Kbdg 091 - Qual

König, Bube, Dame, Gast - der Stephen King ReRead Podcast

2022, @Florian666, @Llbyz, @Delanji

http://www.kbdg-cast.de/feed/podcast

Wir lesen King. Chronologisch und umfassend, mit Spoilern aber ohne Ahnung.

00:00:00 Intro und Begrüßung

Dela:
Hallo und herzlich willkommen zur 91. Folge des König, Bube, Dame, Gast Podcast.
Ich bin die Dela und möchte heute mit euch und meinen Gästen über einen Bachmann-Roman sprechen, nämlich Qual. Und dazu begrüße ich nicht nur wie immer den wundervollen Flo. Hallo Flo.

Flo:
Guten Abend.

Dela:
Außerdem den großartigen Jonas. Hallo Jonas.

Jonas:
Hallo Dela.

Dela:
Sondern auch zwei ganz fantastische Gäste und Gästinnen, nämlich einmal die Chloe, die ihr das letzte Mal bei ES gehört habt. Hallo Chloe.

Chloe:
Hallo Dela.

Dela:
Diesmal keine Angst, du musst du nicht wieder fünf Stunden mit uns aushalten sondern etwas weniger.
Und ich begrüße den Tobi. Tobi war bei uns schon mehrfach, unter anderem als letztes für die letzte Folge des Turmzyklus. Hallo Tobi!

Tobi:
Ein wunderschönen Tag in die Runde.

Dela:
Ja, möchtet ihr euch kurz nochmal vorstellen, weil es ist ja schon ein Weilchen her. Chloe, hast du irgendwelche Dinge, die du bewerben willst, Dinge, die du machst, irgendwas, worüber du sprechen möchtest.

Chloe:
Tatsächlich nicht. Aber ich kann mich gerne mal kurz vorstellen. Also ich bin die Chloé. Ich bin die Cousine von Jonas und wohne jetzt seit vier Wochen circa im wunderschönen Köln und studiere hier.

Dela:
Genau. Und wir wünschen dir alles Gute dafür.

Chloe:
Vielen vielen Dank.

Dela:
Tobi, du kannst ja einige Formate aufzählen.

Tobi:
Ja, also ich mache schon seit längerem oder am längsten den To Read or Not to Read Podcast, wo ich Bücher vorstelle, passt ja hierzu.
Mit dem Ole zusammen mache ich so den Blathering, den ultimativen Laberpodcast. Die anderen Projekte ruhen im Moment ein bisschen.
Was vielleicht noch ganz interessant ist, ich mache im Moment öfter so Streaming-Geschichten auf Twitch.
Also da geht es um alle möglichen eher eher nerdischen Themen.

Dela:
Vor allem viel Lego und solche Dinge. Das ist immer sehr unterhaltsam. Guckt da zu, wenn ihr könnt. Das macht Spaß.
Und der Blathering ist eine hervorragende Einschlafhilfe. Das ist in der Podcastbubble bereits etabliert.

Jonas:
Das kann ich als Autofahrer nicht bestätigen.

Flo:
Dachte ich auch gerade.

Dela:
Gut, wollen wir anfangen? Wie gesagt, wir haben einen Bachmann vor uns liegen und niemand hätte gedacht, dass wir noch mal einen Bachmann kriegen.
Flo, kannst du uns eine zeitliche Einordnung geben?

00:02:44 Zeitliche Einordnung

Flo:
Ja, ich meine wir wissen ja alle, dass Richard Bachmann tot ist und wir als King-Leser wissen auch, Tote kommen manchmal wieder. So zehn Jahre nach seinem Tod ist Regulator aufgetaucht Und jetzt plötzlich...
Im Jahr 2007 ist ein weiterer Bachmann aufgetaucht.
Die Geschichte dieses Buches, im Original "Blaze" geht weit zurück, denn King hat, nachdem er Carrie veröffentlicht hat, seinem Agenten zwei Bücher gegeben, zwei Manuskripte.
Das eine war Blaze und das andere war Salem's Lot.
Und naja, der Rest ist Geschichte. Blaze ist dann in einer Pappbox gelandet und diese Pappbox ist in der Universität von Maine gelandet, mit anderem Material, das King archiviert hat.
Und es gab auch einige Leute, die ja die da Zugang zu hatten. Zum Beispiel Steven Spinesi, der hat als Buch geschrieben The Lost Works of Stephen King.
Und der hat in diesem Buch auch Blaze sehr detailgetreu beschrieben und hat geschrieben, das fühlt sich an wie ein Bachmann Buch. Ja, King war jetzt nicht so begeistert vor diesem Buch,
er fand es sehr melodramatisch, aber dann irgendwann in den frühen 2000ern hat er sich es nochmal angeguckt und es war gar nicht so schlecht, wie er es in Erinnerung hatte.
Er hat es dann so ein bisschen überarbeitet, wie er das ja auch vorher schon mit zum Beispiel Schwarz gemacht hat, er hat gesagt er hat so ein bisschen die Sprache angepasst dass er nicht mehr so ganz over the top ist und dann war er eigentlich auch ganz zufrieden und hat gedacht ja das wäre doch ein Buch dass ich als Bachmannbuch veröffentlichen könnte. Und das hat er dann auch getan.
Ja ist es ein Bachmann Buch? Lohnt es sich? Hätte es besser in der Kiste bleiben sollen? Das werden wir heute diskutieren.
Und Jonas erzählt uns jetzt mal, worum es in Blaze oder im deutschen "Qual" geht.

00:05:02 Inhaltszusammenfassung

Jonas:
Ja, in der Geschichte gibt es wieder zwei Erzählebenen und es geht um den kleinkriminellen Blaze. Die Hauptebene erzählt von dem Erwachsenen Blaze in den 80ern und in
in den Rückblenden wird von seiner Kindheitsgeschichte erzählt bis kurz vor dem Zeitpunkt, an dem die Geschichte dann beginnt.
Ich versuche das jetzt mal so einigermaßen in eine chronologische Reihenfolge zu bekommen. Blaze erleidet als Kind einen Hirnschaden, nachdem sein alleinerziehender Vater ihn mehrmals hintereinander die Treppe hinunter geworfen hat und ist seitdem geistig behindert.
Er landet dann schließlich in einem Waisenhaus und dort erhält er immer wieder Prügel von Mitschülern, aber auch vor allem von dem Direktor Martin Koslav.
Vor allem auch weil er Probleme beim Bruchrechnen hat und dieser Mensch meint, Mathe ist furchtbar wichtig.
Nach einigen weiteren Zwischenspielen dort und einer Fast-Adoption, die in letzter Minute quasi daneben geht, verprügelt der inzwischen über zwei Meter große und kräftige Blaze den Direktor, weil er ihm die Schuld an dem Tod seines besten Freundes gibt.
Er wird dann zu zwei Jahren Haft verurteilt. Und nach der Haft hält er sich mit Aushilfsjobs über Wasser und macht bei kleineren Gaunereien mit, mit Leuten, die er im Gefängnis kennengelernt hat und so.
Schließlich lernt er George kennen, mit dem er etwas durchdachtere Coups und Trickbetrügereien durchführt.
George ist für Blaze ein Freund, wie er ihn seit dem Waisenhaus nicht mehr hatte.
Für George ist Blaze wie ein Werkzeug, das man immer gut behandelt und pflegt, aber ich glaube, so ein richtig Freund auch nicht.
Nachdem George einmal wieder aus dem Gefängnis kommt, hat er den Traum von dem einen großen Ding, das er drehen will und sich dann zur Ruhe setzen möchte.
Dieses Ding soll die Entführung von Baby John Gerard IV. sein. Allerdings stirbt George vorher, weil er beim Kartenspielen erstochen wird.
Blaze vergisst immer mal wieder, dass George tot ist und bildet sich ab und zu ein, er wäre noch da und hört ihn auch, sieht ihn aber nicht.
Aber er beschließt dann trotzdem, die Entführung alleine durchzuziehen. Dabei geht eine ganze Menge schief, aber er bekommt zumindest das Kind in seine Gewalt.
Allerdings entwickelt er eine so große Zuneigung zu dem Kind, dass er es dann schließlich behalten möchte.
Es dauert auch nicht allzu lange, dann kommen Polizei und FBI ihm auf die Stiche. Blaze muss fliehen.
Er versteckt sich erst in dem alten, inzwischen leerstehenden Waisenhaus und anschließend in einer Höhle ganz in der Nähe.
Aber auch dort wird er aufgespürt. Er versucht dann weiter zu fliehen und wird auf der Flucht erschossen. Und Baby Joe kommt wieder zu seinen Eltern.
Und im Großen und Ganzen war's das.

Dela:
Okay, vielen Dank für die Zusammenfassung.

Jonas:
Sehr gerne.

00:08:42 Detailbesprechung

Dela:
Ich hätte folgenden Vorschlag. Die Diskussion, ob das jetzt ein Bachmann ist oder nicht, würde ich persönlich ganz gerne ans Ende schieben. Stimmt ihr mir dazu?

Flo:
Ja, gerne.

Jonas:
Okay.

Dela:
Ja, wie war denn euer erster Eindruck zu diesem Buch? Ich fang mal mit Chloe an.

Chloe:
Also ich fand, es las sich ziemlich flüssig. Also ich hab's in relativ kurzer Zeit gelesen. Und ich fand das Character-Building eigentlich ziemlich cool. Also ich fand diese Sprünge zwischen, Blaze als Junge quasi und Blaze als Erwachsener eigentlich ganz cool und mir ist Blaze sogar irgendwie, also innerhalb der Geschichte ziemlich sympathisch geworden muss ich sagen. Also es war einer der, was Kings-Bücher angeht, der sympathischsten Charaktere fand ich sogar.

Dela:
Okay, Tobias, wie ging es dir?

Tobi:
Mir ging es eigentlich genauso. Ich habe das Buch wirklich auch sehr zügig gelesen und fand es unheimlich spannend.
Und dieser Wechsel, das macht King ja gerne, dass er so mehrere Erzählstränge aufmacht und dann immer hin und her wechselt. Das hat mich auch sehr gut bei Laune gehalten.

Dela:
Flo, wie stehst du zu der ganzen Sache?

Flo:
Ja ich habe es jetzt auch zum zweiten mal gelesen und ich habe mich an das erste mal noch erinnert. Da habe ich es auch sehr schnell durchgelesen, habe aber auch wieder sehr viel vergessen muss ich sagen. Es ließt sich wirklich gut es ist ein schöner Happen. Es ist fast food Literatur - also schreiben kann der Mann ja, das muss man ihm lassen aber ich glaube ich werde auch wieder viel vergessen sehr schnell,
Also es ist definitiv nicht schlecht, aber es bleibt einem oder mir zumindest nicht im Kopf.

Dela:
Da bin ich bei dir auf jeden Fall. Ich habe das Problem gehabt, ich bin unter falschen Vorzeichen an dieses Buch rangegangen. Jetzt muss ich das schon ein kleines bisschen vorwegnehmen.
Ich wusste, es soll ein Bachmann sein und ich habe es unter Maßstäben eines Bachmanns Buchs gelesen und das hätte ich vielleicht nicht tun sollen. Hätte ich das nicht gewusst, hätte ich vielleicht einen unvoreingenommeneren Blick auf die ganze Sache gehabt.
Warum, wie gesagt, will ich dann später ausführen, aber ich glaube, das war tatsächlich bei mir ein bisschen der Fehler. Was ich euch noch fragen wollte, welche Version habt ihr gelesen, bzw. habt ihr es gelesen oder gehört?

Jonas:
Ich habe es gehört und da gibt es, glaube ich, nur eine Version auf Deutsch.

Dela:
Okay, weil ich habe die Hörbuchversion, aber ich hatte die Englische und weil ich bei dir immer mal so ein bisschen mitgehört hab, hab ich tatsächlich für mich so festgestellt, dass der Leser ganz entscheidend die Stimmung des Buches für mich beeinflusst hat. Wie sieht es mit euch anderen aus?

Tobi:
Also ich habe es auf Deutsch gelesen und habe mehrfach die Krise gekriegt ob der Übersetzung. Also da sind so einige Sachen, wo ich echt mit dem Kopf geschüttelt habe.

Dela:
Und Chloe, du?

Chloe:
Dem würde ich auch zustimmen. Ich habe es auch auf Deutsch gelesen und ich habe es ein bisschen bereut, es nicht auf Englisch gelesen zu haben, weil ich direkt gemerkt habe, okay, so manche Übersetzungen, die sind irgendwie,
die passen entweder gar nicht oder klangen für mich total komisch.

Dela:
Mhm. Und Flo?

Flo:
Ja, ich hab's auch auf Deutsch gelesen und ja, wir sind leider momentan in einer Phase, in der die Übersetzungen Probleme hatten. Wir hatten das ja bei Love auch schon,
dass da so einige Sachen etwas merkwürdig übersetzt waren.
Das fällt auch in diesem Buch wieder sehr auf.

Dela:
Jonas, dich hatte ich jetzt noch nicht nach deinem ersten Eindruck gefragt. Wie ging es dir denn damit?

Jonas:
Mir war Blaze auch ziemlich schnell sehr sympathisch. Ich fand den nett und der macht halt viele Dinge aus Gewohnheit und wie er es halt gelernt hat oder aufgeschnappt hat. Und ja, doch er war halt so ein unbedarfter Kerl und das fand ich schön.
Und ja, ansonsten die Geschichte war gut beschrieben und so, auch nicht vollkommen abstrus oder sowas.
Hab mir gefallen, auch diese ganzen Rückblicke, die ein bisschen Hintergrund dann gebildet haben zu seiner Geschichte und allem.
Das war schön. Hat alles in allem ein guter Ersteindruck.

Dela:
Bei mir war halt das Problem, ich hab für die Charaktere echt wenig Gefühl gekriegt.
Ja, ich hab für Blaze schon ein bisschen Mitgefühl empfunden.
Gut gefallen hat mir tatsächlich die Beziehung, die er dann zu dem Kind aufbaut. Das fand ich echt schön. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass das Buch möchte, dass ich das Thema George viel ernster nehme, als ich es getan habe.
George lief bei mir irgendwie so als Störfaktor unterm Radar nebenher. Wie ging es euch damit?

Tobi:
Meinst du jetzt den realen George oder den eingebildeten oder beide?

Dela:
Ich glaube beide.
Den real George kennen wir ja wirklich nur in einem Kapitel im Prinzip kennen.

Tobi:
Ja gut, also sympathisch sollte der einem nicht unbedingt werden.

Dela:
Nee, aber er war mir einfach unwichtig. Er war für mich Beiwerk. Und ich hatte immer das Gefühl, das Buch möchte gerne diese Verbindung zwischen George und Blaze,
dass ich die für viel wichtiger erachte als sie für mich war.

Chloe:
Tatsächlich ging es mir schon ähnlich. Ich fand, dass George, da er eben ja so ein witziger Charakter auch sein soll, immer diese Sprüche bringt, konnte ich ihn auch nicht so ganz ernst nehmen, bzw. in der Beziehung zu Blaze nicht so ganz ernst nehmen wie z. B. John.
Die Freundschaft zwischen John und Blaze, fand ich viel greifender.
Als jetzt die Freundschaft zwischen George und Blaze. Vielleicht auch weil man es eben kaum wirklich mitbekommen hat, sondern ja eigentlich fast nur Stellen hatte, wo George ja schon gestorben war.

Flo:
Ich glaube, das hier widerspricht er dem Prinzip Show, Don't Tell- Wir kriegen immer nur erzählt wie eng die Beziehung zwischen den beiden war. Wir kriegen es aber nicht wirklich mit. Und deswegen hat George mich jetzt auch nicht so wirklich funktioniert und ja der eingebildete George. Der war für mich eher so gimmick.
Das ist so die die Stimme im Kopf.
Oder man kann nicht vom Gewissen reden weil wenn das das Gewissen ist, dann ist schlechtes gewissen Aber ja so so was in der Art.

Dela:
Das ist halt für mich die Frage. Kennt ihr das Prinzip? Also ich behaupte ja immer ich habe ein ausgelagertes Gewissen.
Ich habe quasi tatsächlich eine Person, zu der ich hinlaufen kann und sage Problemstellung A und B. Sage mir, was ich tun soll.
Das heißt nicht, dass ich das tue, aber das Gewissen ist ausgelagert.
Und ich habe das relativ selten, dass ich Stimmen in meinem Kopf habe, die mir kluge Ratschläge geben.
Aber das konnte ich schon nachvollziehen. Dieses Ding, das George für ihn eine Sicherheitsleine ist.

Flo:
Das kenne ich auch und das verstehe ich auch gut, aber ich glaube es hätte besser funktioniert für mich wenn man mehr von George und Blaze, also wenn beide noch
lebendig sind, erlebt hätte.

Dela:
oder wir einfach mehr Vergangenheit von beiden gekriegt hätten genau

Jonas:
Also für mich war es relativ schnell klar dass,
George halt die eine Bezugsperson war, die er in den letzten Jahren hatte. Und dass er halt versucht, das irgendwie selbst auszugleichen. Weil George ist nicht mehr da, also denkt er quasi immer drüber nach, was hätte George getan.
Weil, ja, weil George hat ihn halt auch an so simple Sachen erinnert, wie hier, wechsel doch endlich mal deine Unterhosen. oder sowas. Ja, dass halt George nicht als Person ihm so sehr fehlt, vielleicht auch,
aber vor allem als Funktion.

Dela:
Aber in dem Aspekt hätte ich es persönlich sogar schöner gefunden, wenn es George als Person, als lebende Person nie gegeben hätte. Wenn er quasi die funktionale
Seite von Blaze wäre, so wie so ein Fantasiefreund, sag ich mal, der seine funktionalen Funktionsgeschichten aufrechterhält. Das hätte ich persönlich irgendwie witziger gefunden.

Jonas:
Ja, aber woher hätte er dann diese Funktion haben sollen, dass irgendwo ein, ich sag mal, es klingt ja so, ein klar denkender, nicht behinderter Teil in ihm drin versteckt ist, dass...
Weiß nicht, dass...

Dela:
Nö, das hätte ja quasi eine Alternativversion von seinem Jugendfreund sein können oder sowas.

Jonas:
Grundsätzlich ja, aber...
Dafür war das zu ausgeklügelt. Dafür hat er mit George zu viel, ich sag mal, Erwachsenkram mitgemacht.

Dela:
Ja, okay, das stimmt ja.

Jonas:
Ich glaube, er brauchte halt, nachdem John weg war, einen weiteren, erwachsenen Begleiter, oder ich weiß nicht mehr, wie ich das Wort genannt hatte, eine Bezugsperson,
die wirklich sehr stark mit ihm verbunden ist und die ihm hilft, mit der er viel erlebt,
und mit der er dann auch, ja oder von der er lernen kann, sag ich mal.

Dela:
Äh, helft mir nur ganz kurz auf die Sprünge. Die heißen beide John, sein Jugendfreund und das entführt das Baby, oder?

Chloe:
Äh, das Baby ist Joe.

Dela:
Ah, Joe, ja stimmt. Okay.
Äh, gut. Ähm, was mir sehr aufgefallen ist, aber das wird euch nicht so gehen, weil ich habe jetzt den direkten Vergleich zwischen der deutschen und der englischen Hörbuch-Version.
Die Verbindung von Blaze und George hat für mich ganz, ganz entschieden geschwankt, je nachdem, welche der beiden Hörbuchversionen ich gehört habe.
Weil in der Englischen ist George zwar immer noch ein abusive Arschloch und manipulativ und all das, aber er ist glaubhafter in seiner Art.
Im deutschen Hörbuch fand ich es sehr krass, dass George für mich sehr viel aggressiver gewirkt hat. Und ich glaube, das hat tatsächlich meine Lesart dieser Beziehung
extrem geprägt. Weil für mich ist es in der Englischen wirklich wie eine,
halbwegs vernünftige Freundschaft gelesen. Und in der Deutschen halt überhaupt nicht.
In der Deutschen kam wirklich nur dieses, ja, George braucht halt einen Schlägertypen in seiner Truppe und deswegen gibt er sich mit Blaze ab. Aber wie habt ihr diese Beziehung gelesen? War das für euch irgendwas echtes oder war das für euch einfach nur eine Zweckbindung?

Flo:
Ich weiß nicht, habt ihr Steinbeck gelesen von Menschen Mäusen?

Dela:
Ja.

Jonas:
Ich nicht.

Tobi:
Auch nicht.

Chloe:
Also, ich auch nicht.

Flo:
Kurz, es geht um einen Mann namens passenderweise George und seinen Freund Lenny.
Lenny ist sehr groß, stark und auch geistig behindert.
Und die beiden ziehen halt als Wanderarbeiter durchs Land und George beschützt ihn so, ist aber auch ziemlich zynischer Typ. Das hat mich sehr an diese Geschichte hier erinnert.
Ich fand schon, dass Freundschaft da ist, auch wenn, ich hab jetzt das Englische nicht gelesen, es kam schon ziemlich hart rüber, teilweise im Deutschen. Da weiß ich jetzt nicht,
ob das im Englischen anders sich anders darstellt. Aber ich denke schon, dass George Blaze sehr freundschaftliche Gefühle entgegen gebracht hat. Er kann oder will das nur nicht zeigen.

Dela:
Okay.

Chloe:
Das glaube ich tatsächlich auch. Ich war mir am Anfang, als George quasi nur diese Halluzination war. Ich war mir auch nicht so ganz sicher, mag er Blaze überhaupt, betrachtet er Blaze wirklich als Freund. Aber dann, als die Stellen kamen, wo beschrieben wurde wie die ihre kleinen Tricks da ausführen, zum Beispiel im Hotel oder das im Bekleidungsgeschäft oder so, da hat man schon gemerkt, okay, die beiden ergänzen sich schon irgendwie. Also Blaze ist zum Beispiel der,
der dann ganz gut Schauspielert und ganz gut auch so aggressiv machen kann und George dann der gerissene Teil. Also sie ergänzen sich irgendwie, sind halt auch, was man auch durchgängig im Buch merkt, einfach zwei komplette Gegensätze, die sich aber komischerweise trotzdem anziehen.
Ja, und ergänzen, ja.

Jonas:
Also für mich war an einem Punkt ziemlich klar, dass für George das Ding mehr eine Zweckbeziehung ist oder zumindest keine hauptsächlich freundschaftliche. Und zwar als er dann ins Gefängnis musste und George gesagt hat, hier halte dich mal von dem und dem fern und gehe am besten auch nicht mehr in dieses Café, in dem du immer bist und halt dich da von Leuten fern.
Er ist nicht mehr da und er will auch nicht, dass jemand... anderes

Dela:
...ihm sein Monopol wegnimmt.

Jonas:
Genau. Das kennt man ja von, ich sage mal, aus toxischen Beziehungen auch anderweitig, dass man das soziale Umfeld quasi abkapselt. Und genau das ist hier ja auch passiert.

Dela:
Das finde ich lustig, weil genau diese Szene wäre für mich genau der Beweis fürs Gegenteil.

Flo:
Da habe ich auch gerade überlegt, ja.

Dela:
Weil für mich war das eine Szene,
okay, ich muss jetzt in den Bau, mir ist das selber nicht wohl dabei, weil ich weiß, du bist jetzt für die nächsten zwei Jahre oder so auf dich allein gestellt, und die anderen Typen werden dich benutzen.
Genauso wie ich dich benutze, und da macht er ja auch keinen Hehl draus, dass er ihn benutzt, aber die anderen werden mit Sicherheit nicht die Sorgfalt dabei walten lassen wie ich, und die werden dafür sorgen, dass du hochgehst.
In irgendeiner Form. Also für mich war das, dass er gesagt hat, halt dich von den anderen beiden fern eher ein Schutzding als ein Isolationsding.

Jonas:
Ja, in meinem Kopf war es ein... Ich beschütze dich, damit du noch da bist, wenn ich rauskomme.

Dela:
Aber hätte er ihn wirklich... Also braucht er ihn wirklich so dringend? Weil wenn es wirklich nur um den Schlägertypen geht, ich glaube, da lernt er am Knast, und zwei bessere Leute kennen auch.

Jonas:
Ne, ich glaube es geht nicht um einen Schlägertypen, sondern um jemanden, der ihn nicht in Frage stellt.

Dela:
Okay, das ist ein Punkt. Das kann ich akzeptieren.

Flo:
Er fährt das so ein bisschen Besitz ansprüche aber ich habe es auch eher so wie dela gelesen.

Dela:
Das wird langsam gruselig mit uns, Flo. Ich glaube, wir müssen diesen Podcast umstellen. Wir stimmen uns einander zu oft zu mittlerweile.

Flo:
Ja, das geht nicht.
Ich überlege mir mal was.

Jonas:
Soll ich die Aufnahmen stoppen oder machen wir weiter?

Dela:
Nein, aber ich muss wirklich sagen, dass die Beziehung, da bin ich mir bis heute noch nicht einig, wie ich die empfinde. Aber die Tatsache, dass sie mich verwirrt, spricht ja schon mal dafür, dass die Beschreibung nicht ganz schlecht war.
Ja. Und da möchte ich vielleicht gleich ein Zitat einfließen lassen. Und das ist halt in meiner Sozialisierung das romantischste, was du einem Menschen so sagen kannst.
"Wir hatten nicht immer drei Fluppen am Tag, aber wir hatten immer wenigstens eine."
Und ich glaube, das ist ein Punkt, weil Das ist halt genau dieses: Wir sitzen halt hier im Dreck. Wir wissen beide, dass wir hier im Dreck sitzen.
Aber hab keine Angst. Ich werde zumindest dafür sorgen, dass du nicht komplett absäufst.
Und das ist für mich eine Freundschaftsbekundung. Und zwar eine ziemlich ehrliche. Und wahrscheinlich so ehrlich, wie George überhaupt in der Lage dazu ist.
Ich muss dazu sagen, sie kam aber in einer Situation, wo er versucht hat, ihn emotional zu erpressen. Von daher ist es wieder schwierig. Aber... Aber ja.

Jonas:
Ja, ich glaube, die Grenzen, das sind auch verschwimmend, weil wenn man mit jemanden immer viel Zeit verbringt, dann entwickelt man da auch eine gewisse Zuneigung.
Und ich glaube nicht, dass George so kalt und abgebrüht war, dass sie ihn wirklich ausschließlich als Mittel zum Zweck gesehen hat.

Dela:
Wollen wir mal über die andere Freundschaft reden, die Blaze in seiner Karriere noch haben wird? Und das ist diese Kinderfreundschaft zu. Und jetzt müsst ihr mir den Namen nochmal sagen.

Jonas:
Joe

Alle anderen:
John

Alle:
*lachen

Chloe:
Ich meine, es ist John. Ich bin mir sehr, sehr sicher.

Dela:
Ja, ich hab's auch so im Kopf. Er ist John und das Baby ist Joe.

Chloe:
Richtig.

Jonas:
aaach... Namen. Joe, John, George.

Dela:
Weil ich muss halt sagen, diese überhaupt, diese Rückblicke, diese Rückblicksszenen, die haben für mich sehr gut funktioniert, als Einzelne.
Aber hätten wir nur einen Vergangenheits- Blaze oder nur einen Zukunfts-Blaze gehabt wär das gut gewesen. Im Zusammenspiel fand ich es persönlich schwierig.
Aber, weiß nicht, wie steht ihr dazu?

Jonas:
Ich war gerade abgelenkt, weil ich nochmal nach dem Namen geguckt habe. Kannst du die Frage nochmal wiederholen?

Dela:
Wie ihr diese Einflechtung überhaupt fandet mit der Vergangenheit von Blaze? Ich hab persönlich Spaß daran gehabt, dass wir wirklich bis zu dem Zeitpunkt gehen, wo George dann stirbt.
Das hat mir gut gefallen, dass er das tatsächlich zu Ende gebracht hat. Aber generell haben mich diese Rückflüge in die Vergangenheit ein bisschen rausgebracht.
Wären die einzeln gewesen für sich und das wäre das Buch gewesen, wäre das voll ok gewesen. Wäre die Gegenwart das Buch einzeln gewesen, wäre das auch ok gewesen- aber durch diese Vermischung kam ich immer ein bisschen raus.

Tobi:
ja aber das ist ja sage ich mal eine wie ich schon sagte von King bekannte Vorgehensweise:
Wir machen mehrere Handlungsstränge auf, entweder mehrere zeitlich gleichzeitig passierende sowie eben in Der Dunkle Turm, oder halt so was mit mit permanenten Rückblicken. Also das ist ja irgendwie etwas, was ich persönlich sage, ist ja eine bekannte Vorgangsweise. Ich fand sie eigentlich gut, weil so war man immer wieder gespannt, wie geht es in dem Gegenwartshandlungsstrang weiter und dann ging es wieder zurück in die Vergangenheit und da wollte man ja auch immer wissen, wie es weitergeht. Also das hat für mich die Spannung hochgehalten.

Dela:
Und der Spannungsbogen hat halt für mich in der Vergangenheit überhaupt nicht funktioniert. Das waren schöne Momentaufnahmen, aber es hat für mich kein Bedürfnis geweckt, in die Vergangenheit weiter zu forschen.

Chloe:
Ja, ich fand tatsächlich die Vergangenheitserzählungen über Blaze jetzt auch nicht wirklich spannend, aber ich fand, sie haben den Gegenwarts Blaze so ein bisschen ergänzt in seinem Charakter
Und das hat dann auch ein bisschen erklärt für mich, warum er wie gehandelt hat, warum er gerade so fühlt.
Oder hat ein bisschen erklärt, warum er so entscheidet, wie er entscheidet.

Dela:
Ja, okay.

Jonas:
Ja, ich fand auch, es war halt so häppchenweise Hintergrundinformation. Und das hat mir hier eigentlich ziemlich gut gefallen.

Flo:
Besser als in anderen Büchern, ja.

Dela:
Naja wollen wir ein bisschen in die Handlungsebene gehen. Ich muss dazu sagen ich weiß ehrlich gesagt bei dieser Folge wirklich wenig was ich mir aus den Fingern saugen soll. Weil Flo du gibst mir sicherlich recht.
Rein inhaltlich ist es eigentlich echt substanzlos oder?

Flo:
Ja es ist eine klassische, ich würde sogar einfach sagen, Groschenroman-Krimi-Story.

Dela:
Und da habe ich schon bessere Groschenromanen gelesen.

Flo:
Es ist so ein bisschen Lindbergh-Baby, ein bisschen von Menschen und Mäusen, Mäusen und Menschen. Und ja, es gibt von der Geschichte nicht viel her.
Das heißt nicht, dass es schlecht ist, aber inhaltlich ist es halt kein komplexer Thriller mit zig Ebenen, sondern es ist gradlinig, auch wenn es durcheinander erzählt ist.

Dela:
Genau. Wie gesagt, wir fangen an mit Blaze als... Also wir fangen nicht an, aber chronologisch fangen wir an mit Blaze als Kind, der eigentlich ganz hoffnungsvoll ist,
der auch jeden Tag sich ein Buch aus der Bibliothek mitnimmt und damit auch sehr zufrieden ist. Das fand ich ja ganz sympathisch.
Wir haben also quasi wieder den Ansatz aus der letzten Folge des begabten Kinds, das aber unter beschissenen Umständen aufwächst,
Nur, dass er eben nicht das Glück hat, einen Rückzugsort zu haben und deswegen diese Misshandlung erleidet, wegen der er dann letzten Endes mit dieser geistigen Behinderung am Ende rauskommt.
Da saß ich halt noch da und hab geistig mit den Schultern gezuckt. Das ist schlimm, das ist alles ganz, ganz böse und alles.
Aber es hat nicht unbedingt geholfen mir da jetzt irgendwie viel Empathie zu vermitteln.
Weil es eben so ein Abziehbild ist von den Charakteren, die King oft schreibt, habe ich so den Eindruck gehabt. Aber wie hattet ihr denn so das Gefühl für den jungen Blaze?

Tobi:
Ja, mich hat das... Also ich muss das vielleicht jetzt mal für Chloe und für die Hörer, die mich nicht kennen, sagen, damit der Kontext klar ist.
Meine Frau und ich haben drei Kinder und Der mittlere Sohn ist mittlerweile verstorben und war Zeit seines Lebens von Geburt an schwerst mehrfach behindert.
Das heißt, das Thema Kind, Behinderung ist mir vertraut und da hatten wir natürlich auch viel Kontakt zu anderen Eltern mit behinderten Kindern.
Und da gab es tatsächlich einen ähnlichen Fall, wo wirklich ein Kind durch einen unabsichtlichen Unfall quasi erst kerngesund war und dann durch einen Unfall, wo wirklich der Kopf und damit das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen worden ist, dann eine leichte geistige Behinderung hatte.
Und daran hat mich das natürlich erinnert. Und das war natürlich, King hat sich das hier, glaube ich, so ein bisschen überlegt, um diesen Charakter zu schaffen, um diesen besonderen Charakter zu schaffen, der auf der einen Seite körperlich so überdimensional ist.
Und auf der anderen Seite geistig so unterdimensional ist.
Ich fühlte mich so ein bisschen erinnert an, ich weiß jetzt nicht, wie der Charakter heißt, aus The Green Mile, was ja auch ein großer Mensch körperlich über alles überragend und geistig aber irgendwie anders drauf.
Und ja, ich glaube, es ging ihm nur darum, so einen Charakter zu erzeugen, der diese besonderen Eigenschaften hat.
Ich glaube, Flo sagte, für den einen war er ein Werkzeug oder wie ein treuer Hund, der halt loyal dem gegenüber ist, der ihn gut behandelt und für den er dann eben da ist.

Dela:
Ich hab halt persönlich, also ich schrei ja regelmäßig rum, wenn King behinderte Menschen schreibt. Das hatten wir in Desperation, das hatten wir, ne stimmt nicht, in Regulators hatten wir es ganz schlimm. Da habe ich ganz fürchterlich geschrien.
Ich musste ganz fürchterlich schreien bei Dreamcatcher. Und ich muss sagen, hier musste ich nicht schreien, das werte ich schon mal als Fortschritt.
Andererseits muss ich halt sagen, das was sich bei Blaze als Behinderung geäußert hat, war so dezent beschrieben, das ist auch einfach mit...
Ich weiß nicht, wie ich das nicht ableistisch ausdrücken soll... Nicht mit normaler Trotteligkeit und wie gesagt, ich weiß, es ist das falsche Wort, aber ihr wisst, was ich meine...Zu erklären wäre. Also dafür, für sein Verhalten braucht man glaube ich keine geistige Behinderung.
Versteht ihr ungefähr, was ich sagen will? Ich weiß, ich bin auf sehr dünnem Eis.

Jonas:
Ich glaube, ich weiß, was du meinst, vor allem weil ich sein Verhalten ab und zu mal auch an mich selbst sehr erinnert hat.

Dela:
Also ich meine, dieses Ding, ich raube eine Tankstelle aus und vergesse eine Maske aufzuziehen. Mir fallen jetzt spontan in meinem Freundeskreis 12 Menschen ein, denen das so passieren würde.
Aber nicht weil sie eine geistige Behinderung haben, sondern einfach weil sie 3000 Dinge gleichzeitig im Kopf haben und das das unwichtigste ist.

Chloe:
Ich verstehe es tatsächlich auch. Ich habe auch es gar nicht so wahrgenommen. Erst bis es da eine Situation in der Schule gab, ach die Mathe-Situation,
da dachte ich, okay, er hat einfach nur, in Anführungszeichen, eine Lernschwäche.
Und ist sonst halt einfach manchmal ein bisschen verwirrt. Aber ich hab's wirklich nicht als geistige Behinderung wahrgenommen über das Buch hin.

Dela:
Jetzt ist die Frage, finden wir das gut oder finden wir das doof? Weil wie gesagt, einerseits ich muss nicht darüber schreien, andererseits claimt er, es wäre eine geistige Behinderung und er scheut davor, die in all seiner Implikation darzustellen.
Ich bin mir uneinig.

Tobi:
Naja, das Problem ist ja, es gibt halt Behinderungen von bis, also ich persönlich habe immer ein Problem damit, wenn so erzählt wird, ja dieser Mensch mit Down-Syndrom hat diese tolle Sache geschafft. Ja.
Und weil ich gerade auch eben aus persönlichen Kontakten weiß, dass Down-Syndrom geht von wirklich ja 0 bis 255, um es mal nerdisch auszudrücken.
Und hier ist es halt auch so, wo ist er irgendwo in so einem Spektrum? Klar, er hat manchmal Probleme sich an Sachen zu erinnern. Er hat große Probleme mit dem Rechnen.
Ja, das haben viele Menschen und dann nennt man das halt Dyskalkulie. Aber würde nicht gleich sagen, dass das eine Behinderung ist.
Das ist immer die Frage, wo fängt es an, wo hört es auf? Und vor allen Dingen, wann entsteht ein Leidensdruck dadurch? Er kommt ja einigermaßen in seinem Leben gut klar.

Dela:
Ich will das auch an der Stelle noch mal klarstellen. Behinderung in egal welcher Form ist kein Wettbewerb.
Punkt. Das lasse ich auch mit mir nicht diskutieren. Das Ding ist, was für mich eigentlich diese Wahrnehmung so gebrochen hat, ist, dass wir ihn am Anfang so etabliert haben, als junges, nicht ganz Wunderkind, aber auf dem Weg dahin.
Und dann ist die Fallhöhe natürlich anders. Als ein normales Kind, das liest ab und zu mal ein Buch. Und dann tut es das halt nicht mehr.
Versteht ihr ungefähr, was ich meine?

Flo:
Ja.

Dela:
Und ich glaube, das war für mich der Punkt, weshalb ich gesagt habe, du wolltest hier das Richtige, aber du hast dich halt nicht getraut, den Weg zu Ende zu denken, weil dann wär's halt wieder Arbeit gewesen.
Hätte er wirklich eine funktionale, eine richtig funktionale Schwäche gehabt, die darüber hinausgeht, vielleicht täglich die Unterhosen zu wechseln, wo wirklich ein Leidensdruck entsteht, hätte ich das von King als Autor als,
mutiger empfunden, sage ich mal.

Flo:
Ja, ich weiß aber auch nicht, ob die Figur dann so funktioniert hätte.
Ich meine, ich hätte mir das könnte mir vorstellen, so eine Art Tom Cullen mit schlechter Kindheit. M-O-N-D, so buchstabiert man schlechte Kindheit.

Dela:
Jonas du willst gerade Luft holen?

Jonas:
ja also mich erinnert Blaze tatsächlich an Randy aus der serie "my name is earl".
Also der hat im prinzip keine geistige Behinderung sage ich mal sondern ich weiß gar nicht ob das jetzt so ein richtiger ausdruck ist, aber er ist einfach gestrickt,
und ja ich ich tue mich schwer wie ich das ausdrücken soll alles aber Ob das jetzt eine Behinderung ist oder einfach eine...
Ja, äh... Ja, ich... Nee, ich...

Dela:
Aber wie fandet ihr denn generell die Wahl, da einen Charakter zu nehmen, der ein leichtes Impairment hat, nennen wir es mal so, und kein schweres oder eben einfach einen komplett kognitiv durchschnittlichen Menschen zu wählen?
Das ist ja eigentlich die Frage, die dahinter steht.

Tobi:
Es ging wohl darum, irgendeine kindliche Naivität sollte er halt in den Tag legen und damit vielleicht auch so eine Unbedarftheit und auch so eine Unschuld in seinem Handeln.
Also dass er halt eben, dass man ihm eigentlich keine, ..man käme glaube ich nie auf die Idee ihm irgendwie Böswilligkeit zu unterstellen bei seinem Handeln.

Jonas:
Ja, ich glaube, er hat halt in dem, was er tut, kein Schuldbewusstsein.

Dela:
Doch, das es Falsch ist, weiß er. Das ist ihm klar.
Er versucht nun innerhalb des Falschen so viel richtig zu machen wie mögliches.

Jonas:
Ja okay, da hast du recht.

Dela:
Kommen wir mal weg vom jungen Blaze.
Weil diese gelegentlichen Wutausbrüche und so weiter, das hat alles nichts mit der Behinderung zu tun. Das sind halt Sachen...
...ein in die Ecke getriebener Hund der Gewaltverfahrung hat, der beißt halt zu, Punkt. Das ist für mich nicht zu diskutieren. Also das hat auch mit seiner kognitiven Fähigkeit für mich nichts zu tun.
Vielleicht durch die Tatsache, dass er seine Kraft nicht kontrollieren kann, ok.
Aber dieses Schutzbedürfnis und das Bedürfnis andere zu schützen, das sehen wir ja in ganz vielen anderen Szenen.
Das sehen wir zum Beispiel daran, als er diesen Versuch der Adoption hat und er den einen Typen vermöbelt, der das Mädchen nach der Impfung auf den Arm geboxt hat.
Das hat er ja nicht aus Böswilligkeit getan, sondern weil er gesehen hat, Da hat jemand jemandem wehgetan, der sich nicht wehren kann.
Und das macht man einfach nicht. Und deswegen muss ich den jetzt in Achtung stellen.
Und ja, vielleicht hat er einfach keine anderen Möglichkeiten, das verbal zu tun oder irgendwie, aber dafür brauche ich keine kognitive Einschränkung.
Das hat einfach ein 10-jähriger, 11-jähriger nicht, jemandem Vokabular ins Achtung zu stellen.
Klar, dann haut der dem halt auf die Fresse, wenn er es kann. Und entweder hat er eine Lektion gelernt oder eben nicht.
Also ihr wisst, worauf ich hinaus will. Aber für mich war diese Thematik, dass der Mensch eine Einschränkung hat,
angedeutet, weil wir es gerne angedeutet haben wollen, also wieder Behinderung als Plotpoint, und das zeckt mich ein bisschen.
Und später dann, ja okay, er ist dieser naive, offene Charakter, dem wir nicht wirklich ein Schuldbewusstsein zuschreiben können, aber er versteht ja den Unterschied zwischen richtig und falsch.
Bestes Beispiel dafür, das Baby kriegt einen neuen Zahn und als er dann mit den Eltern spricht am Telefon und seine Lösegeldforderungen da breitmacht,
sagt er irgendwas wegen, ja ich hab das Kind gepudert und Windeln gewechselt und alles, und das hat wohl eure Madame nicht nötig, das Kind zu pudern oder was, da war er ganz wund.
Also er versteht grundsätzlich, wie du mit Menschen umzugehen hast. Er hat kein Empathieproblem oder irgendwas,
und er ist damit wieder dieser viel besungene Behinderte, der sehr viel mehr Empathie an den Tag legt als alle anderen. Und das ist halt auch wieder, klar, das ist oft so, aber das ist halt ein Trope und es ist ein echt billiger Trope.

Jonas:
Also ich hab's nicht gesehen, dass er mehr Empathie an den Tag legt als anderen, sondern dass das vielleicht ein herausstechendes Merkmal ist.
Dass er trotz seiner kriminellen Aktivitäten und Laufbahn trotzdem ein sehr empathischer Mensch ist.

Dela:
Okay. Chloe?

Chloe:
Ja, fand ich tatsächlich auch. Also ich habe immer wieder gemerkt, dass diese Aggressionsmomente getriggert wurden von bestimmten Personen oder von Wörtern oder sonst was.
Aber an sich war er ja total lieb und total nett und auch super rücksichtsvoll. Also das hat man ja bei zum Beispiel bei dem Tankstellenraub gemerkt indem er extra keine,
keine Kugel in die Pistole gemacht hat.
Oder als die Freunde von George vorbeikamen und ihn gefragt haben, hey, willst du mit die Tankstelle ausrauben?
Oder ihn gefragt haben, ob er bei einer Aktion mitmachen will und er dann extra noch mal gesagt hat, aber ich tu niemanden weh. Ich will das nicht. Ja.

Flo:
Ich denke auch, dass seine Gefühle jetzt, egal in welcher Richtung, einfach ungefiltert sind.
Dass er jetzt nicht besonders empathisch ist, sondern dass er es einfach mehr rauslässt oder auch diese Aggressionsprobleme.

Dela:
Ich will damit eigentlich nur darauf hinaus, wenn wir schon hier wieder ein Impairment reinschreiben müssen. Nur damit wir es haben, Weil ich finde keinen anderen Grund, warum wir es haben, außer nur damit wir es haben. Warum kann ich nicht endlich mal einen behinderten Bösewicht haben, der aber ein Bösewicht ist, weil er ein Bösewicht ist und nicht, weil er behindert ist?
Bei den meisten Situationen, wo wir einen behinderten Bösewicht haben, ist der deshalb Bösewicht, weil er behindert ist.
Oder wir haben den Heiligen, Weil er behindert ist. Versteht ihr was mein Problem ist grundsätzlich?

Jonas:
Ja, verstehe ich. Aber ich sehe nicht, dass er ein Bösewicht ist, weil er behindert ist.

Dela:
Nee, nee. Aber er ist halt im Prinzip hier wieder der verkleidete Heilige, der zu anderen Umständen gezwungen wird.

Jonas:
Ne, für mich ist er einfach ein Kerl, der durch teilweise seine Entscheidung in der Vergangenheit und durch dann den Umgang, den er hatte, unter anderem im Gefängnis und danach auf die schiefe Bahn gekommen ist.
Und ich sehe ihn halt tatsächlich als relativ leicht beeinflussbar.
Das kommt dazu. Aber ansonsten sehe ich ihn jetzt nicht als...
Als Bösewicht oder als Heiligen oder so.

Dela:
Weil für mich ist halt der Punkt, dass diese Idee, das Kind zu entführen, komplett aus Georges Hirn kommt. Der macht es für mich schwierig.
Wäre da eigene Agency dahinter oder eigener Antrieb, dann könnte ich das akzeptieren. Dann könnte ich für mich sagen, okay, er möchte jetzt dieses letzte große Ding machen, meinetwegen auch in Gedenken an George.
Dann würde ich da sagen, okay, das ist eine Wahl, das ist eine aktive Wahl. Dadurch aber sein externes Gewissen, in Anführungsstrichen, ihm das befiehlt, mehr oder weniger.
Und da ist er ja auch sehr nachdrücklich drin.
Dadurch finde ich es wieder schwierig, weil wir dadurch den behinderten Charakter wieder seine Agency wegnehmen.

Jonas:
Ja, aber ich weiß nicht, ob...Blaze halt so wie er beschrieben wird in der Lage wäre einen so großen Plan zu schmieden.

Dela:
Ne nicht mal schmieden, es kann ja sein dass George den Plan
geschmiedet hat. Meinetwegen, das könnte ich akzeptieren. Aber dass er dann sagt okay du bist jetzt tot, das ist alles blöd und es tut mir auch echt leid dass du tot bist, aber ich mach das jetzt trotzdem, weil dann hab ich meinen Ruhestand und im Gedenken an dich ziehe ich dieses Ding jetzt durch. Aber das ist es ja nicht.
Es ist ja tatsächlich immer wieder in seinem Kopf die Stimme von George, die ihn dazu drängt, Junge, du musst jetzt aufwachen, Junge, du musst jetzt zu diesem Haus fahren, Junge, du musst jetzt das tun, Junge, du musst jetzt das und das machen.

Jonas:
Ja, aber da ist halt wieder die Frage, ist diese Stimme von Blaze wirklich etwas aus extern oder was Internes von Ihm?

Dela:
Ich stelle das zur Diskussion.

Jonas:
In Richtung Übernatürliches, oder...

Tobi:
Don't get me started.

Dela:
Ja doch, bitte, dafür sind wir da. Wie gesagt, Inhalt hat das Buch nicht, also bitte diskutiert.

Tobi:
Also für mich war es am Anfang eigentlich ganz eindeutig, diese Stimme ist einfach so eine Art alter Ego, ist einfach eine Möglichkeit für Blaze, Zugang zu finden, zu Bereichen seines Gehirns, auf die er normalerweise keinen Zugriff hat, die ihn eigentlich auf eben so ein vermindertes Level bringt, dass er Dinge zwar vielleicht mal hört und sieht, aber wieder vergisst.
Anscheinend vergisst, aber dann wohl doch nicht. Er kann sich mit George Hilfe, also durch dieses Alter Ego, kann er plötzlich sich an Dinge erinnern, auf Sachen zugreifen,
auf die er sich, auf die er normalerweise keinen Zugriff hätte. Das ist ja, wenn George hinter ihm, also gedanklich, hinter ihm steht, weil es geht ja schon los, als er noch im, als George noch lebt im Gefängnis.
Das kommt in der Handlung erst viel später, dass George quasi hinter ihm steht und ihm Rechtschreibtipps gibt, als er Briefe schreibt.
Das fand ich so super, ne? Also er kann, er weiß es, aber er hätte ohne George als alter Ego keinen Zugriff darauf.
Und als George dann tot ist, ist sicherlich auch eine Art Trauerbewältigung, hilft dem halt auch, sich an Sachen zu erinnern.
Das wird dann schon so ein bisschen kritisch, als er ihm sagt, du, die Polizei ist dir auf den Fersen. Aber das kann man sich immer noch so erklären, dass Blaze selber ahnt, dass die Polizei ihm auf den Fersen ist.

Dela:
Er hat jetzt Scheiße gebaut, er weiß unbewusst, er hat einen Fehler gemacht.

Tobi:
Genau, so.
Und deswegen finde ich das so komplett überflüssig - Das hat mich echt, und da muss man eine Menge tun, um das zu erreichen - Es hat mich echt wütend gemacht, auch im Gefängnis, die Geschichte mit den Zähnen. Weil das ist der Punkt, wo dann plötzlich gesagt wird, ja es ist was Übernatürliches.
Und das hat mich total geärgert, weil das war aus meiner Sicht, so mit meinem Erklärungsansatz, war es absolut überflüssig und ich wollte noch fragen, ihr sprecht immer davon, ist es ein Bachmann, ist es ein King, ob da irgendwo die Definitionsgrenze ist?

Dela:
Genau da ist die Grenze.
Genau das ist der punkt an der grenze wo es bei mir zerbrochen ist.

Tobi:
Ja das ging mir auch so ja

Flo:
ja ich hatte auch Probleme, aber mit der Definitionsgrenze: wir hatten Bachmann ja auch,
Regulator und der Fluch

Dela:
ja aber Fluch kannst du mit Aberglauben und selbst erfüllender Prophezeiung erklären und regulator war Rotz.

Flo:
Absolut
Ich glaube die Diskussion hatten wir auch schon mal das Mädchen. War das jetzt was übersinnliches oder nicht?
Und ja, also ich hätte es nicht gebraucht. Das stört das Buch.
Es ist für mich eher so eine Hardboiled-Krimi-Geschichte, auch wenn es auch hier problematisch ist, das so einzuordnen. Das Übernatürliche hat hier keinen Platz in dieser Geschichte.
Das wirkt wie ein Fremdkörper.

Dela:
Und für mich, aber in meinem Erklärungsmodell, hätte es trotzdem nicht mal das Übernatürliche gebraucht.
Für mich war das einfach, ich meine, er kennt George seit, ich hab keine Ahnung, ob wir einen Zeitraum definiert haben, aber sagen wir mal zehn Jahre.
Und natürlich, wenn ein Mensch dich über zehn Jahre lang mit seinen Verhaltensweisen usw. beeinflusst, dann kommt da im Prinzip was an, dann ist es aber trotzdem eine Beeinflussung und nicht du selber.
Das wollte ich eigentlich damit sagen.
Also die Tatsache, dass das die Idee von George ist, heißt halt nicht, dass es einen übersinnlichen George braucht, um ihn in die Richtung zu schubsen.
Aber dann ist es halt immer noch nicht seine Initiative.
Gut.
Wo ich sagen muss, wo ich sehr viel Spaß hatte, sind halt diese kleinen winzigen Szenen. Zum Beispiel die Szene als Vorbereitung auf das Kidnapping in den Möbelladen geht.
Und ich mochte das, wie dieser riesige tollpatschige Kerl in diesen Möbelladen geht und Dinge kauft und die Verkäuferin plötzlich von "oh Gott, der macht mir Angst" zu,
"oh Gott, ist der niedlich" wechselt,
und dann aber natürlich sofort sobald der erste Verdachtsmoment aufkommt nachdem die Ermittler nach ihm fragen da sofort wieder umschwenkt zu "ja, da kam mir von Anfang an komisch vor",
das war eine Szene, die hat mir wahnsinnig gut gefallen wie ging's euch?

Tobi:
Also ich fand's für Blaze Verhältnisse erstaunlich pfiffig wie er es hingekriegt hat, ohne Verdacht, als der, der ist, die Babysachen zu kaufen.
Also zu sagen, ich glaube, seine Cousine ist irgendwie was Verwandtschaftliches, hat ihr Baby bekommen, für einen Neffen brauche ich das und ich will ihr alles schenken,
was man so braucht und dann ging ja bei der Verkäuferin auch die Dollarzeichen in den Augen an und von da an war die natürlich Servicekraft at the best und das fand ich sehr, sehr geschickt von ihm.
Also das fand ich schon sehr pfiffig. Geht vielleicht so in diese Schiene, dass er ja auch schauspielerisches Talent hat und Improvisationstalent in der Situation auch?

Dela:
Ich glaube nicht, dass es am Geld unbedingt liegt. Auch natürlich. Aber vor allem dieser Moment, der ist groß und brutal und ich habe Angst vor dem.
Und dann in der nächsten Sekunde, wie er quasi gedanklich dasteht und sagt, oh guckt mal ein Fröschi, so wie ich bin. Und das war der Moment, wo sie umschaltet.
Weil wäre es nur das Geld gewesen, hätte sie glaube ich zuerst sein Checkbook gecheckt.

Chloe:
Das stimmt tatsächlich. Ich fand auch, dass es war einer dieser Szenen, wo man Blaze als diesen, wie sie ihn ja auch genannt haben in der Grundschule, den Bären, den süßen Bären gesehen hat. Genau, er war entweder dieser süße Bär, den man irgendwie einfach nur noch knuddeln wollte oder er war halt eben in seiner, ich sag mal eher aggressiveren Phase, wo man ja, dann Angst vor ihm hatte, wie es eben bei der Verkäuferin auch war.

Tobi:
Es war quasi bis zu dem Moment, wo er den Mund aufmacht, diese Geschichte von dem Baby erzählt und in seinem schlechten Gewissen, und da war sofort, da war ihr sofort klar, von dem geht keine Gefahr aus.
Im Gegenteil, von dem geht Geschäft aus.

Dela:
Aber wie gesagt, was ich lustig finde, dass sie tatsächlich sofort auch keine Unehrlichkeit mehr unterstellt hat.
Sondern sofort, okay, der meint das Ernst, der will Baby-Sachen, ich werf den jetzt zu.

Tobi:
Ja und da muss sie ihm ja auch zum Beispiel die Sache erzählt haben mit diesen Babyflaschen. Das war wieder nämlich so eine Szene mit George, mit seinem
alter Ego, dass sie ihm wohl erklärt hat, ja und dann prüfen sie die Temperatur an ihrem Arm, was er dann wohl wieder vergessen hat und George ihm nachher sagt, "ja natürlich testest du es, indem du das an deinen Arm hältst". Und ich bin mir ganz sicher, dass sie ihm das gesagt hat.

Dela:
Lustig fand ich an der Stelle, ich weiß nicht ob es euch auch so ging, aber wie schön müssen die Zeiten gewesen sein, als man so einen Babyladen leer kaufen konnte, mit den Einnahmen aus einem einzigen Tankstellenraub.
Ich glaube heutzutage bräuchte man vier, oder?

Tobi:
Na ja damals war noch mehr Bargeld.

Jonas:
Ja, Inflation halt.

Dela:
Aber das fand ich tatsächlich witzig, das war mein Gedanke in dem Moment.

Jonas:
Ja, tatsächlich auch.
Weil er hat, ich glaube, so um die 500 Dollar und dann dafür halt eine komplette Ausstattung. Ja, ich glaube sogar der besten Qualität.

Dela:
Genau, ich glaube heutzutage bezahlst du für einen Kinderwagen schon 1000 Euro.

Flo:
"Was kriege ich für 500 Dollar?" "hier, dieses formschöne Fläschchen." Genau.

Dela:
Also ich meine Tobi, du hast da eher einen Blick als wir, wir haben alle keine Kinder, soweit ich weiß.

Tobi:
Ja, es ist ja bei uns auch schon eine Weile her, dass wir so was gekauft haben, wie ich eben schon sagen wollte.
Das finde ich eh so spannend mit, in welcher Zeit spielt das. Das erfährt man ja erst spät im Buch, zu welcher Zeit es spielt.
Und da kann es ja wirklich sein, dass da noch, weil mehr Bargeld im Umlauf war, ich habe keine Ahnung, 3, 4, 500 Dollar, die er da erbeutet hat, wie der Gegenwert war.
Und es ist auch so, in Amerika sind gerade solche Gebrauchtgüter deutlich günstiger als in Europa.
Also da ist meistens Essen relativ, also auf Kaufkraft bezogen ist Essen relativ teuer und solche Gebrauchtgegenstände, Waschmaschinen, sowas sind relativ billig. Vielleicht erklärt sich das so.

Dela:
Wie mochtet ihr denn die Beziehung zum Baby? Weil die hat mir persönlich sehr viel Spaß gemacht. Vor allem, weil wir uns so in einem Nebensatz erwähnen, der jugendliche Blaze hat irgendwann diese Camp-Bekanntschaft geschwängert.
Und sie hat tatsächlich ein Kind bekommen, das eben seine Wunderkindtätigkeit im Prinzip fortgesetzt hat, von dem er aber nichts weiß.
Und jetzt haben wir diesen Sohn in Spe.
Und das, muss ich sagen, hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Tobi:
Ja, das war, er sieht ja sehr schnell, da ist irgendwie auch eine Stelle im Buch, wo er sieht, dass in diesem Kind ja Potenzial ist. Also, dass dieses Kind noch so, wie er das selber sagt, wie ein ungeschriebenes Buch ist und dass es alle Möglichkeiten hat, sich in alles Mögliche zu entwickeln.
Vielleicht im Hinterkopf wissend, so wie ich auch mal ungeschrieben war und mich hätte entwickeln können, wenn da nicht was dazwischen gekommen wäre. Bei dieser Geschichte mit
seinem Sohn hatte ich starke Forrest Gump-Vibes, weil da ist es ja so ähnlich. Und ja, also wie gesagt, er ist einfach fasziniert von diesem unbeschriebenen Blatt, was das Baby für ihn darstellt.

Dela:
Und vor allem, dass bei dem Kind tatsächlich seine... also seine Selbstfürsorge funktioniert ja teilweise nicht.
Aber das Kind kriegt er vernünftig versorgt.
Zwar mit Hilfe von George, aber es funktioniert ja. Und das fand ich auch ganz faszinierend, weil das ist tatsächlich ein Punkt, den ich von mir selber sehr gut kenne.
Selbstfürsorge eher so, nee, sobald ich mich um jemanden anderen kümmern muss, kann ich mich an alle Details erinnern und weiß, wie ich sie umsetzen muss.

Tobi:
Das ist aber durchaus realistisch, das ist dieser Mutter- oder auch Vaterinstinkt. Also man ist als Elter doch ziemlich in der Lage, eigene Bedürfnisse und so weit hinten anzustellen, damit es dem Kind gut geht.

Dela:
Ich würde das gar nicht unbedingt auf dieses Elternding reduzieren. Natürlich ist es da viel stärker, würde ich jetzt mal behaupten.
Aber bei mir greift das generell. Da ist ein Lebewesen, ich muss das liebhaben.
Und ich muss das wesentlich mehr liebhaben als mich selber.

Tobi:
Das kann sehr gut sein, ja.

Chloe:
Ja, würde ich auch zustimmen.
Ich fand das dann immer sehr ergreifend. Die Szenen, in denen er irgendwie weggegangen ist, das Kind alleine gelassen hat, schon wusste, okay, er macht einen Fehler,
es aber trotzdem irgendwie noch nicht ganz realisiert hat, dass es jetzt eine ziemlich dumme Idee ist, das Kind alleine in einer Höhle mit Feuer zu lassen zum Beispiel.
Aber als er dann zurückkam und gesehen hat, dass es dem Kind noch gut geht, dass er dann wirklich Freude in den Tränen bekommen hat, dass ihn das so sehr berührt hat, und dass die Beziehung zum Kind so stark war,
und sich so krass aufgebaut hat innerhalb von ein paar Tagen, Fand ich sehr berührend.

Dela:
Wie steht ihr denn zu der Kriminalgeschichte als solche? Weil ich fand die schrecklich unspektakulär.

Tobi:
Ich fand sie fast schon unrealistisch. Den Einbruch in das Haus fand ich persönlich unrealistisch. Dass er da reingeht, durch das Schlafzimmer der Eltern geht.
Also gut, liegt vielleicht daran, dass ich so einen Schlaf habe, der würde das Grundstück betreten und ich würde senkrecht im Bett stehen.
Aber das fand ich dann, dass er da durchgeht und hier und rauf und runter und durch die Küche.
Ja, das fand ich ein bisschen, ja, fast schon albern, dass das so geht.

Dela:
Flo, du hast schon lange nichts mehr gesagt.

Flo:
Ja ich bin eingeschlafen. Nein ich fand diese Krimigeschichte ja. Wie ihr schon gesagt habt, es ist unspektakulär. Es ist auch dieser Polizist wie heißt der Granger, der so als Gegenspieler fungiert, völlig egal, also für den habe ich überhaupt kein Gefühl gekriegt der war mir so wurscht.
Und deswegen wenn das jetzt irgendwie noch jemand gewesen wäre der einen Charakter gehabt hätte und nicht so so eine Nullnummer dann hätte das ein Interessantes - jetzt kein
Katz und Maus Spiel, dazu das ist nicht das Buch dazu - aber es hätte eine interessante Dynamik geben können in dieser Krimigeschichte.
Vielleicht jemand der Blaze sogar versteht irgendwie

Dela:
oder meinetwegen selber jemand der Kinder hat und der selber deswegen das ja allergisch drauf ist oder irgendwas

Flo:
ja aber so war das hier,
Also ich fand es spannender wie Blaze den Alltag mit dem Baby meistert als die Krimigeschichte.

Dela:
Ja. Dann würde ich an der Stelle einhaken. Frage an der Stelle.
Ich habe das Buch gelesen wie gesagt in dem mindset das ist ein Bachmann. Bachmann ist "du kommst vom Regen in die Taufe in die Scheiße."
Das ist die Definition von Bachmann in meinem Hirn. Und davon abgesehen, wir leben jetzt im Jahr 2022 und wir haben sämtliche Polizeiskandale durch, die es gibt.

Flo:
Du meinst das Jahr 2022 ist ein Bachmann?

Dela:
Ja, sowieso. Aber ist irgendeiner von euch davon ausgegangen, dass das Kind überlebt?
Und nicht wegen... also ich rede jetzt definitiv nicht davon, dass Blaze das Kind auf dem Gewissen hat, sondern die Polizei.

Jonas:
Ich war da tatsächlich relativ unvoreingenommen.
Ich hätte mir vorstellen können, dass es stirbt, ja, aber ich bin nicht fest davon ausgegangen.

Dela:
Chloe?

Chloe:
Also ich dachte schon nach den vielen Verletzungen, also erst die, ne, als er aus der Krippe gefallen ist und dann nochmal in der Höhle, okay jetzt wird's knapp und die Lungenentzündung, die war ja auch irgendwie klar. Da war ich mir eigentlich auch schon so zu 80-90% sicher, okay das Kind wird nicht überleben.

Dela:
Du bist aber eher davon ausgegangen, dass es an der Fehlbehandlung liegt als an der Polizei?

Chloe:
Genau, ja. Das ist einfach natürlich nicht beabsichtigt von Blaze, aber dass es wohl dazu kommen wird.

Dela:
Tobi?

Tobi:
Ne, also ich muss sagen, dass das Baby stirbt, konnte ich mir, nun gut, vielleicht wollte ich es mir einfach nicht vorstellen.
Also ich bin davon ausgegangen, dass das Baby die Geschichte überlebt. Bei Blaze war ich mir halt nicht sicher. Ich fand's dann irgendwann... Es wurde dann halt irgendwann zu unrealistisch, dass er es tatsächlich schafft.
Also, dass es gut geht, dass er das Geld und mit dem Baby sich irgendwie nach Hawaii absetzt.

Dela:
Oder nur er und das Baby selbst mal vom Geld abgesehen.

Tobi:
Ja, also das konnte ich mir irgendwann... Es wurde ja immer...
Das ist dann vielleicht so ein bisschen Bachmann, Regen, Taufe und so weiter. Es wurde ja für ihn immer... Die Luft wurde ja immer dünner und so. Und ja, aber dass das Baby stirbt, das hätte ich mir nun gar nicht vorstellen können.
Wollte ich vielleicht nicht.

Dela:
Das Ding an der Sache ist halt für mich.
Ich hab das Buch gelesen und vielleicht eine Woche vorher flog über diverse Nachrichtenkanäle wieder so ein Ding "Vater hat Tochter als Geisel genommen, beide sterben in der Schießerei mit der Polizei".
Weil die Polizei halt auf die Tochter auch geschossen hat.
Und... Also ich hatte noch bevor überhaupt mit dem Kind irgendwas war, also noch bevor er überhaupt das Kind in der Hand hatte und ich wusste in dem Moment, es geht um mein Kind.
Ich war 100% davon überzeugt, dass das Kind diese Geiselnahme nicht überlebt. Und zwar nicht wegen Blaze, sondern wegen der Polizei.
Das war für mich komplett gesetzt. Natürlich war ich positiv überrascht, dass das Kind überlebt hat.
Aber das war der Punkt, wofür mich der Bachmann gebrochen ist. In einem Bachmann Roman wäre das Kind gestorben, definitiv, hundertprozentig.

Chloe:
Das hat mich tatsächlich auch überrascht. Ich meine mich an den Satz, am Ende, wo er mit dem Kind wegrennt, erinnern zu können, dass er dann ja nur in der Knie-Gegend getroffen wurde.
Und dann hieß es irgendwie, natürlich hat die Polizei nach unten gezielt, um nicht das Baby zu treffen. Und dann dachte ich, was heißt denn hier natürlich? Also klar ist das nicht.
Aber ja, jetzt wo du es sagst, das stimmt. Das hätte natürlich auch anders kommen können.
Aber das war dann auch wieder, fand ich, eine schöne Situation, als Blaze das Baby so umklammert hat, um sicher zu gehen, dass es am Leben bleibt.

Dela:
Ich bin ja halt nicht sicher in der Zeit, als das Buch entstanden ist, Ob wir da diese Polizeigewaltproblematik auch damals schon so krass hatten, dazu kenne ich die Kultur der USA zu wenig.

Flo:
Ja.

Dela:
Aber wie gesagt, ich kann es nicht beurteilen. Ich glaube dir das, unbesehen, aber wenn man das unter heutigen Informationsständen liest, Kannst du glaube ich das Buch nicht mehr mit gutem Glauben an die Polizeiarbeit lesen. Das funktioniert für mich einfach nicht.

Tobi:
Ja, es ist ja auch so, dass dieser, du sagst das, ist das nicht FBI Agent? Ja, oder was auch immer das ist.
Das wird ja durch eine Szene klar, dass der auch, sag ich mal, ein bisschen neben der Spur ist.
Der geht da doch auf die Herrentoilette, guckt, dass keiner da ist, kniet sich hin und betet irgendwie zu Gott, dass Gott ihm helfen soll, Blaze zu töten.
Und ich habe dann hinterher nochmal gedacht, oh Gott, das erinnert mich an diesen, ich nenne ihn jetzt mal Gefängnisdirektor oder Lagerboss von Schwarz, der ja auch dauernd irgendwie vor der Toilette gebetet hat.

Dela:
Turm, meinst du?

Tobi:
Turm, ja.
Genau, übersetzen Sie. Na jedenfalls, der war ja auch irgendwie neben der Spur. Der war ja auch irgendwie, der hatte ja gar nicht die Absicht, Blaze irgendwie lebend, das Baby vielleicht schon, Aber dem war klar, den Blaze kill ich.
Also der hatte gar kein Interesse, den gefangen zu nehmen.
Nö. Das war sein ausdrückliches Ziel, Blaze zu töten. Das wurde ja ganz früh schon klar gemacht.

Dela:
Okay.
Ja, naja, wie gesagt, das Ende entwickelt sich dann, wie es sich entwickelt. Die Geiselnahme geht natürlich den Weg, den es gehen muss. Erst schwört er eigentlich der Idee ab, da überhaupt das Geld jetzt zu nehmen, sondern dann will es sich mit dem Kind absetzen.
Aber er wird eben durch seine diversen Fehler doch erwischt.
Das Kind wird nicht getroffen, das Kind wird nicht von der Polizei getötet, er selber stirbt und das Kind wird in Anführungsstrichen gerettet und zu seinen Eltern wieder zurückgebracht.
Das ist also tatsächlich die Konklusion dieser Geschichte.
Habt ihr zum Inhalt was, sonst würde ich jetzt tatsächlich noch mal auf die Bachmann-Diskussion gehen.

01:09:40 Bachmann Oder King?

Tobi:
Ja, ich gucke hier so durch meine Notizen für meinen anderen Podcast. Ich hab, stelle ich fest, mich sehr viel über die Sprache und die Übersetzung und relativ wenig über den Inhalt was gesagt.

Dela:
Okay, zu Sprach- und Übersetzung kommen wir gleich nochmal.
Gut, dann Bachmann-Diskussion. Ich möchte an dieser Stelle zitieren, aus dem Nachwort-Vorwort, ich weiß es nicht genau, wo es im deutschen Buch ist, aber egal. "Der Name Bachmann steht darauf, weil es der letzte Roman aus der Zeit von 1966 bis 1973 ist, der Periode der größten Produktivität dieses Herrn.
Ich fand ihn toll, als ich ihn schrieb und Schrott, als ich ihn anschließend las.
Aber ich fand es war ziemlich gut, mit Sicherheit besser als Roadwork, dass ich zu dem Zeitpunkt für amerikanische Mainstream-Prosa hielt."
"Weiterhin beschloss ich aus dem Text weitgehend alle Emotionen zu entfernen, da ich wollte, dass das fertige Buch so nackt war wie ein leeres Haus,
Haus, ohne auch nur einen Läufer auf dem Boden. Meine Mutter hätte gesagt, ich wollte sein nacktes Gesicht sehen. Nur der Leser wird beurteilen können, ob mir
dies gelungen ist"
und ich habe die Frage, ist es ihm gelungen?
Nein. Meiner Meinung nach nein. Nein.

Flo:
Die Emotionen sind in diesem Buch so triefend, dass es ihm überhaupt nicht gelungen ist, wenn er das vorhatte.

Dela:
Und die Emotionen sind auch tatsächlich der einzige Grund, warum ich diesen Schwachsinn überhaupt gelesen habe.
Weil die Verbindung zum Kind hat mich tatsächlich gehalten.

Jonas:
Ich dachte, das wäre der Podcast.

Dela:
Der auch.
Aber nur, weil ich euch so lieb hab. Und mit euch gerne über Bücher rede.

Flo:
Ja klar...

Dela:
Nein, aber Jonas, was hast du denn dazu für ne Meinung?

Jonas:
Äh, ja doch, die Emotionen haben es sehr getragen. Grad, ich hatte ein sehr starkes Mitgefühl mit Blaze.
Und ohne das wär's nix gewesen.

Dela:
ok, Chloe?

Chloe:
Ja, so halb. Also manche Beziehungen und dadurch eben auch die Emotionen fand ich schon sehr tief, also wie zum Beispiel die Beziehung zwischen Blaze und John.
Oder eben auch die Beziehung zwischen Blaze und dem Kind.
Aber manchmal war es eben auch einfach ganz ganz, ganz kalt. Da kam gar nichts rüber.
Es kam auf die Situation drauf an und auf die auf die Stelle im Buch tatsächlich.

Dela:
Okay. Tobias?

Tobi:
Ja, also ich muss zugeben, ich hatte wirklich einige Szenen.
Ja, in erster Regel natürlich mit mit Blaze. Haben mich echt zu Tränen gerührt. Also wenn, wenn ein Kriterium für ein Bachmann Buch ist, dass es keine Emotionen hat oder auslöst, dann war dieses Buch auf keinen Fall eins, jedenfalls für mich.

Dela:
Ich möchte jetzt in die Bachmann-Diskussion ein bisschen gehen, weil das war tatsächlich mein Hauptproblem.
Für mich sind die Definitionsmerkmale für einen Bachmann A. es gibt nichts Übernatürliches.
Und wenn es was Übernatürliches gibt, ist es immer was Übernatürliches, was sich zum Beispiel durch Aberglaube und Empfindung und all diese Dinge weg erklären lässt.
B. Es ist absolut hoffnungslos und es sterben alle.
Oder zumindest es leiden alle.
Und C. Es ist sehr viel brutaler als ein King-Buch. Und es hat weder A noch B noch C Kriterium getroffen für mich.
Für mich ist es kein Bachmann. Überhaupt nicht.
Jonas, wir haben uns da drüber schon ein bisschen unterhalten. Wie geht es dir damit?

Jonas:
Also es hat auf jeden Fall die Brutalität, obwohl, gerade wo ich sage, dass die Brutalität gefehlt hat, habe ich mich an Amok erinnert und da war Brutalität drin, ja, aber sie war
nicht das Hauptding.

Dela:
Nicht das Hauptding aber es ist ein legitimes Mittel. ich meine wir haben hier im ganzen Buch zwei Tote.

Flo:
Ich würde sagen die Brutalität findet hier eher auf einer
emotionalen Ebene statt also es ist jetzt kein Splatter gore was weiß ich Roman. überhaupt nicht, aber das waren die anderen eigentlich auch nicht auf

Dela:
Auf jeden Fall nicht, aber ich meine, gehen wir mal die Bachmannse durch, die wir haben.
Wir haben Sprengstoff. Sprengstoff ist ein Schwachsinnsbuch.
Das passt in nichts. Aber auch da, ich habe das komplett vergessen, ich kann dazu gar nichts mehr sagen.

Flo:
Ich weiß, dass ich null Punkte gegeben habe, aber es hat halt auch diese Aura der Verzweiflung.

Dela:
Genau.

Flo:
Die würde ich schon so bisschen hier sehen aber die

Dela:
und die fehlt mir halt komplett.
das einzige Element der Verzweiflung für mich in diesem Buch war einerseits die Tatsache, dass das Kind stirbt, was es nicht getan hat. Und das zweite Moment der Verzweiflung ist für mich die Tatsache dass Blaze weiß, dieses Kind, egal wie gut er es behandelt, wird sich an ihn erinnern als Bösewicht. Das war für mich der Moment der Verzweiflung.
Und beides hat für mich nicht gereicht, um die positiv emotionalen Momente zwischen ihm und dem Kind aufzuwiegen.
Deswegen ist es für mich nicht verzweifelt genug für einen Bachmann.

Flo:
Ja, also wie ich schon auch gesagt habe, mir reicht es auch nicht.
Aber das wäre so das einzige Element, das ich hier noch zum Teil sehen würde.
Wenn auch nicht echt genug.

Dela:
Jonas, warst du mit seiner Ausführung schon fertig, oder bin ich dir zwischenrein gegrätscht?

Jonas:
Ja, also...
Ich glaube, für mich braucht es diese Verzweiflung nicht, für einen Bachmann.
Für mich ist das Hauptkriterium das, ja, Fehlen des Übernatürlichen.

Dela:
Was hier drin war?

Jonas:
Was drin war, aber...
Ich schiebs in Gedanken von mir weg. Ich streich diese Szene mit den Zähnen einfach und dann ist es okay.

Dela:
Okay.
Hm.
Gut. Tobias, ich weiß nicht, hattest du jetzt mit Bachmann direkt schon Erfahrungen?

Tobi:
Ich glaube, Sprengstoff war ein Bachmann, ne?

Dela:
Genau.

Tobi:
Dann ist Sprengstoff das einzige Bachmann, was ich gelesen habe.

Dela:
Oh Gott, warum hast du das getan? Warum hast du das freiwillig getan?

Tobi:
Du weißt, ich gehe da ja anders ran. Ich habe damals halt, damals noch glaube ich, Bücherhalle, so heißt die, die Leihbibliothek in Hamburg. Da bin ich hin, habe gesehen, das ist ein King, habe ich mitgenommen, habe ich gelesen.
Und das war's.

Dela:
Das war wirklich, also für schlechte Bücher ist Sprengstoff unsere Nulllinie, glaube ich. Für uns alle, oder?

Flo:
Für mich definitiv, ja.

Jonas:
Ich glaube ich fahre es gar nicht so schlecht.

Dela:
Nun, na gut, Chloe, weiß nicht, wie sieht's bei dir aus? Hast du schon mal einen Bachmann in der Hand gehabt?

Chloe:
Ja, ich meine, bei uns im Bücherregal ist mal Amok rumgeflogen. Das habe ich dann angefangen, aber glaube ich auch ziemlich schnell wieder abgebrochen.

Dela:
Okay. Gut, also hast du keine Meinung dazu, ob es ein typischer King oder ein typischer Bachmann ist?

Chloe:
Kann ich wenig zu sagen, tatsächlich. Okay.

01:18:04 Querverbindungen

Dela:
Und dann müssen wir, weil es eben kein typischer Bachmann ist und das ist das nächste, das mich ärgert, noch über die Querverbindungen reden. Denn es gibt Querverbindungen, die sollte es nicht geben. Meiner Meinung nach. Oder kannst du mich da wiederlegen, Flo?

Flo:
Oh, es gibt viele Querverbindungen.

Dela:
Nee, ich meine, es sollte es in Bachmann-Büchern überhaupt Querverbindungen zum King-Universum geben.

Flo:
Es gab immer mal so ein bisschen was. Aber nicht so ausführlich wie hier bei diesem Buch.

Dela:
Also was mir auf jeden Fall aufgefallen ist, der Vermieter von Hutton House heißt Gerold Clutterbug. Und den kennen wir aus Castle Rock auf jeden Fall.

Flo:
Nein. Den Nachnamen. Andy Clutterbug.

Dela:
Naja, aber ich nehme mal an, der hängt damit zusammen.

Flo:
Ja, das ist etwas, das hier ganz, ganz oft auftaucht. Also wir haben hier einen Jimmy Cullom und...
Erst mal heißt so ein Opfer von Pennywise und hatten schon einen Cullom in Susanna.
wir haben Georgia Kingsbury: Kingsbury war ein Name von einem Opfer von Andre Linoge.
Wir haben eine Aline Merrill. Wir kennen ein Ace Merrill und so weiter also es gibt da viele Personen die mit Nachnamen Meirs oder Hamscom die wir schon mal hatten.

Dela:
Wir haben auf jeden Fall eine unerschütterliche Bezeichnung oder Bezugnahme auf Shawshank.
Denn es fällt irgendwann der Satz, "du willst erwischt werden und nach Shawshank gehen und in der Wäscherei arbeiten". Der ist definitiv nicht zu rütteln.
Genau. Wie stehst du denn zu der Theorie, dass diese Sache von Blaze und George die Rückseite, also quasi die Romanseite von Stark ist?
Ich meine der Roman in Stark, der da beschrieben wird, wird uns ja präsentiert als total gorey und blutig und alles.
Das ist es halt überhaupt nicht.
Aber in meinem Hirn bilde ich mir trotzdem ein, dass Blaze als Figur in diesem Roman erwähnt wurde.

Flo:
Das weiß ich nicht mehr, aber wir hatten in der Talisman die Erwähnung von Blaze.
Weil die Mutter von diesem Jungen war Schauspielerin und war für ein Oscar nominiert für eine Rolle in dem Film Blaze.

Dela:
ok das war mir entgangen aber danke für den Hinweis.
Gut, fällt dir sonst noch irgendwas ein?

Flo:
Wir haben wieder das Wort bool, das hatten wir in Love schon und in Glas.
Wir haben eine Verbindung zu der Kurzgeschichte, das Schreckgespenst.
Also Blaze wird ja mal der Boogiemann genannt.
Von seinem Kumpels und ja später bei dem Überfall nennt er sich Billings und Lester Billings ist die Hauptfigur aus das Schreckgespenst.

Dela:
Du hast Recht verdammt das ist mir entgangen und dabei ist Schreckgespenst eine meiner Lieblingsgeschichten.
Du hast Recht.

Flo:
Ja ansonsten haben wir eine Erwähnung von Castle Rock und,
Blaze und sein Freund John gucken sich im Kino einen Vampirfilm an, namens Second Coming, und Second Coming war der Arbeitstitel von Brennen muss Salem, das zeitgleich erst entstanden ist.

01:21:31 Symbolik

Dela:
Okay. Ja, normalerweise wäre das der Punkt, wo ich über Symbolik reden würde, aber da ich ja beschlossen habe, auch wenn es keiner ist, dass es für mich ein Bachmann ist, und ein Bachmann ist für mich immer sehr thread bare, würde ich für mich beschließen, es gibt in diesem Buch keine Symbolik, zumindest keine über die sich zu reden lohnt.
Habt ihr da eine andere Meinung als ich?

Jonas:
Ich übersehe Symbolik grundsätzlich.

Dela:
Okay. Chloe, du irgendwelche Ergänzungen?

Chloe:
Nicht wirklich, nein. Okay.

01:22:05 Verwertungen Und Übersetzung

Dela:
Dann würde ich sagen, reden wir über die Verwertungen. gibt es denn hier außer dem deutschen und englischen Hörbuch welche?

Flo:
Nein.

Dela:
Gut, Tobi, dann ist das an dieser Stelle der Punkt, an dem du über die Übersetzung schimpfen darfst.

Tobi:
Ich möchte noch kurz zum Thema Verwertung sagen. Ich würde mir wünschen, es würde verwertet werden so als Miniserie, weil ich finde ja, es ist irgendwie nichts super Anspruchsvolles, aber ich glaube, man könnte das richtig cool in einer Miniserie verfilmen.

Flo:
Dann habe ich doch noch eine Verwertung, nämlich als Miniserie.
Aber anders, vom 29. Dezember 2008 bis 6. Januar 2009 wurde der Roman im BBC vorgelesen, im Radio.
Und zwar täglich jeweils dreimal, kamen insgesamt sechs Episoden, 30 Minuten. also vermutlich eine gekürzte Lesung. Aber finde ich interessant, dass das so über Weihnachten über Neujahr als Geschichte ausgewählt wurde, um im Radio vorgelesen zu werden.

Tobi:
Gut, dann fange ich mal jetzt an, ein bisschen über die Übersetzung zu ranten. Also Übersetzer, jedenfalls von meiner Fassung, war Jürgen Bürger, Jahrgang 54.
Sage ich mal jetzt so ganz wertfrei dazu. Also kurz Disclaimer, ich bin Jahrgang 71, also schon jünger als er. selber, nicht unbedingt der Jüngste, aber wie gesagt, der ist noch einen Tacken älter oder war auch schon, als er das Buch übersetzt hat.
Dann muss ich nochmal darauf hinweisen, also Stephen King sagte, er hatte das Buch 73 in der Urform, das Manuskript geschrieben, hat es dann ja 2006 oder so überarbeitet. Wir wissen also nicht, welche Teile des Buchs wann entstanden sind, was ja für die Sprache auch wichtig sein kann im Original. Wie gesagt, die Übersetzung ist von 2006 oder 2007 so in dem Dreh.
Und es spielt ja während der Reagan-Zeit. Also es wird ja zwischendurch mal Reagan erwähnt, der was weiß ich, zur Wiederwahl antritt oder so.
Das so für den zeitlichen Kontext. Was mir unheimlich aufgestoßen ist, dass in dem Buch mehrfach das N-Wort benutzt wird, vor allen Dingen in Kontexten, wo es überhaupt nicht notwendig ist.
Und zum Beispiel einmal in dem Kontext, dass sie da im Kino sitzen und der eine geht, Also Blaze und John als Jungs gehen ins Kino und John geht auf Toilette, kommt wieder und hat einen Portemonnaie gefunden und sagt dann Ja, das muss einer verloren haben, als er,
ein N-Wort abgeseilt hat.
Das heißt, da wird der Vorgang des Defekierens mit einer Redewendung...
ja klar, die Jungs drücken sich nicht gerade hochgestochen aus, im Englischen.
Ich habe mit ein bisschen Tricks die englische Stelle gefunden. Da steht halt "Take a Dump", also "Took a Dump". Da hätte man also aufschreiben können. Ja, beim Kacken.
Also das ist dann immer noch vom sprachlichen Niveau sicherlich so, wie die sich ausgedrückt haben. Aber warum der Mensch im Jahr 2006, 2007 die Formulierung "N-Wort abseilen" benutzt, das habe ich vielleicht in meiner frühesten Jugend mal benutzt.
Ich hoffe nicht. Also dann sind sie in Boston. Da wird wieder irgendwie von einem N-Wort gesprochen.
Ich habe im Original in "Negro Man", also da steht jetzt nicht irgendwie. Ich glaube, in Negro Man ist noch eine halbwegs harmlose Formulierung.
Das weiß ich jetzt nicht so genau. Aber auch so wirklich so Übersetzungsfehler als die das ganze Waisenhaus zusammen mit diesem Mädchen Waisenhaus und diesem Jugendstrafanstalt.
Die werden ja zum zum Ernteeinsatz geholt bei Herrn Blue Note,
Blaubeerfeld und dann ist da der Satz also wird so beschrieben sie fahren dann zu den Blaubeerfeldern um Blaubeeren zu ernten und dann steht da im Deutschen ein Absatz, "es steht in voller Blüte."
Wo ich dachte, was wollen die denn ernten, wenn es in voller Blüte steht? Habe ich geguckt, im Englischen steht da "in full fruit."
Jetzt kann man in full fruit natürlich, wenn du sagst im Deutschen, es steht in voller Frucht, aber da hätte man ja schreiben können, ja ein Blaubeerfeld in voller Pracht oder voller Blaubeeren, aber in voller Blüte ergibt inhaltlich halt überhaupt keinen Sinn.
Weil, was willst du da ernten, wenn es blüht? Naja und zu guter Letzt, Blaze wird ja, als er noch so vor George mit wechselnden anderen Kriminellen da tätig ist, kriegt er ja den Namen The Boogie Man im Englischen. Und das hat er dann im Deutschen übersetzt mit "der große Butzemann".
Ich habe nachgeguckt, tatsächlich, wenn du The Boogie Man, den Wikipedia Artikel auf Englisch, dann steht bei Deutsch, landest du wirklich bei der Butzemann.
Wobei ich mit dem Butzemann nichts unbedingt Bedrohliches verbinde, weil ich hab als Kind noch im Kreis gesessen auf dem Kindergeburtstag und "es geht ein Biba Butzemann in unserem Kreis herum."

Dela:
Naja schon, aber das war ja damals auch schon so was.
Der packt dich jetzt. Also das kenne ich Kuhderei tatsächlich auch schon als böse Intität.

Tobi:
Ja, aber ob man, ob es wirklich, also ich, was sprach dagegen, the Boogeyman auch im deutschen zu benutzen. Also wie gesagt im Jahr 2007. Und dann steht da ja, dann geht es ja darum, das aufgrund seines Spitznamens. Also, the Boogeyman ist halt ein, ich weiß nicht, ein schwarzer Mann. Ich weiß nicht, ob damit gemeint ist, ein wirklich von der Ethnie her ein schwarzer Mann oder ob das auch so ein, ja, so ein bedrohliches ist.
Auf jeden Fall steht dann im Buch, die Polizei denkt deshalb, er wäre ein Afroamerikaner.
Da benutzt der Übersetzer plötzlich das Wort Afroamerikaner, wo ich denke, Entschuldigung, jetzt hätte ich fast von dir erwartet, dass du wieder das N - Wort benutzt.
Also wie gesagt, ich fand die Übersetzung und wenn du jetzt sagst, du hast die englische Hörbuchfassung gehört und so halb die deutsche und findest, dass da die Stimmung gerade in, den Teilen, wo George mit Blaze redet, eine ganz andere ist, dann denke ich echt, dann muss ich Chloe zustimmen.
Irgendwann war ich an dem Punkt, dass ich sagte, hätte ich es mal lieber auf Englisch gelesen.

Dela:
Also mir hat definitiv die englische Hörbuchversion wesentlich viel mehr gegeben als die deutsche. Wie gesagt, ich habe es nicht gelesen, ich habe nur beide Hörbuchversionen.
Und auch wenn ich David Nathan sehr sehr liebe, aber er hat halt trotzdem eine gewisse Kante in der Stimme, die ihn aggressiv klingen lässt, wenn er es will.
Und der englische Hörbuchleser, ich weiß nicht genau, wer es war, der hatte halt so einen leicht jovialen Unterton. Und jovialer Unterton ist genau das, was ich mir bei George vorgestellt habe.
Auch in meinem Kopf. Also es hat zwar eine Herablassung, aber es ist eben dieses jovial Herablassende. Wisst ihr, was ich will?

Tobias:
Also ich kann es mir so ungefähr vorstellen, wie es anders rüberkommt. Es wäre interessant, wie viel davon ist Stimme und wie viel davon ist Sprache. Ja, richtig.

Dela:
Auf jeden Fall war ich sehr froh, dass ich mir den Spießrutenlauf mit der deutschen Übersetzung gar nicht erst angetan habe. Das hat mir in den letzten drei Büchern schon gereicht und ich hab mir jetzt gedacht, ich mach's mir jetzt einfach.

Chloe:
Was ich dazu noch ergänzen wollte, zu dem was Tobi gesagt hat, wo ich auch wirklich zu allem zustimme, ist, dass ich durch die Sprache, die die Jugendlichen benutzt haben, also Blaze und George und John unter sich,
totale Probleme hatte, mich mit den Personen irgendwie zu identifizieren.
Klar, 2006 ist lange her, als die Übersetzung gemacht wurde, aber trotzdem haben die Wörter benutzt, die ich noch nie gehört habe.
Wirklich noch nie. Und das hat es mir wirklich irgendwie schwer gemacht, mich mit den Personen auf jeglicher Weise irgendwie identifizieren zu können, obwohl sie ja wirklich in meinem Alter waren tatsächlich.

Dela:
Ohne dir zu nahe zutreten zu wollen, aber ich glaube, du bist jetzt doch deutlich jünger als wir anderen alle zusammen.
Und ich glaube, ein paar von uns kennen das tatsächlich noch. Vielleicht nicht mehr am eigenen aktiven Sprachschatz, aber...
Ich glaube, da bist du wirklich einfach eine Generation drüber schon. Dass deine Eltern das schon nicht mehr hatten.
Weißt du, was ich meine?

Chloe:
Ja, das kann natürlich auch sein, das stimmt.

Dela:
Also ich weiß nicht, ob ihr anderen dazu eine Meinung habt, aber...
Also das hat mich nicht rausgebracht. Ich konnte mich aus anderen Gründen nicht mit denen identifizieren.

Chloe:
Ja, es war auch nur ein Grund tatsächlich, aber der hat mich dann doch tatsächlich ein bisschen gestört, aber gut, das kann natürlich wirklich sein.

Jonas:
Ja, ich glaube, um mal den Übersetzer in Schutz zu nehmen, ohne ihn zu kennen.
Er musste 2006 versuchen, eine Geschichte zu übersetzen, die in den 80er Jahren spielt. Und nehmen wir mal an, Blaze ist 30.
Das heißt, er ist in den 50ern geboren, also in den 60ern sozialisiert. Und dass dann da das N- wort vorkommt, das wundert mich nicht.

Tobi:
Sagen wir mal so, wenn es in der wörtlichen Rede vorkommen würde, hätte ich da ja auch Verständnis für, wenn er die Sprache der Zeit widerspiegeln wollte. Aber es kommt in beiden Fällen nicht in der wörtlichen Rede vor.
Oder warte mal ne Moment doch einmal kommt es in der wörtlichen Rede vor aber gesagt bei dem ersten Fall geht es ja um eine Redewendung die so nicht da steht.
Aber in beiden fällen steht im Original da nicht das n-wort und dann kann ich das auch nicht mit 50er jahre erklären,

Jonas:
Ja, ich glaube halt, dass der Übersetzer gedacht hat,
wie kann ich vielleicht die Zeit darstellen?
Es ist keine Entschuldigung, aber es ist vielleicht eine Erklärung.

Dela:
Gut, haben wir noch Ergänzungen zu irgendwas?

Tobi:
Ich hätte noch eine Frage, weil gerade Flo ist ja auch so belesen im Englischen. Als Blaze von seinem Vater die Treppe runter geschmissen wird und dann im Koma liegt,
da benutzt der Arzt den Ausdruck, wenn er wieder aufwacht, dann wird er den Rest seines Lebens Gemüse sein.
Und den Ausdruck meine ich schon öfter gelesen zu haben, aber eigentlich immer nur in deutschen Übersetzungen englischer Sachen. Und ich weiß nicht, ob ich die Stelle gefunden habe im Englischen.
Ich habe mir nur notiert, dass es diesen Ausdruck gibt im Englischen persistent vegetative state, also dauerhafter vegetativer Zustand, der eben so eine Art Wachkoma beschreibt.
Ist da denke ich mir da jetzt nur ein Zusammenhang, dass es eben Gemüse, Vegetable, Vegetative gibt?

Flo:
Also ich habe das schon in verschiedenen Geschichten, Serien, Filmen, Büchern gehört.
Ich vermute sehr, dass der Zusammenhang daher kommt von diesem englischen Begriff und dann Vegetable im Deutschen einfach als Gemüse übersetzt wird, was hier dann auch richtig ist.
Wahrscheinlich auch irgendwie so symbolisch für etwas, das lebt, aber eigentlich nur noch rumliegt. So gehe ich mal davon aus.

Dela:
Also es ist definitiv keine wirkliche Herleitung, glaube ich. Das denke ich ist ein Übersetzungsding, das irgendwann mal etabliert worden ist und so behalten worden ist.

Tobi:
Gut, das hatte ich mir so ähnlich schon gedacht.

Dela:
Eine letzte Sache habe ich noch und Flo, da möchte ich gerne mit Dir zusammen weinen. Im Nachwort geht King auf das Thema ein: verschwundene Manuskripte und dass er eben dieses Manuskript auch in irgendeinem Karton hatte und eigentlich davon ausgegangen ist, er sieht es nie wieder.
Und dann sprechen wir über zwei weitere Romane. Einmal über Under the Dome, dass er bedauerlicherweise wiedergefunden hat.
Und andererseits einen zweiten Roman, The Cannibals, das 200 Seiten hatte und das ist nie wieder aufgetaucht.
Und ich weine diesem Buch hinterher, ich möchte dieses Buch haben. Warum haben wir stattdessen Under The Dome?

Flo:
Under The Dome werden wir noch besprechen müssen.
Es ist nicht so schlecht.

Dela:
Doch.

Flo:
Nein, das Ende ist schlecht, aber da reden wir später drüber.
In einer langen, langen Folge irgendwann.

Dela:
Mit viel Geschrei.

Flo:
Ja, aber ich hätte auch the Cannibals unheimlich gerne.

Dela:
Das war wirklich... Also wenn wir darüber reden, dass Bachmann heartbrake ist und deprimierend und hoffnungslos, dann hat mir diese Nachricht, dass wir einen Cannibal-Roman hätten haben können und der weg ist, mir mehr das Herz gebrochen als die ganze Inhaltszusammenfassung dieses Romans. Das ist alles traurig.

Flo:
Ja, ich weiß nicht, ob es wirklich ein Kannibalen Roman war oder ob der Titel einfach nur irreführend ist, aber man hofft natürlich. Ich weiß nicht, vielleicht kriegen wir ja irgendwann mal noch irgendwas.
Wir werden sehen. Vielleicht findet er ja noch eine Kiste.

01:36:29 Zitate

Dela:
Ich hoffe. Ich will dieses Buch.
Nun gut, wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben. Deswegen würde ich sagen, kommen wir jetzt zur Bewertung. Bevor aber wir das tun, frage ich euch in Hoffnung und Unglauben, habt ihr Zitate für mich?

Tobi:
Also ich hätte eins.

Dela:
Ja, bitte.

Tobi:
Und zwar ist es die Szene, die ich vorhin angesprochen hatte, mit Blaze und dem Baby und so. Und wo ihm so klar wird, welches Potential in so einem Baby steckt.
"Blaze nahm eine Hand des Babys und hielt sie.
Die Finger rollten sich sofort um seinen kleinen Finger.
Das werden mal große Hände, dachte Blaze. Irgendwann halten Sie vielleicht einen Zimmermannshammer oder einen Schraubenschlüssel, vielleicht sogar einen Künstlerpinsel."

Dela:
Okay, Chloe, hast du was?

Chloe:
Ja, ich hab auch eins.

Dela:
Ich bin stolz auf dich.

Chloe:
Danke schön.
Es kam natürlich auch recht am Ende des Romans vor, ich glaube an der Stelle, an der er realisiert, dass er seinen Namen gesagt hat in der Telefonzelle. Und zwar, "Blödheit war ein Gefängnis, aus dem sie einen nie rausließen. Darin sitzt man lebenslänglich."
Das fand ich schon ziemlich traurig, dass er das selbst so realisiert hat. Man kennt es ja manchmal sogar von einem selbst, wenn man vielleicht in einer Gruppe ist, von
Menschen oder gerade in einer Situation ist, wo man gerade irgendwie nicht hinterherkommt und denkt, irgendwie kann ich hier gerade nicht mitreden.
Und dass er einfach immer in dieser Situation ist, dass er es auch selbst realisiert, fand ich irgendwie traurig.

Dela:
Ich hab da nur noch "Money is for to cut through the bullshit." Also das ist der Grund, warum wir Geld haben, um quasi über diesen Bullshit hinwegzukommen.
Den fand ich noch ganz nett. Flo, hast du noch eins?

Flo:
"Und er vermutete, dass es wohl immer jemand größeren, jemand mit einem größeren Paddel gab."

01:38:26 Bewertung

Dela:
Okay, vielen Dank. Dann kommen wir jetzt final und abschließend zur Bewertung. Für die Menschen, die nicht allzu oft bei uns zu Gast sind, wir bewerten von 0 bis 19. Null ist das schlechteste, also Sprengstoff. Neunzehn ist das Beste.
Feuer frei, ich würde sagen, Tobias, du hast das erste Wort.

Tobi:
Gut, dann sage ich mal so, es ist jetzt unfair King gegenüber, aber selber schuld. Es sucht sich aus so einen blöden deutschen Verlag aus.
Ich würde von mir 15 kriegen, wegen der Übersetzung nur 12.

Dela:
Okay. Jonas?

Jonas:
Ich hatte, ja, doch Spaß. Ich hatte Spaß an der Geschichte. Es hat mir Freude bereitet und ich gebe 16 Punkte.

Dela:
Das ist erstaunlich, okay. Chloe?

Chloe:
Ich würde tatsächlich 13 Punkte geben, weil ich die Geschichte schon spannend fand. Ich fand es gut lesbar, ich hatte Spaß beim lesen auch.
Nur eben manche Momente oder manche Situationen haben mich eben einfach nicht gecatcht oder haben mich nicht wirklich mitgerissen.

Dela:
Okay. Ich persönlich würde 10 Punkte geben, weil es war völlig belanglos, es hat mir aber auch nicht weh getan, es hatten ein paar schöne Momente, die mir Spaß gemacht haben, aber im Großen und Ganzen weiß ich, dass ich das Buch spätestens nächste Woche wieder vergessen habe,
und deswegen kann ich über 10 Punkte nicht rausgehen. Aber ich musste nicht rumschreien, von daher, das ist okay.
Flo wie sieht es bei dir aus?

Flo:
Ich sehe es eigentlich, und das ist beängstigend, genau so wie du, würde aber doch elf Punkte geben, weil...

Dela:
Aus Prinzip.

Flo:
Aus Prinzip, nein. Und also gerade die Figur Blaze macht schon ein bisschen Spaß, aber wie wir schon gesagt haben,
also ich werde es auch wieder vergessen haben. Ich musste mich heute tatsächlich mal reinlesen, damit ich mich dran erinnere und es ist glaube ich zwei Wochen her, ich das Buch gelesen habe. Ja, Fastfood, aber das muss ja nicht schlecht sein.

Dela:
Genau. Gut, habe ich noch irgendwas oder irgendwen vergessen?

Tobi:
Der letzte Satz, den ich mir notiert habe ist, leider könnten Teile der Geschichte auch heute noch spielen. Also manche Sachen, was schon gesagt wurde, mit wie die Polizei sich verhält oder wie, was weiß ich, der Waisenhaus- Direktor, wie der sich verhält.
oder auch hier die komische Familie, die ihn da aufnimmt und auch seine eigene Familie.
Wo man denkt, ja leider kann es das heute alles immer noch geben. Es ist nicht so, dass man sagt, ja, das spielt halt vor Jahrzehnten und heute ist es alles viel viel besser.
Nee, das könnte heute alles immer noch so sein und so passieren.

01:41:29 Hausmeisterei Und Outro

Dela:
Ja. Gut, mit diesem Schlusswort würde ich euch aus der Folge entlassen. Es war mir wie immer eine Ehre. Liebe Chloe, es war wunderschön mit dir.

Chloe:
Danke, das gehe ich so zurück.

Dela:
Tobias, mit dir war es auch wie immer großartig.

Tobi:
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Dela:
Und Flo und Jonas, ihr seid sowieso meine liebsten Stump-Mitpodcaster. Es war mir eine Ehre.

Jonas:
Ebenso.

Flo:
Das möchte ich zurückgeben.

Dela:
Gut, liebe Hörer und Hörerinnenschaft, ich danke euch fürs Zuhören und lasst es euch gut gehen.
Wir hören uns demnächst zu einem weiteren Buch wieder. Wir werden sehen, ob es besser wird.
Bis dahin, bis bald und wenn ihr mitmachen wollt, könnt ihr euch gerne melden. Wie gesagt, einfach auf die Leserliste gucken und uns entsprechend über die üblichen Kanäle mal anhauen.
In diesem Sinne, lasst es euch gut gehen, man hört sich, tschüss!

Flo:
Tschüss!

Jonas:
Ciao!

Tobias und Chloe:
Tschüss!