmitglied das hat mich tatsächlich irgendwie an friedhof der kuscheltiere erinnert so von der ganzen stimmung her,

Jonas:
Also mir war klar, dass da was mit ihr passieren muss. als alle Bilder weg waren und klar waren sie müssen verkauft werden.
Und niemand denkt an das Bild, was sie hat.

Dela:
Tatsächlich hatte ich es auch selber vergessen.

Jonas:
Nee, das kam mir direkt in den Sinn. Ich bin selbst ein bisschen überrascht von mir, aber... Nee, daran habe ich sofort gedacht.

Dela:
Der Witz war für mich, weshalb ich auch komplett gestolpert bin. Und jetzt muss ich ein bisschen in die andere Geschichte gehen, nämlich die von der Kinder-Elisabeth. Dann möchte ich euch gleich um Hilfe bitten, dass ihr mir da helft.
Elisabeth hat mehrere Geschwister. Sie selber hat einen Unfall als kleines Kind, schlägt sich den Kopf an, hat also auch eine Gehirnverletzung und zeichnet sich im Prinzip zurück ins Leben.
Das ist erstmal das Wichtigste.
Und sie kriegt halt dieselben Eingebungen wie Edgar. Sie sieht also Dinge, die sonst keiner weiß, unter anderem, dass eben irgendwo da im Golf ein Schatz liegt.
Und den lässt sie von ihrem Vater heben und kriegt als Belohnung eine Porzellanpuppe.
So, und diese Puppe entwickelt sich halt tatsächlich früher oder später zum Problem, weil sie eben die Entität Perce enthält.
Und diese Perce fängt eben jetzt an, immer weiter ihren Einfluss aufzubauen. Es stellt sich dann raus, dass eben dieses Zeichentalent und diese Vorhersehungen
auch schon von ihr gesteuert worden sind, aber sobald die Puppe halt tatsächlich an Land ist, wird der Einfluss von Perce noch stärker.
Und jetzt kommt der Punkt, wie gesagt, Elizabeth hat mehrere Geschwister. Unter anderem eine große Schwester, die mit einem ja, Untergebenen ihres Vaters davon gelaufen ist, um den zu heiraten.
Und das ist für mich die Parallele gewesen für Ilsa. Ich bin die ganze Zeit über die komplette Dauer des Kurs davon ausgegangen, dass diese große Schwester von ihrem...
Also es wird gesagt, die haben angeblich die Insel wieder verlassen. irgendwann. Aber ich bin auch die ganze Zeit davon ausgegangen, dass die stirbt und dass der Freund sie umbringt.
Und deswegen bin ich auch voll davon ausgegangen, dass ich die selbe Geschichte wieder wiederhole bei Ilsa und ihrem Typen.

Jonas:
Ne, die Annahme hatte ich nicht. Ich habe halt gedacht, die sind einfach weg.

Dela:
Flo?

Flo:
Ja, ich überlege gerade. Also ich hatte diesen Gedankengang nicht. Aber wäre eigentlich logisch, weil das auch das ist, was man in so einer Geschichte erwartet.

Dela:
und Ka ist ein Rad.

Jan:
Genau. Ich hab da auch keine Parallelen gezogen, aber...
Man hat nie wieder was von denen gehört?

Dela:
Naja, wir erfahren ja dann im Laufe des Buches noch die Wahrheit, aber offiziell hat man nie noch was von denen gehört.
Also die zwei kleinen Schwestern verschwinden irgendwann im Golf, die ertrinken.
Das ist die offizielle Version.
Sie ertrinken im Golf. Auch hier kommt dann raus, da hat Perce ihre Hände mit drin. Und der Typ von der Großen Schwester, sie kommen halt zurück auf die Insel wegen des Begräbnis
und er glaubt die Geister der Kinder zu sehen bzw. denkt es sind noch die Kinder.
Will sie retten und ersäuft auch.
Und letzten Endes er kommt dann eben als so Halb-Zombiegeist was auch immer zurück und die große Tochter lässt sich dann von ihm einwickeln und so weiter.Es kommt zu einem großen Kampf.
Pipa, Poa, alles nicht weiter wichtig. Auf jeden Fall, er ist nicht schuld daran, dass sie stirbt. Und davon war ich eigentlich voll ausgegangen.
Aber offiziell ist die Version, die war bei der Beerdigung, dann sind sie wieder abgereist und seitdem hat man nie wieder was von denen gehört. Gut.
Wie bringen wir das jetzt zu Ende?

Flo:
Ja, wir malen ein Bild.

Dela:
Erzählt mal was zu dem großen Finale allgemein, der ganzen Szene auf der Insel, als wir dann uns Perce stellen und so weiter, als wir dann die Wahrheit betrug.

Jonas:
Es war alles ein bisschen Holter Die Polter, aber nicht auf sehr schlechte Weise. Das haben wir schon schlimmer erlebt. Es hat durchaus alles Sinn gemacht,
nur es kam irgendwie doch sehr schnell vor.

Flo:
Ja wir haben ja wieder so ich habe schon mal erwähnt das klassische Katett,
Die drei Männer die sich aufmachen das böse zu besiegen Und hier ja schlenkern wir da so voll in die die Horror Kerbe.
Alle möglichen Kreaturen zombies was weiß ich kommen hier und auch wenn ich es nicht schlecht fand also das ist tatsächlich Für Ein king ende relativ gut.
Fand ich auch ein bisschen zu zu schnell zu gradlinig aber ich muss sagen das hat mich überrascht weil ich hatte damit gerechnet dass er Perce durch ein bild besiegt und nicht dadurch dass sie in eine taschenlampe eingesperrt wird.
ich weiß aber nicht ob ich das jetzt gut oder schlecht finde

Dela:
also mir hat es spaß gemacht dass es mich insofern verboten hat wenn ich aus mir gestürzt habe dass das war gut was mich ein bisschen an den Ende gestört hat. Die ganze Gruseligkeit und ich fand dieses, Buch tatsächlich ähnlich gruselig wie diese eine Szene in Shining als Danny im Spielzeugtunnel feststeckt. Also das ganze Buch hat in mir eine extreme
Klaustrophobie ausgelöst und das hat mir sehr gut gefallen. Aber der ganze Grusel, der sich für mich über dieses ganze Buch aufgebaut hat, der ist hier sehr zerbrochen, weil es eben so ratzfatz dann aufeinander ging. Was mir aber wieder gut gefallen hat, ist dass die Monster, die wir sehen, ja tatsächlich aus der Fantasie von der jungen Elisabeth kommen. Das habe ich gemocht.
Wir haben uns ja immer gefragt beim Turm, wie langanhaltend ist denn dieser Effekt, wenn wir da Dinge ausradieren oder irgendwas? Und hier sehen wir halt, ja das bleibt dann halt einfach so. Wirklich.

Flo:
Ja, wobei hatte ich auch beim Turm eigentlich keine Zweifel, dass das so bleibt.

Dela:
Naja, aber der Turm ist ja eine ständige Wiederholung in sich. Von daher ist da Dauerhaftigkeit ja sowieso ein Problem.

Flo:
Ja, das ist wieder eine andere Geschichte.
Hier haben wir ja auch die Wiederholung, aber eben dann doch nicht die Spiegelung der Ereignisse. Und ich dachte schon, dass diese Bilder hier,
zumindest solange die Bilder existieren, dass die dann auch wirken.

Dela:
Gut, dann würde ich behaupten, sind wir mit der Handlung eigentlich am Ende.
Oder möchtet ihr noch irgendwas sagen? Jan, hast du noch was?

Jan:
Nee, ich hab grad auch überlegt, ich hatte mir auch so vorgestellt, dass es irgendwie mit einem Bild endet. Oder Perce mit einem Bild besiegt wird.
Gut, letztlich endet es mit einem Bild auf andere Weise, aber ja, es geht auf einmal in ganz andere Kanäle. von dieser mysteriösen Bildergeschichte gehen wir jetzt tatsächlich, ja, haben wir einen realen Feind, müssen halt diese Perce aus dem Brunnen holen und entsprechend einsperren.
Das war so eine Richtung, die ich, sagen wir mal, zur Mitte des Buches noch nicht erwartet hatte.

Flo:
Umso handfester, umso realer das Grauen wird oder das Böse wird, umso handfester wird die Lösung. Das hat mich auch überrascht.

Dela:
Wie hat dir das denn gefallen, Jan, dass wir diese recht profane Lösung gewählt haben am Ende?

Jan:
Ja, das hatte ich mir eigentlich für meine Schlusswertung aufgehoben. Kann ich aber jetzt auch schon vorziehen.
Ja, wir hatten so zwei Drittel.
Die ersten zwei Drittel waren für mich so ein wirklich gutes Mystery-Buch, eine Mystery-Geschichte. Also wir... Irgend ein Ereignis. Edgar hat auf einmal besondere Fähigkeiten.
Und ich hab mir halt überlegt, wie könnte es weitergehen, was könnte passieren?
Und ich hab so insgeheim gedacht, er wird irgendwann seine unheimlichen Fähigkeiten wieder loswerden wollen. Malt sich sein Appenarm wieder dran.
So wie er Wireman wiederhergestellt hat, würde er seinen Körper wieder herstellen und sprechen vielleicht seine Fähigkeiten wieder verlieren. Dann ist entweder alles wie vorher, was langweilig wäre, oder es passiert noch irgendwas, unvorhergesehen ist.
Und dann kommt irgendwann der erste Untote um eine Kurve, und wir haben dann auch wieder eine Zombie-Geschichte, die wir schon hundertmal gelesen haben. Das fand ich ein bisschen verschwendetes Potenzial.

Dela:
Okay, Jonas, wie geht es dir damit?

Jonas:
Wie war die Ursprungsfrage?

Dela:
Wie dir dieser Plot-Twist am Ende gefallen hat, dass wir eben für ein übernatürliches Problem, das ja doch relativ handfest wird, eine sehr profane, weltliche Lösung finden.
Und das eben nicht über eine übernatürliche Waffe lösen.

Jonas:
Das fand ich eigentlich ziemlich okay. Weil...
Das Malen ist halt, ja, Perces Ding irgendwie. Und sie auf ihrem eigenen Feld schlagen könnte schwer werden.
Deswegen ist es gar nicht so verkehrt, sie halt, ja, in Süßwasser zu packen, so wie es auch vorher schon funktioniert hat, nur halt diesmal besser.

Jan:
Aber den Feind auf seinem eigenen Feld zu schlagen, ist natürlich besonders nachhaltig und symbolträchtig. Weil jetzt wird Percy in Süßwasser, in so eine Silberkartusche eingelötet und irgendwo versenkt, aber das ist halt, wie gesagt, wird nicht endgültig, sie kann irgendwann...
Wird sie vielleicht doch wieder rauskommen.

Dela:
Naja, das Ding ist halt, die Outsider wirklich vernichten kannst du halt nicht.
Kannst du halt nie. Also wir haben ES nicht komplett vernichtet, so recht ich mich da erinner.
Einigen wir uns darauf, man kann sie im besten Fall verbannen.

Flo:
Ja, genau.

Jan:
Da bin ich im King-Universum zu wenig zu Hause, um das zu beurteilen.

Dela:
Weil zum Beispiel selbst den scharlachen König und... Ich würde ihn ja jetzt mal ganz, ganz weit unter einen Outsider fassen.
Selbst ihn können wir nicht komplett auslöschen, weil seine Augen übrig bleiben. Also das ist für mich ein Ding, ganz besiegen kannst du sie sowieso nicht.
Aber ich hätte mir tatsächlich eine etwas pathos geladene Variante gewünscht, persönlich.

01:24:42 Querverbindungen

Dela:
Gut, dann würde ich kurz über die Querverbindung reden wollen. Ich würde erst anfangen. Flo, du ergänzt dann?

Flo:
Ja, gerne.

Dela:
Da habe ich einmal "Think of me as a gunslinger of the art world. I paint alone, partner."
Ja, das ist natürlich eine relativ direkte Anspielung an den Turm. Dann haben wir Rosen.
"The last was of the shell bed beneath Big Pink, done from a digital photograph. To this I had for some reason felt the urge to add roses."
Und dann der letzte Hauptpunkt zum Turm ist natürlich "She tried to draw Perce out of existence.
How does one do such a thing? Draw and then erase." Und das ist ja genau das, was wir im Turm machen.

Flo:
Ja außerdem haben wir natürlich die zahlen 19 und auch im englischen original behauptet er an einer stelle "life is a wheel" so wird ja
auch das ka immer beschrieben.
Aber wir sind nicht nur beim Turm wir sind auch beim letzten Gefecht weil Edgar heißt ja freemantel mit Nachnamen
Ja, wir hatten in in der Stand natürlich die Mutter Abigail, Abigail Fremantle.
Und ja, sie sind wohl irgendwie auch verwandt. Also hat King zumindest mal auf dem Messageboard seine Homepage geschrieben.

Dela:
Das ist ein bisschen cool. Das wäre mir entgangen, aber du hast recht.

Flo:
Also er hat damals geschrieben hier ist ein Faktor great great grandson Was natürlich zeitlich das ganze bisschen durcheinander bringt aber... Er schreibt auch er hat keine ahnung davon dass er amerikanische Vorfahren hat Aber wenn king das schreibt ist das canon das finde ich lustig.
Ja ansonsten die Puppe Reba, wenn er sich nicht an den Namen erinnert, nennt das sie auch mal kurz Randall,
was natürlich eine Anspielung auf Flagg ist. Ja, Perce wird auch wie verschiedene andere Figuren beschrieben, teilweise auch wie Flagg oder wie der scharlachrote König, also das gibt es,
immer wieder und die Erwähnung,Es werden ja viele Künstler erwähnt, unter anderem auch Norman Rockwell und der taucht tatsächlich in ganz vielen Kingeschichten auch auf als Erwähnung,
auch das Stand Friedhof der Kuscheltiere, Schlaflos, Sarah, Atlantis, verdammt gute Band haben die hier und der Bibliothekspolizist.

Dela:
Ja aber ich glaube das ist tatsächlich ein,
Ding, das einfach an der ikonischen Popkultur ist.

Jan:
Ja Norman Rockwell ist da sehr einfach ein Begriff.
Oder so ein Household-Name.

Dela:
Ansonsten, wie gesagt, dadurch, dass wir beide uns jetzt, Flo und ich, darauf geeinigt haben, dass es ein Outsider ist, haben wir natürlich eine Verbindung zu den anderen Outsider-Geschichten.
Das ist einmal Bibliothekspolizist, das ist Es
Was hatten wir noch alles?

Flo:
Ja, gut, der Scharlachrote König. Ansonsten hatten wir, glaube ich, noch keine, oder?

Jonas:
Regulator und Desperation.

Flo:
Stimmt und das bild ist ja auch zumindest irgendwie wobei es natürlich auch andere Querverweise gibt, durch das konzept.

Dela:
Jetzt ist noch die frage die Äh, wie heißt die Flugzeuggeschichte?

Flo:
Langoliers.

Dela:
Sind Langoliers eigentlich Outsider? Nein. Nein, okay.

Flo:
Nein, würde ich nicht sagen.

Dela:
Gut, ja, weil bestimmt sie sind nicht zyklisch, sie machen nichts mit Wetter.
Sie sind außerdimensionale Wesen. Ja, gut.
Gut, andere Querverbindungen habe ich nicht.
Hast du noch was, Jonas?

Jan:
Ich hätte noch welche.

Dela:
Jonas, du hast nichts?

Jonas:
Nee, nichts Besonderes mehr.

Dela:
Okay, Jan?

Jan:
Zum einen, wie schon gesagt, es werden sehr viele Songtexte erwähnt, unter anderem wird auch ein Song Dick der Band Shark puppy erwähnt.
Im Anhang in den Credits werden als Songwriter einen Richie Tosier und einen Bill Danborough angegeben.
Die Mitglieder im Club der Verlierer aus ES sind, zumindest, also ich habe es nicht gelesen, aber so heißt es. Erschienen ist das ganze bei Bad 19 Music 1986.

Flo:
Das ist eine sehr schöne Verbindung. Eine ähnliche gab es übrigens schon das Mädchen, habe ich damals aber auch nicht gemerkt.

Jan:
Das ist mir auch nicht aufgefallen. Und zweitens noch gewisse Anspielungen auf Shawshank Redemption. Wireman möchte ein Hotel in Mexiko eröffnen, sucht einen fähigen Partner.
Und es wird erwähnt, dass Percy sich aus dieser Silberkartusche graben könnte, wie mit einem Löffel aus einer Gefängniszelle. Und ja, da ich Shawshank Redemption auch hier besprechen durfte, kam mir das bekannt vor.

01:30:13 Symbolik

Dela:
Dann würde ich kurz in die Symbolik eintauchen. Das ist nicht viel diesmal.
Ich glaube, da ist wahnsinnig viel Symbolik drin, aber ich habe tatsächlich hier an diesem Buch auch an anderen Ebenen mehr Spaß gehabt, deswegen hier ein bisschen oberflächlich.
Die Muscheln unter dem Haus und dieses Gegeneinander aufreiben und ineinander aufreiben, beziehungsweise der Kampf von Meer gegen das Haus,
ist für mich so eine Spiegelung von dem Kampf all diese Faktoren im Leben, die sich gegen uns verschworen haben.
Aber vor allem eben auch dieser ständige Kampf mit sich selber, dieses sich aufreiben an sich selber, um sich eben nicht von den außen Faktoren zermahlen zu lassen.
Dann haben wir noch den ganzen Punkt mit der Hundegeschichte, das haben wir gerade schon erwähnt.
Wie gesagt, ist für mich ein großer Faktor in der ganzen Diskussion um Sterbehilfe und so weiter.
Und als letztes hätte ich jetzt natürlich noch den Namen Perce denn Persephone und so weiter und so fort ist natürlich sehr eng verknüpft mit Totengöttern, ist sehr eng verknüpft mit Dingen, die am Rand zwischen Leben und Tod stehen, genauso wie es ja unser Hauptcharakter tut, durch seine Suizidalität.
Und durch diese Begleitcharaktere, also Persephone zum Beispiel, haben wir auch wieder eine leichte Querverbindung zu den Sperlingen aus Stark, weil die halt auch diese Seelenbegleiter sind.
Genau. Habt ihr noch zu Symbolik was zu sagen?

Jan:
Ich hätte Fragen.
Ich hab mir auch etliche Dinge notiert, auch Anspielungen, Symboliken. Ich hab angefangen mit Wireman, der seine Lotterie, also Lotteria ist ja auch so ein Punkt in seinem Leben.
Hier seine Suizid-Lotterie mit den Äpfeln und den Orangen. Hier den Apfel für den Tod, Orange für das Leben.
Bei Orangen muss ich an den Paten denken, zumindest den ersten Teil, wo Orangen an sich immer was Schlimmes bedeuten.
Auf den Paten wird auch angespielt, Elisabeth wird dann irgendwie mal beschrieben, dass sie sah aus wie die Braut des Paten oder so.
Und sehr gut symbolisch der Äpfel aus der Bibel ist glaube ich bekannt.
Wiremans vorname ist Jerome das ist die französische form von Hieronymus und der hat den Apfel als verbotene frucht in seiner bibel übersetzung quasi eingeführt,

Flo:
dazu würde ich noch einen weiteren punkt anbringen die mir auch aufgefallen ist jetzt sagt ja die orange da bringt er sich nicht um die orange ist ja auch das sinnbild von florida.
genau so will ich sagen, Florida ist also das Leben, das er dann gewählt hat.
Das wäre mir mit dem Obst noch aufgefallen. Aber ansonsten, ja.

Jan:
Ja, wir haben über Persephone gesprochen.
Was ist denn mit Duma? Mit Duma, also Namensgeber dieser Insel.
So, musste ich auch recherchieren. Duma ist ein Engel der Unterwelt, insbesondere in der jüdischen und islamischen Tradition.
Der Engel der Stille, des Schweigens, also des Schweigens der Toten.
Duma kriegt die Seelen der Verstorbenen und er ordnet sie dann anschließend dem jeweiligen Bereich im Jenseits zu.
Später dann, insbesondere in der jüdischen Tradition, mehr so in der Rolle eines strafenden Höllenfürsten, aber auch eine beliebte Figur in jüdischer Folklore.
Dann teilweise schon als tausendäugiger Todesengel mit flammendem Schwert und so.
In der babylonischen Mythologie gibt es auch eine Figur namens Duma und als Engel der Stille auch in einer Popkultur.
Also jetzt im Sandman zum Beispiel übernimmt Duma dann später die Hölle.
Und vielleicht noch ein witziges Teil, ich weiß nicht ob es beabsichtigt ist, wir hatten schon eine starke Referenz auf Bob Dylan mit dem Big Pink.
Bob Dylan wohnt seit 1979 in einem Ort namens Dume Point, der allerdings nicht in Florida, sondern in Kalifornien liegt.
Wo wir noch ein paar Namen haben, der Galerist in Sarasota heißt Dario Nanuzzi.
Es gab einen Armando Nanuzzi, 2001 verstorben, der war Kameramann, hat unter anderem Filme wie Käfig voller Narren oder mindestens einen Don Camillo-Teil fotografiert.
Aber auch für Stephen King gearbeitet in Rhea-M und dem Werwolf von Taker Mills.
Und der Name Nanuzie ist wahrscheinlich so ein Shout-out für jemanden, der ein Gespür für gute Bilder hat.
Und noch eine Sache, den muss ich jetzt aber mal nachfragen.
Gegen Ende der Geschichte sind wir ja in einem verlassenen Haus am anderen Ende der Insel. Das heißt Herald's Roost. Also da tauchen auch einige Reiher auf.
Hat der Reiher irgendwie eine Symbolik? Gerade hattest du die Sperlinge?
Aber ich habe nichts gefunden, wo so ein Reiher irgendwie Symbolik trägt. Ist da was bekannt?

Flo:
Nicht direkt.

Dela:
Nee, spontan würde mir jetzt auch nichts einfallen. Gut. Bist du durch?

Jan:
Ansonsten haben wir noch viele 19, aber die kommen vielleicht noch in einem eigenen Teil.

Dela:
Na, wie gesagt, die 19 sind halt die Querverbindungen.

Jan:
Ja, okay, also die haben wir sehr zahlreich von Edgas E-Mail-Adresse E319.
Die beiden Zwillinge Eastlake sind am 19. April verschwunden. So ziemlich jede Quersumme der Durchwahlen auf der Telefonnummern auf Duma haben die Quersumme 19.
Elisabeth verstirbt um 11.19 Uhr abends. Und das fand ich auch interessant. Uhrzeiten mit drei aufeinanderfolgenden Ziffern werden in Amerika als Angel Hours bezeichnet, die gelten wohl als besonders schicksalhaft.
Ilse ist 19 Jahre alt. Und bis 2008 gab es 19 tropische Stürme, die Alice genannt wurden.
Okay, ein letztes noch. Die Galerie heißt Skoto und Skoto ist die griechische Vorsorge für Dunkelheit. Skotophil sind Organismen, die beispielsweise im Dunklen gedeihen oder im Dunklen leben.

Flo:
Ich wollte noch eine andere Zahl nennen auch, denn Wahn ist tatsächlich das 30. Buch von King, das auf Platz eins der New York Times Bestsellerliste stand. Und das ist, glaube
ich, auch eine Leistung, die man mal würdigen sollte. Das haben, glaube ich, nicht viele andere Autoren geschafft.

Dela:
Ja, das ist richtig.

Jonas:
Wo du von den E-Mail-Adressen erwähnt hast. Habt ihr euch auch so über die Adressen amüsiert?

Dela:
Ne, vor allem aufgeregt, weil zumindest beim Lesen ging es, da konnte ich es ignorieren, aber im Hörbuchteil hat er die halt auch jedes Mal mit stundenlang vorgelesen, und das habe ich als extrem Verschwendung meiner Zeit verstanden.

Jonas:
Ja, schon, aber die hießen halt auch damals so seltsam. Das hat ein bisschen nostalgische Gefühle geweckt.

01:37:56 Verwertungen

Dela:
Gut, gut, gut, gut.

Flo:
Dann vielleicht noch kurz zum Hörbuch.

Dela:
Wollen wir das gleich in den Verwertungen machen?

Flo:
Ja, okay.

Dela:
Weil ich würde jetzt sowieso in die Verwertungen einbiegen.
Und was haben wir denn dafür?

Flo:
Ja, das deutsche Hörbuch, gelesen von David Nathan. Und wir sind uns ja einig, dass er ein echt guter Vorleser ist.
Aber mir sind hier ein paar Punkte aufgefallen, die mich echt rausgebracht haben.
Also er spricht einige Worte, die ganz offensichtlich deutsch sind, englisch aus. Er spricht dafür aber englische Worte deutsch aus.
Und es kommt mehrfach vor, dass er so Sachen sagt wie Ja, der Computer hat sogar Wifi.
Und das fand ich sehr anstrengend.
Ja, das englische Hörbuch gibt es auch. King wollte es ursprünglich selbst einlesen. hat das Terminlich nicht geschafft und daraufhin hat der Schauspieler John Slattery diese Aufgabe übernommen.

Dela:
Und ich muss sagen, ich habe ja das Englische gehört und das ist sehr gut.
Also das kann man auf jeden Fall sehr gut machen.

Flo:
Genau, es hat auch tatsächlich 2009 einen Preis gewonnen.

Dela:
Und ich habe hier auch nicht so sehr diesen Effekt gehabt, dass das Hörbuch meine Wahrnehmung des Buchs so extrem ändert, wie es im letzten Buch war. Also hier war tatsächlich der Schwung zwischen Lesen und Hören nicht so krass für mich.
Aber was für euch vielleicht interessant ist, der Grusel kommt bei mir wirklich nur, wenn ich es lese und nicht wenn ich es höre. Wenn ich es erzählen kriege, ist es für mich nicht gruselig.Gut. Ergänzungen?

01:39:23 Zitate

Flo:
Zitate haben wir noch nicht.

Dela:
Genau, dann bitte ich euch um eure Zitate. Ich würde sagen, Jonas, du hattest mir angeblich gesagt, du hättest eins.

Jonas:
Das ist richtig.
Mir war auch etwas anderes klar. Wenn einem jemand einen Plankoscheck anbietet, darf man ihn um Himmels Willen niemals einlösen.
Das war nichts, was ich mir überlegt hatte. Manchmal umgeht Verständnis das Gehirn und kommt direkt aus dem Herzen.

Dela:
Okay, sehr schön. Jan, du?

Jan:
Ich hab sehr viele, ich konnte mich nicht entscheiden. Der mit dem Blankoscheck war auch dabei.
Ich fang mal vorne an.
Schwarz ist die Abwesenheit von Licht. Aber weiß ist die Abwesenheit von Erinnerung. Die Farbe von weiß ich nicht mehr.
Zuerst hattest du Angst, dass du stirbst. Und dann hattest du Angst, dass du es nicht tust. Das Leben ist wie Freitag in einer Seifenoper
Es gibt dir die Illusion, dass sich für alles eine Lösung findet. und am Montag fängt die selbe alte Scheiße wieder an.
Ich habe mehr zu tun als ein Einbeiniger bei einem Arschtrittbewerb.
So, ich bin ja ein Freund von schlechten Wortspielen und der geht leider nur auf Englisch. I tried to deny it, but you know what they say. Denial drought the pharaoh and Moses let the children of Israel free. I think that was the Red Sea.
Gott bestraft uns für das, was wir uns nicht vorstellen können. noch eine Lebensweisheit, vertraue niemals einer Person, die in der Öffentlichkeit betet.
Und unter mir wurde das Murmeln der Muschel zum Tratsch von toten Dingen, die sich mit knöchernen Stimmen Geheimnisse erzählen. Bewahre deine Konzentration, dann bewahrt sie irgendwann
dich, manchmal ohne Bewährung. Die Leute sagen, die Nacht sinkt herab, aber hier im Süden steigt sie auf. Und zum Schluss, manchmal, wenn dein Leben lang ist und deine Denkmaschine intakt bleibt,
erlebst du es, dass du dich an die letzte gute Sache die dir je passiert ist.

Dela:
Okay, und Flo?

Flo:
Ja, ich ziehe das Niveau runter. Ich habe nur eins. "Ich glaube bei dem letzten vor zwei Klumpen drin."

Dela:
Ich habe, "not having a good lawyer present, I was reduced to the truth"
Also "da ich leider keinen Anwalt um mich hatte, war ich leider auf die Wahrheit zurückgeworfen."
Außerdem, "if there is a God, I think he needs to try a little harder. " "Wenn es wirklich einen Gott gibt, finde ich er sollte sich gefälligst ein bisschen mehr anstrengen."
Außerdem, und das ist quasi die Referenz auf Basteln gegen den Wahnsinn, "You need hedges against the night."
Und ein letztes Schönes, wo wir glaube ich auch alle nachvollziehen können, wovon wir reden, "There were bad things waiting on the other side of my eyelids."
"Da warteten schlimme Dinge auf der anderen Seite meiner Augenlider."

01:42:16 Bewertung

Dela:
Gut, ich würde behaupten wir sind durch, oder?
Dann kommen wir jetzt zur Bewertung. Und ich würde sagen, Jonas, fang du an.

Jonas:
Ich hatte richtig Spaß mit dem Buch, hat sich flüssig hören lassen und ja, tolle Charaktere, nette Geschichte.
Ich konnte, ja, musste mich zwingen, dann aufzuhören, um rechtzeitig ins Bett zu kommen. Ich gebe 17 Punkte.

Dela:
Da schließe ich mich gleich an, ich bin nämlich auf genau demselben Wert gelandet. Ich fand das ernsthaft gruselig.
Und ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal ein King-Buch in der Hand hatte, das mich wirklich gegruselt hat.
Und das hat mir wirklich gut gefallen. Und ich liebe ihn dafür, dass er endlich mal einen vernünftigen Charakter mit einer Behinderung geschrieben hat, der eben nicht nur dadurch definiert ist.
Und der auch das Recht hat, wütend zu sein und auch ab und zu ein Arschloch zu sein.
Und sich der Tatsache, dass er ihn ausschlägt, ab und zu voll bewusst ist.
Also ich hab sehr viel Liebe für dieses Buch, bin jetzt wieder sehr versöhnt und bleibe auch bei 17 Punkten.
Jan?

Jan:
Ja, dann zieh ich es ein bisschen runter. Ich hatte Spaß beim Lesen, das ist, glaube ich, klar geworden, auch an der Art zu erzählen, an den Charakteren.
Zwei Drittel lang wirklich ein sehr gutes Mystery-Buch.
Dann kommt so ein Turn und zieht das für mich so ein bisschen runter. Deswegen würde ich sagen zwei Drittel von 19 sind aufgerundet 13 und für die ganzen Zitate und Anspielungen und Referenzen immer insgesamt 14 Punkte, die kann ich, glaube,
ich, für diese Runde hier vertreten.

Dela:
Okay, Flo du hast das letzte Wort.

Flo:
Ich mag das Buch. Also es ist nicht nur der beste King seit längerer Zeit.
Es ist tatsächlich einer ich würde sagen der top 10 ja und natürlich hat es probleme auch hier wieder am ende wobei das ende nicht so schlimm ist wie
es bei king hätte sein können also es ist tatsächlich für seine verhältnisse noch recht gut macht wirklich spaß die charaktere haben so viel tiefgang wie schon seit langem nicht mehr und ja ich würde mich dir und jonas anschließen ich gebe auch 17 punkte.

Dela:
Ich glaube, das ist das erste Mal, dass wir uns so einig sind, oder?

Jonas:
Nein. Ich erinnere mich an Rebecca Paulsen.

Flo:
Nein, ich sehe es gerade nur, weil ich es hier noch in der Liste vor mir habe. Bei Wolfsmond haben alle vier 17 Punkte gegeben.

Dela:
Okay. Gut, dann...

Jan:
Ich habe den Eindruck, bei den schlechteren Benotungen seid ihr euch einiger.

Dela:
Na dann haben wir meistens immer wenigstens einen, der es besser findet als wir anderen.

Flo:
Ja, entweder bin ich das oder ich bin derjenige, der es ganz schlecht findet.

Dela:
Ja, meistens ist der Jonas derjenige, der noch ein bisschen gnade zeigt im Vergleich zu uns.

Jonas:
Ich bin einfach gestrickt.

Dela:
Ja, vor allem vergisst du das viel schneller wieder als wir, das ist ja das. Du nimmst das dem Buch nicht übel im Gegensatz zu uns.

01:45:29 Verabschiedung, Hausmeisterei und Outro

Dela:
Ja. Gut, in diesem Sinne. Es war wunderschön mit euch, ich bedanke mich ganz sehr bei dir, lieber Jan.

Jan:
Ja, gerne. War schön, mal wieder hier zu sein.

Dela:
Ich bedanke mich außerdem beim Wundervollen Jonas, es war mir wie immer eine Ehre.

Jonas:
Hat Spaß gemacht.

Dela:
Außerdem beim großartigen Flo, danke, dass du mich gezwungen hast, dieses Buch zu lesen.

Flo:
Gerne, ich zwinge dich auch gerne zu weiteren Büchern, liebe Dela.

Dela:
Was ist denn das nächste Buch, zu dem du mich zwingst?

Flo:
Ja, uns stehen wieder mal ein paar Kurzgeschichten bevor. Wir haben dieses Mal das Buch Sunset vor uns mit ich glaube 13 Geschichten.
Wir werden das wieder auf vier Folgen aufteilen und ich denke da werdet ihr dieses Jahr vielleicht noch was hören oder ansonsten geht das nächste Jahr damit los.
Außerdem werden wir auch zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel wieder eine kleine Überraschung für euch haben. Genau.

Dela:
In diesem Sinne, ich bedanke mich ganz sehr fürs Zuhören, wünsche euch eine schöne Zeit, hoffe ihr lasst es euch gut gehen und wir hören uns dann zur nächsten Folge wieder. In diesem Sinne!

Flo:
Tschüss!

Jonas:
Tschüss

Jan:
ciao!

(Outro)